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Afrika: Soldaten an vorderster Aids-Front

Aids in den Sreitkräften wird in afrikanischen Staaten zu einem Problem der nationalen Verteidigung. Alter, Mobilität und die Neigung zum Gelegenheitssex machen die Soldaten zu einer besonderen Risikogruppe.

In ganz Afrika sind die Krankenhäuser überfüllt mit Soldaten. Die Patienten sind aber nicht die Opfer eines bewaffneten Konflikts, sondern einer kontinentalen Heimsuchung: Aids wird für viele afrikanische Staaten ein Problem der nationalen Verteidigung. Von den weltweit nahezu 40 Millionen mit HIV infizierten Menschen leben allein 25 Millionen in afrikanischen Ländern südlich der Sahara. "Die Angehörigen der Streitkräfte stehen in vieler Hinsicht an der vordersten Front der Aids-Epidemie", sagte der stellvertretende südafrikanische Verteidigungsminister Mluleki George kürzlich auf einer Konferenz in Kapstadt. Ihr Alter, ihre Mobilität und die Neigung zum Gelegenheitssex machen sie zu einer besonderen Risikogruppe.

Hohe Infektionsrate in den Streitkräften

Bei den Streitkräften Südafrikas sind 23 Prozent der 75.000 Soldaten mit HIV infiziert. Nach diesen offiziellen Zahlen aus dem Jahr 2002 sind sieben von zehn Todesfällen bei Soldaten auf Aids zurückzuführen. Neuere Zahlen gibt es ebenso wenig wie Daten aus anderen afrikanischen Ländern. Aber das Institut für Sicherheitsstudien in Pretoria schätzt, dass die Infektionsrate in den Streitkräften bis zu doppelt so hoch ist wie in der Gesamtbevölkerung.

Aids sei die Haupttodesursache bei den Streitkräften Ugandas, sagte Oberstleutnant Kenneth Ochen. In der Behandlung des Militärarztes in Kampala starben im vergangenen Jahr 200 Aids-Patienten. Die Behandlung der kranken Soldaten bedeutet auch eine Belastung für die Militärbudgets. Und die hohe Infektionsrate schafft Probleme für den Einsatz von Friedenstruppen der Vereinten Nationen oder der Afrikanischen Union. In Sierra Leone starben mindestens vier Blauhelmsoldaten an Aids, zehn weitere wurden mit einer HIV-Infektion nach Hause geschickt. Auch beim Einsatz der Afrikanischen Union im Sudan wurden zwei Aids-Todesfälle gemeldet.

Südafrika hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um das Problem unter Kontrolle zu bringen. Schon 2002 wandten sich die Streitkräfte an die USA und baten um eine Mitwirkung an Medikamententests - lange bevor die lebensverlängernden Mittel auf den Markt kamen. Inzwischen arbeiten Experten des amerikanischen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten in fünf südafrikanischen Kliniken mit ihren dortigen Kollegen zusammen. Zwei Jahre nach Beginn des Forschungsprojekts Phidisa ("Das Leben verlängern") melden die Streitkräfte erste Erfolge der Bemühungen, Aids-Patienten in den eigenen Reihen wieder fit zu bekommen.

Phidisa versorgt 834 Soldaten mit Aids-Medikamenten; weitere 232 werden über ein spezielles US-Finanzierungsprogramm unterstützt. Das auf fünf Jahre angelegte Projekt will auch die Rolle der Ernährung und einen möglichen Beitrag der traditionellen afrikanischen Medizin bei der Behandlung der Patienten untersuchen.

Ntshangases neuer Untergrundkampf

Geholfen hat das Projekt der 36-jährigen Soldatin Philisiwe Ntshangase. Monatelang kam sie immer wieder ins Krankenhaus, um sich behandeln zu lassen. Sie verlor an Gewicht, begann zu trinken und war akut selbstmordgefährdet. Inzwischen strahlt sie wieder eine blühende Gesundheit aus. Ihre Hauptsorge ist, wie sie die Pfunde wieder verliert, die sie seit Beginn der neuen Therapie zugelegt hat. "Die Medikamente haben mich zu einem anderen Menschen gemacht", sagte Ntshangase. Die einstige Guerillakämpferin gegen das Apartheid-Regime hat nun einen neuen Untergrundkampf aufgenommen: Sie berät andere Soldaten, die an HIV infiziert sind. "Das erinnert mich an meine Mission in den Streitkräften", sagt die Soldatin, "für mein geliebtes Land zu sorgen".

Nur wenn Südafrika das Aids-Problem in den Streitkräften in den Griff bekommt, kann es seine hohen außenpolitischen Ziele in Afrika erfüllen. Das Programm sei von strategischer Bedeutung hinsichtlich der Aufgaben bei Friedensmissionen, sagt der stellvertretende Verteidigungsminister George. Südafrika hat 1250 Soldaten nach Burundi und 1350 in den Kongo geschickt.

Nach dem Vorbild des großen Nachbarn hat auch Sambia ein Therapieprogramm für die Streitkräfte gestartet. Dort erhalten bislang mehr als 1000 Soldaten Aids-Medikamente. Aber noch immer ist HIV mit einem sozialen Stigma versehen, das viele daran hindert, sich auf eine Therapie einzulassen. In Mosambik fehlt es nach vielen Jahren des Bürgerkriegs selbst an den erforderlichen Mitteln zur Aids-Diagnose. Deswegen müsse sich das Militärkrankenhaus in Maputo, wo zurzeit 200 Aids-Patienten behandelt werden, verstärkt auf die Prävention konzentrieren, sagt Major Agostinho Afonso und fügt hinzu: "Wir brauchen mehr Hilfe."

Alexandra Zavis/AP / AP