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Krieg in der Ukraine Mit dem Boot nach Alaska: Zwei Russen fliehen vor Teilmobilmachung in die USA

Ein Helikopter der US-Küstenwache bei einem Einsatz in Alaska.
Ein Helikopter der US-Küstenwache bei einem Einsatz in Alaska. Auf der Flucht vor der Teilmobilisierung sind zwei Russen auf der Sankt-Lorenz-Insel in der Beringsee gelandet.
© Imago Images
Über den Landweg, mit dem Flugzeug und auch mit dem Boot – nach der Teilmobilmachung verlassen Tausende Russen das eigene Land. Für Aufsehen sorgen nun zwei Männer, die sich für die Flucht übers Meer entschieden – in die USA. 

Mehr als 200.000 Russen haben seit Beginn der Teilmobilmachung am 21. September das eigene Land verlassen. Ein Fall von zwei Männern sorgt jedoch jetzt für Aufsehen, auch weil sie sich ein ungewöhnliches Ziel für ihre Flucht aussuchten. Mit einem kleinen Boot seien die beiden Männer nach Alaska geflohen und hätten dort Asyl in den USA beantragt, erklärten zwei US-Senatoren des Bundesstaates am Donnerstag. Die Männer seien nahe Gambell, einem kleinen Ort im Norden der Sankt-Lorenz-Insel, rund 65 Kilometer von Russland entfernt, an Land gegangen. Der Lokalzeitung "Alaskas News Source" sagte der Gemeindevorsteher von Gambell, dass die Männer im 500 Kilometer entfernten Egwekinot aufgebrochen seien.

In den USA sorgt der Fall vor allem hinsichtlich der Grenzsicherheit für Aufsehen. "Wir sind mit den lokalen Behörden im Austausch darüber, wer die beiden Männer sind. Aber wir wissen jetzt schon, dass die Reaktion der Behörden mangelhaft war", erklärte die republikanische Senatorin Lisa Murkowski in einer Stellungnahme. Demnach hätten nur lokale Polizeibehörden unmittelbar auf den Vorfall reagieren können, die Zoll- und Grenzschutzbehörde jedoch musste einen Helikopter der Küstenwache aus über 1200 Kilometern Entfernung nach Gambell beordern. Gegenüber den Behörden hätten die Männer angegeben, dass sie wegen des "verpflichtenden Militärdienstes" aus Russland geflohen seien, erklärte Murkowski.

Flucht nach Alaska: USA prüfen Asyl für zwei Russen

Ein Sprecher des US-Heimatschutzministeriums teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, dass die Fälle der beiden Russen "gemäß der geltenden US-Einwanderungsgesetze geprüft" würden. Gegenwärtig sei aber noch unklar, ob den beiden Männern Asyl gestattet werde. "Der Vorfall macht zwei Dinge offensichtlich: Das russische Volk will an Putins Angriffskrieg in der Ukraine nicht teilnehmen. Und zweitens müssen wir uns klar sein, dass Alaska durch seine Nähe zu Russland eine wichtige Rolle für die Sicherheit Amerikas spielt", erklärte Senator Dan Sullivan in einer Mitteilung.

Sullivan forderte die Zoll und Grenzschutzbehörde CBP dazu auf, gemeinsam mit der Küstenwache einen Plan auszuarbeiten, "falls noch mehr Russen über die Beringstraße nach Alaska fliehen sollten". Alaskas Gouverneur Mike Dunleavy geht jedoch nicht von vielen weiteren Fällen aus. "Wir haben keinerlei Anzeichen dafür, dass es einen Flüchtlingsstrom aus Russland nach Alaska gibt. Das könnte eine einmalige Angelegenheit gewesen sein", erklärte Dunleavy gegenüber dem lokalen Nachrichtenportal "Alaska's News Source"

Die Sankt-Lorenz-Insel ist mit einer Fläche von 4640 Quadratkilometern eine der größten amerikanischen Inseln, jedoch kaum besiedelt. Neben Gambell ist Savoonga der einzige weitere Ort, insgesamt leben nur rund 1300 Menschen auf der Insel. Obwohl sie zu Alaska gehört, liegt sie deutlich näher an russischem Festland. Die Nordspitze der Insel und die Ostspitze Russlands trennen nur 60 Kilometer, das Festland Alaskas ist 250 Kilometer entfernt.

Quellen: AP, Washington Post, NBC

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