Al-Sadr US-Armee bläst zum Großangriff

Die Amerikaner haben ihre Taktik im Umgang mit dem radikalen Schiitenprediger Al Sadr geändert. Statt Verhandlungen planen sie zusammen mit irakischen Hilfstruppen den Sturm auf die Hochburg des Milizenführers.

Die Miliz von Muktada Al Sadr müsse ein für alle Mal bekämpft werden, sagte US-Oberst Anthony Haslam am Mittwoch in Bagdad. Zur Vorbereitung der geplanten Offensive in Nadschaf führten US-Soldaten und irakische Nationalgardisten gemeinsame Übungen durch. Etwa 80 Prozent der Bewohner des Altstadtkerns hätten der Aufforderung des US-Militärs vom Vortag Folge geleistet, ihre Wohnungen zu verlassen, um bei einer Offensive nicht zwischen die Fronten zu geraten.

Der Milizenführer gab sich ungeachtet des militärischen Aufmarsches gegen ihn betont aggressiv. Er rief seine Truppe dazu auf, auch dann weiterzukämpfen, wenn er selbst gefangen genommen oder getötet werde. "Kämpft weiter, selbst wenn ihr mich als Gefangenen oder als Märtyrer seht", ließ Al Sadr in einer Erklärung verbreiten, die vom arabischen TV-Sender Al Dschasira zitiert wurde.

Sporadische Gefechte am schiitischen Heiligtum

Unklar blieb zunächst, ob auch ein Angriff auf den Imam-Ali-Schrein in Erwägung gezogen wurde, wo sich nach US-Darstellung viele Aufständische verschanzt hielten. Der Schrein ist das größte Heiligtum der schiitischen Bevölkerungsmehrheit im Irak. Am Morgen kam es zu sporadischen Gefechten auf dem Gelände des um den Schrein gelegenen Friedhofs.

Der Aufstand der Al-Sadr-Milizen hat sich mittlerweile über den ganzen Südirak ausgeweitet. Selbst britische Truppen mussten in ihrem ansonsten ruhigen Zuständigkeitsbereich gegen die Aufständischen vorgehen. Ein britischer Militärsprecher sagte, die Behörden hätten in den südlichen irakischen Provinzen britische Truppen zur Unterstützung angefordert. Bei Kämpfen zwischen britischen Soldaten und irakischen Aufständischen in der Stadt Amara waren in der Nacht zehn Iraker getötet und 50 verletzt worden, hieß es.

In den Reihen der irakischen Übergangsregierung stieß das Vorhaben der Amerikaner zum Teil auf Widerstand. Der irakische Vizepräsident Ibrahim al Dschaafari rief die US-Truppen zum Abzug aus Nadschaf auf. Nur irakische Einheiten sollten in der heiligen Stadt für Sicherheit sorgen, sagte er dem Fernsehsender Al Dschasira in London. Die Übergangsregierung steht allerdings unter Druck aus der eigenen Bevölkerung, endlich für Sicherheit im Land zu sorgen.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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