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Agrarausblick 2008: Nahrungsmittel-Krise dauert lange an

Die Preise für Nahrungsmittel haben sich in den vergangenen Monaten drastisch erhöht. Auf diesem Rekordhoch werden sie auch erstmal bleiben - meinen die OECD und Vereinten Nationen in ihrem Agrarausblick 2008. Schuld daran sei unter anderem der Ölpreis.

Die wachsende Nachfrage in den Schwellenländern und die Rekordpreise beim Öl werden die Nahrungsmittelpreise auch in den kommenden Jahren hoch halten. Das teilten OECD und Vereinte Nationen zur Veröffentlichung des Agrarausblicks 2008 in Paris mit. Neue Essgewohnheiten in den Schwellenländern, Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum trieben die Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln weiter an. Hart ins Gericht gingen die Experten mit der Förderung von Biotreibstoffen. "Die Nachfrage nach Biokraftstoffen erklärt zu einem großen Teil den Preisanstieg", hieß es.

Derzeit seien die Preise nahezu aller Grundnahrungsmittel auf einem Rekordhoch, heißt es in dem Agrarausblick. Die Studie wurde neben der OECD von der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) veröffentlicht. Vor allem Dürren in den wichtigsten Anbauregionen, sowie leere Lagerbestände hätten zu dem "drastischen" Preisanstieg geführt. Ein weiterer Faktor, der auch längerfristig eine Rolle spiele, ist nach Einschätzung von OECD-Agrardirektor Stefan Tangermann der hohe Ölpreis, denn die Produktion von Nahrungsmitteln sei ein energieaufwändiges Geschäft.

Viele Grundnahrungsmittel wie Reis oder Mais haben besonders seit Anfang des Jahres Preissprünge verzeichnet und in einigen Ländern wie Haiti oder Mexiko zu Hungerrevolten geführt. Am stärksten betroffen seien die Stadtbewohner in Entwicklungsländern, die sich nicht selbst ernähren könnten, erklärten die Agrar- und Wirtschaftsexperten. "Heute leiden rund 860 Millionen Menschen an Hunger und Mangelernährung - das zeigt, wie wichtig es ist, wieder stärker in Landwirtschaft zu investieren", sagte FAO-Generalsekretär Jacques Diouf. "Landwirtschaft muss wieder auf die Entwicklungs-Agenda gesetzt werden."

Lebensmittel nie wieder so günstig wie früher

Auf lange Sicht werden der Studie zufolge Effizienzgewinne und Produktivitätssteigerungen in der Agrarwirtschaft die wachsende Nachfrage ausgleichen, so dass die Preise real wieder sinken werden. Ihr früheres niedriges Niveau würden sie jedoch nicht wieder erreichen, hieß es. In den kommenden zehn Jahren werden die realen, also um die Inflation bereinigten Preise für Reis und Zucker um knapp zehn Prozent, für Weizen um knapp 20 Prozent, für Butter, Ölsaaten und Grobgetreide um etwa 30 Prozent und für Pflanzenöl um gut 50 Prozent über den Durchschnittswerten des vergangenen Jahrzehnts liegen. FAO und OECD legten zum vierten Mal eine gemeinsame derartige Prognose vor.

OECD-Generalsekretär Angel Gurría forderte eine Liberalisierung des Handels. "Steigenden Lebensmittelpreisen kann man nicht durch Protektionismus beikommen", sagte er. "Der richtige Weg ist eine Öffnung der Agrarmärkte und Freisetzung der produktiven Kapazitäten der Landwirte, die wiederholt bewiesen haben, dass sie auf Marktsignale reagieren."

Nach Einschätzung der Experten müssen EU und USA zudem ihre Förderpolitik für Biokraftstoffe ändern. So habe sich die weltweite Ethanolproduktion zwischen 2000 und 2007 verdreifacht, hieß es. Bis 2017 werde sie sich erneut auf jährlich 127 Billionen Liter verdoppeln. Die Biodieselproduktion dürfte von elf Billionen Litern jährlich im Jahr 2007 auf ungefähr 24 Billionen Liter im Jahr 2017 ansteigen. "Dieses Wachstum bei Biokraftstoffen wird die Nachfrage nach Getreide, Ölsaat und Zucker noch weiter erhöhen und trägt so zu weiteren Preissteigerungen bei Agrarprodukten bei", hieß es. Es sei "unklar, ob die Energiesicherheit sowie die ökologischen und wirtschaftlichen Ziele dieser Maßnahmen mit den gegenwärtigen Produktionstechnologien erreicht werden können".

DPA / DPA