Afrika Jahr der Rebellen


Ein großer Teil des schwarzen Kontinents versank auch in diesem Jahr in Krieg und Terror. Oft gelang es den Rebellen, an der Regierung beteiligt zu werden, um selbst an die staatlichen Einnahmequellen zu gelangen. Sie setzen dafür skrupellos Kindersoldaten ein.

Meistens standen Konflikte im Mittelpunkt wenn im Jahre 2003 von Afrika die Rede war. Dennoch gab es quer durch den Kontinent Entwicklungen, die Hoffnungen auf Frieden weckten. Ehemalige Rebellen haben in mehreren Ländern Regierungsämter übernommen, eine europäische Eingreiftruppe hat zumindest in einem kleinen Teil des Kongo für Ruhe gesorgt, und mit vereinten westafrikanischen Kräften ist Liberia seinen kriegslüsternen Präsidenten Charles Taylor losgeworden.

Frieden im Sudan

Das Jahr 2003 wird vor allem in der Geschichte des Sudans einen besonderen Platz einnehmen. Nach 20 Jahren Bürgerkrieg, dem längsten auf dem ganzen Kontinent, war das Land noch nie so nah am Frieden wie jetzt. Vertreter der Regierung in Khartum und der Rebellen im Süden haben US-Außenminister Colin Powell zugesagt, bis Ende des Jahres ein Abkommen auszuhandeln. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bereitet schon die Rückführung eines Teils der insgesamt 570 000 sudanesischen Flüchtlinge in den Nachbarländern vor.

Auch Liberianer werden sich noch lange an die Ereignisse 2003 erinnern. Dank des Einsatzes Nigerias hat das Land mitten im Bürgerkrieg einen halbwegs geordneten Machtwechsel erlebt. Taylor erklärte sich mit dem Exil einverstanden, weil Präsident Olugesun Obasanjo ihm die Chance gab, sein Gesicht zu wahren. Noch ist fraglich, ob Taylor je für seine Taten zur Verantwortung gezogen wird, trotz einer Anklage vor dem Sondergericht für Sierra Leone und eines Haftbefehls von Interpol. Aber sein Weggang hat zumindest die Bildung einer neuen Regierung mit Beteiligung der Rebellen ermöglicht.

Ehemalige Regierungsgegner haben auch in Kongo, in Burundi und an der Elfenbeinküste ihren Wunsch nach Machtbeteiligung durchgesetzt. In der ivorischen Hauptstadt Abidjan stand das Experiment Ende des Jahres allerdings nur noch auf schwachen Füßen. In Burundi hat ein in die Regierung aufgenommener Rebellenführer im Dezember öffentlich um Vergebung für den jahrelangen Krieg gebeten.

"Operation Artemis"

Die Europäer erlebten im abgelaufenen Jahr eine Premiere in Afrika: Die "Operation Artemis" unter französischer Führung im Osten Kongos war der erste gemeinsame Militäreinsatz der EU außerhalb Europas. Auch die Bundeswehr beteiligte sich, allerdings nur an logistischen Aufgaben. Die UN-Mission in Ostkongo hatte wegen ihres begrenzten Mandats zuvor bei zahlreichen Massakern untätig zugesehen. Die EU-Soldaten setzten in der Provinzhauptstadt Bunia ein Waffenverbot durch und hielten die Stellung, bis die UN-Mission mit mehr Personal und einem robusteren Mandat erneut die Schutzrolle übernahm.

Verschlechtert hat sich die Lage 2003 dagegen vor allem in Somalia und Uganda. Während die somalischen Kriegsherren in Kenia seit mehr als einem Jahr über eine Friedenslösung verhandeln, geht der Bürgerkrieg in ihrer Heimat ungebremst weiter. Zwischendurch verkündeten die Delegierten zwar die Verabschiedung einer neuen Verfassung, doch kurz darauf stritten sie erneut über zentrale Elemente des Textes.

Armee aus entführten Kindern

In Norduganda wurden - ungeachtet der Erfolgsmeldungen von Präsident Yoweri Museveni im Kampf gegen die Rebellen - immer mehr Kinder entführt und in die Rebellenmiliz LRA eingegliedert. Die Anhänger des Rebellenführers Joseph Kony, der sich für göttlich inspiriert hält und seit 17 Jahren gegen die Regierung in Kampala kämpft, bekommen ihren Waffennachschub aus dem Sudan. Die Armee besteht zum größten Teil aus entführten Kindern, die, zu Gewalttaten gezwungen, schließlich vor keiner Brutalität mehr zurückschrecken. Ein hochrangiger UN-Mitarbeiter nannte die Lage in Uganda "schlimmer als im Irak".

Möglicherweise wird sich das Interesse Deutschlands im nächsten Jahr stärker auf Afrika richten als in diesem Jahr, planen doch Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundespräsident Johannes Rau jeweils eine Reise durch afrikanische Länder.

Ulrike Koltermann DPA

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