HOME

Nach Aufruf zu Protesten: Kreml-Kritiker vergiftet? Das sagt Nawalny zu seinen rätselhaften Beschwerden

Alexej Nawalny schließt nicht aus, im Gefängnis vergiftet worden zu sein. Dafür könnte sich jemand während seiner Abwesenheit in seine Zelle geschlichen haben, vermutet er und fordert die Aufnahmen der Überwachungskameras an. 

Kreml-Kritiker Alexej Nawalny schließt eine Vergiftung nicht aus

Kreml-Kritiker Alexej Nawalny schließt eine Vergiftung nicht aus

DPA

Kremlkritiker Alexej Nawalny ist nach einem angeblichen Allergieschock aus dem Krankenhaus entlassen worden. Zurück im Gefängnis, wo er eine 30-tägige Haftstrafe verbüßt, veröffentlichte der Oppositionspolitiker auf seiner Website eine Erklärung zu seinem Zustand und den seltsamen Beschwerden, die während seiner Haft am vergangenen Samstag aufgetreten sind. "Ich hatte noch nie eine Allergie. Auf keine Lebensmittel, auf keine Pollen und auch auf nichts anderes", versicherte Nawalny.

Wie es zu einem Allergieschock, der bei ihm im Krankenhaus diagnostiziert wurde, gekommen sein könnte, kann er sich nicht erklären. "Es war der vierte Tag meiner Haft. Ich habe das Gleiche gegessen wie alle anderen. Meine Haftbedingungen sind genau die gleichen wie bei allen anderen fünf Häftlingen", so Nawalny.

Außerdem habe er in derselben Zelle erst vor kurzem bereits zehn Tage verbracht. "Ich habe meine eigene Bettwäsche. Dieses habe ich stets in meiner Gefängistasche, die ich immer griffbereit habe." Ebenso wie Zahnpasta, Seife und andere Pflegeprodukte. Am Sonntag hatte Nawalnys Hausärztin bereits den Verdacht geäußert, der Politiker sei möglicherweise mit Gift in Berührung gekommen. "Wir können nicht ausschließen, dass seine Haut von einem Gift berührt und von einer unbekannten chemischen Substanz durch einen Dritten verletzt wurde", schrieb die Medizinerin Anastasia Wassiliewa auf Facebook.

Nawalny fordert Aufnahmen der Überwachungskameras 

Auch Nawalny selbst hegt diesen Verdacht. "Glaube ich, dass ich vergiftet worden sein könnte?", fragt er rhetorisch in seiner Erklärung. Diese Frage könne dadurch beantwortet werden, wenn man klären würde, ob außer den Mitarbeitern der Sonderhaftanstalt jemand anders Zutritt zu seiner Zelle hatte. "Dass örtliche Polizisten mich vergiftet haben, schließe ich aus. Mein Anblick hat sie noch mehr schockiert als mich selbst", so Nawalny.

Daher fordert er, dass die Aufnahmen der Überwachungskameras ausgehändigt werden. Diese habe er offiziell angefordert. Man müsse klären, ob in der Zeit, wo er sich nicht in seiner Zelle aufgehalten habe, jemand sie betreten habe. "Wenn dies der Fall ist, erhärtet sich die Vergiftungsversion. Wenn nicht, dann werde die Version eines einzigartigen medizinischen Falls wahrscheinlicher."

Der prominente Oppositionspolitiker war am Mittwoch zu 30 Tagen Haft verurteilt worden, weil er zu einem nicht genehmigten Protest aufgerufen hatte. Am Sonntag wurde er mit geschwollenen Augenlidern und Abszessen an Nacken, Rücken, Rumpf und Ellenbogen ins Krankenhaus eingeliefert und einen Tag später wieder ins Gefängnis entlassen. 

ivi