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Nach gescheiterten Gesprächen: Iran weitet Atomprogramm aus

Teheran hält an seiner Uran-Anreicherung auf 20 Prozent fest: Wenige Tage nach erfolglosen Atomgesprächen mit dem Westen hat der Iran die Förderung von Uran in zwei Bergwerken aufgenommen.

Nach den gescheiterten Verhandlungen mit der internationalen Gemeinschaft treibt der Iran sein umstrittenes Atomprogramm weiter voran. Am Dienstag eröffnete Teheran eine neue Anlage zur Uranproduktion sowie zwei Uranminen. Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärte, sein Land beherrsche die "gesamte Kette der Atomenergie", und rief die Atomwissenschaftler auf, das Programm weiter voranzutreiben.

Der Iran wird verdächtigt, heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Teheran weist das zurück. Erst am Samstag war ein Treffen zwischen dem Iran und der 5+1-Gruppe aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Russland, China und Deutschland über das Atomprogramm ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die USA warnten Teheran daraufhin, es könne nicht endlos weiter verhandelt werden.

Die neue Uran-Produktionsanlage liege in Ardakan in der zentralen Provinz Jasd, berichtete das iranische Staatsfernsehen. Die neuen Uranminen befänden sich 120 Kilometer von Ardakan entfernt in 350 Metern Tiefe in Sagand. Die Anlage habe eine jährliche Produktionskapazität von 60 Tonnen konzentriertem Uran, so genanntem Yellowcake.

Experten vermuten schlechte Qualität des Materials

Präsident Ahmadinedschad sprach von den Fortschritten im iranischen Atomprogramm. Bisher sei der Iran auf andere Länder angewiesen gewesen, um sich Yellowcake als Grundstoff zur Urananreicherung zu beschaffen, nun habe es mehr und mehr eigene Minen. Niemand könne Teheran die Atomtechnologie mehr streitig machen. Die Atomwissenschaftler seines Landes rief der Staatschef auf, ihre Arbeit "zu beschleunigen".

Die Entdeckung von Uran-Vorkommen in Sagand war vor fast zehn Jahren bekannt gegeben worden. Westliche Experten vermuten, dass das dort lagernde Material von schlechter Qualität ist. Der Iran reichert in seinen Anlagen in Natans und Fordo Uran auf 3,5 und 20 Prozent an. Noch stärker angereichertes Uran kann zum Bau von Atomwaffen verwendet werden.

Teheran hält an Uran-Anreicherung fest

Wegen seines Atomprogramms ist der Iran mit internationalen Sanktionen belegt. Bei den jüngsten Atomgesprächen hatten die 5+1 einen Kompromiss angeboten und im Gegenzug die Lockerung von Sanktionen in Aussicht gestellt: Teheran sollte die Urananreicherung auf 20 Prozent aussetzen, den bereits angehäuften Uran-Bestand ins Ausland bringen und die Atomanlage Fordo schließen.

Der Chef der iranischen Atomenergiebehörde betonte am Dienstag, Teheran halte entgegen internationaler Forderungen an der Uran-Anreicherung auf 20 Prozent fest. Die Herstellung von auf 20 Prozent angereichertem Uran als Brennstoff für den Forschungsreaktor in Teheran werde nicht gestoppt, betonte Behördenchef Fereidun Abbassi Davani. Der Iran produziere das angereicherte Uran gemäß seinem Bedarf sowie zusätzlich eine "Reserve". Abbassi Davani betonte, die 5+1-Gruppe solle "besser rationale Vorschläge machen".

kave/AFP / AFP