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Analyse von Nukleartests: USA vermuten Durchbruch Nordkoreas beim Atombomben-Bau

Tun sich der Iran und Nordkorea zusammen? Ein solches Szenario ist nicht nur aus Sicht des Nachbarn im Süden ein Alptraum. Die USA vermuten, dass Pjöngjang beim Bau der Atombombe vorangekommen ist.

US-Regierungsbeamte fürchten laut einem Bericht der "Washington Post", dass Nordkorea Fortschritte beim Bau von Atombomben macht. Wie die Zeitung unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen berichtet, könnte Pjöngjang bei seinem jüngsten Nuklearversuch im Februar eine Atombombe mit hoch-angereichertem Uran gezündet haben.

Dies würde bedeuten, dass das Regime zur Urananreicherung fähig ist. Es könne zudem auf eine Zusammenarbeit mit dem Iran hindeuten, berichtete das Blatt am Montag. Allerdings handele es sich zunächst lediglich um Mutmaßungen von Experten, eindeutige Hinweise gebe nicht, betont das Blatt.

Bei bisherigen Versuchen habe das kommunistische Land dagegen vermutlich Plutonium aus alten Beständen verwendet, hieß es. Die Vermutung, dass diesmal hoch-angereichertes Uran verwendet wurde, würde durch außergewöhnliche Bemühungen Nordkoreas genährt, die Auswirkungen des jüngsten Tests zu verschleiern. So gebe es etwa nur sehr geringe radioaktive Spuren in der Atmosphäre.

Südkorea reagiert scharf auf Drohungen aus dem Norden

Der Konflikt zwischen Nordkorea und seinen Gegnern verschärfte sich über das Wochenende. Südkorea drohte dem Norden im Falle eines Angriffs mit einem massiven und raschen militärischen Gegenschlag. Wenn es eine Provokation gegen ihr Land gebe, werde darauf entschlossen geantwortet - ohne politische Abwägungen, sagte Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye am Montag bei einem Treffen mit dem Verteidigungsminister.

Die Präsidentin reagierte damit auf die sich seit Wochen verschärfende Kriegsrhetorik der Führung in Pjöngjang. Die USA schickten am Sonntag Tarnkappenbomber in die Region, die an gemeinsamen Militärmanövern mit Südkorea teilnehmen sollen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle rief alle Seiten zu Besonnenheit auf. "Aus einem Krieg der Worte darf kein echter Krieg werden", sagte Westerwelle der "Bild"-Zeitung.

Die kommunistische Regierung in Pjöngjang drohte Südkorea und dessen Verbündeten USA in den vergangenen Tagen wiederholt mit einem Angriff. Am Samstag erklärte Nordkorea den Kriegszustand mit dem Süden. Die beiden Länder befinden sich seit dem Krieg 1950 bis 1953 formell ohnehin im Kriegszustand. Sie unterzeichneten zwar ein Waffenstillstandsabkommen, nicht aber einen Friedensvertrag.

Nach Kritik an der als zu zögerlich empfundenen Reaktion auf den Beschuss einer südkoreanischen Insel 2010 änderte die Regierung in Seoul bereits die militärische Einsatzplanung: Örtliche Einheiten dürfen umgehend und ohne Genehmigung der Regierung auf Angriffe reagieren. Auch hat Südkorea damit gedroht, Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un direkt zu treffen und Symbole der Macht der Kim-Dynastie zu zerstören. Dies hatte im Norden besonders große Empörung ausgelöst.

Demonstrative Gelassenheit

Inmitten der angespannten Lage schickten die USA am Sonntag Kampfjets zu einem gemeinsamen Manöver mit dem Verbündeten nach Südkorea. Die Bomber vom Typ F-22 Raptor, die vom Radar nicht erfasst werden können, seien auf dem Luftwaffenstützpunkt Osan stationiert worden, teilte das US-Militär mit. Wie viele F-22 von Japan nach Südkorea flogen, wurde zunächst nicht bekannt. Ansonsten waren Südkorea und die USA bemüht, die Erklärungen des Nordens herunterzuspielen. Aus dem südkoreanischen Verteidigungsministerium verlautete, es gebe bei den Streitkräften des Nordens keine Aktivitäten, die auf einen baldigen Angriff hindeuteten.

Eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates der USA sagte, man nehme die Drohungen aus Pjöngjang ernst und stehe mit Südkorea in engem Kontakt. Die nordkoreanische Führung habe aber schon öfter eine derartige Kriegsrhetorik verwendet. Papst Franziskus rief in seiner ersten Osteransprache auf, den Konflikt diplomatisch zu lösen.

"Die Spirale der Kriegsrhetorik muss durchbrochen werden", sagte Westerwelle der "Bild"-Zeitung. Deutschland stehe solidarisch zu Südkorea. "Wir setzen darauf, dass auch China weiter konstruktiv an einer Beruhigung arbeitet", sagte der Minister. "Das Atomprogramm Nordkoreas muss gestoppt werden, notfalls mit weiteren Sanktionen."

Neuer Ministerpräsident

Die Spannungen haben sich verstärkt, seit Machthaber Kim im Februar neue Atomtests anordnete. Damit verstieß Nordkorea gegen internationale Vereinbarungen, der UN-Sicherheitsrat verschärfte daraufhin seine Sanktionen gegen das Land.

Nicht zuletzt unter dem Druck fehlender Investitionen ernannte die nordkoreanische Führung am Montag einen als Reformer geltenden Politiker zum neuen Ministerpräsidenten. Den weitgehend nur mit zeremoniellen Aufgaben verbundenen Posten bekam Pak Pong-Ju, der schon zuvor einmal Ministerpräsident war und als Vertrauter der herrschenden Kim-Familie gilt. Seine Ernennung dürfte deren Macht weiter zementieren, Analysten zufolge aber nicht die Haltung im Konflikt mit dem Süden ändern.

be/lin/DPA/AFP / DPA