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Konflikt auf koreanischer Halbinsel: Südkorea ballt die Faust gegen Pjöngjang

Seoul verliert die Geduld: Jeder Angriff des Nachbarn ziehe "sofortige Vergeltung" nach sich, sagte Präsidentin Park Geun Hye. Zuvor hatten die USA hochmoderne Kampfjets nach Südkorea geschickt.

Nach der Ausrufung des Kriegszustands durch die nordkoreanische Führung hat Südkorea dem Nachbarn für den Fall eines Angriffs mit entschlossenen Reaktionen gedroht. Sollte es "irgendeine Provokation" des Nordens geben, sei mit einer "starken und sofortigen Vergeltung" zu rechnen, sagte Präsidentin Park Geun Hye in Seoul. Die USA entsandten derweil weitere Kampfjets nach Südkorea. In Nordkorea wurde indes der Wirtschaftsfunktionär Pak Pong Ju zum neuen Regierungschef ernannt.

Sie nehme die jüngsten Drohungen der kommunistischen Führung in Pjöngjang "sehr ernst", sagte Park bei einem Treffen mit hochrangigen Militärs und Verteidigungsminister Kim Kwan Jin. Kim warnte, dass Südkorea im Fall einer Attacke präventiv die Atomanlagen und Raketenstellungen Pjöngjangs angreifen werde. Sein Land werde nach dem Prinzip der "sogenannten aktiven Abschreckung" vorgehen, sagte er.

USA entsenden Kampfjets

Zuvor hatten die USA nach eigenen Angaben weitere hochmoderne Kampfjets nach Südkorea geschickt. Zwei über Tarnkappeneigenschaften verfügende Jets des Typs F-22 Raptor seien am Sonntag in Südkorea eingetroffen, um an dem gemeinsamen Manöver "Foal Eagle" teilzunehmen, sagte ein Sprecher der US-Streitkräfte. Im Zuge des Manövers hatten sie USA bereits in der vergangenen Woche zwei Tarnkappenbomber sowie zwei atomwaffenfähige B-52-Bomber nach Südkorea entsandt.

Obwohl es nicht das erste Mal ist, dass die USA bei der jährlichen Militärübung mit Südkorea Raptor-Kampfjets einsetzen, dürften sie in Pjöngjang für weitere Irritationen sorgen. Die Spannungen in der Region nahmen deutlich zu, seit der UN-Sicherheitsrat als Reaktion auf einen Raketentest im Dezember und einen unterirdischen Atomtest im Februar die Sanktionen gegen Pjöngjang weiter verschärft hat.

Kein Tag ohne Drohungen

Daraufhin kündigte Nordkorea vor rund drei Wochen den Nichtangriffspakt mit dem Süden. Inzwischen vergeht kaum ein Tag ohne weitere Drohungen. Am Samstag verkündete Pjöngjang den Kriegszustand mit seinem Nachbarn. Einen Tag zuvor hatte Machthaber Kim Jong Un Raketen für Angriffe auf US-Ziele in Bereitschaft versetzt. Ihrerseits sagten die USA zu, Südkorea auch bei kleinen Provokationen zur Seite zu stehen. International wächst die Sorge, die Spirale der gegenseitigen Drohungen könnte außer Kontrolle geraten.

Atomwaffenarsenal soll weiter ausgebaut werden

Am Montag kam Nordkoreas Parlament in Pjöngjang zu seiner Jahressitzung zusammen. Vor der sogenannten Obersten Volksversammlung legte der 73-jährige Pak nach KCNA-Angaben den Amtseid ab. Er folgt auf Choe Yong Rim, der seit Juni 2010 Vorsitzender des Ministerrats war. Pak ist ein Veteran der nordkoreanischen Wirtschaftspolitik und war ein Vertrauter des am 17. Dezember 2011 gestorbenen Ex-Staatschefs Kim Jong Il, des Vaters des derzeitigen Machthabers Kim. Pak war bereits von September 2003 bis April 2007 Regierungschef, musste das Amt dann aber abgeben. Medienberichten zufolge gab es Streit über die von ihm verfolgte Öffnung der Wirtschaft. Tatsächlich liegt in Nordkorea ohnehin die Macht im Wesentlichen bei Staatschef Kim. Am Sonntag beschloss das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei unter Führung Kims, das Arsenal von Atomwaffen auszubauen und deren Besitz gesetzlich festzulegen. Dies billigte das Parlament am Montag. Die US-Regierung kritisierte zuletzt die "neue und unkonstruktive Erklärung aus Nordkorea". Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) nannte die Drohungen Nordkoreas in der "Bild"-Zeitung eine "ernste Gefahr für den Frieden in der ganzen Region".

be/lin/DPA/AFP / DPA