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Angebliche Belästigung auf dem Beifahrersitz: Neue Vorwürfe gegen Herman Cain

Es ist bereits die vierte Frau, die dem US-Präsidentschaftsbewerber Herman Cain sexuelle Belästigung vorwirft. Aber erstmals tritt das mutmaßliche Opfer dabei öffentlich auf und erzählt detailreich von dem Zwischenfall, der 14 Jahre zurückliegen soll.

In der Affäre um den republikanischen US-Präsidentschaftsbewerber Herman Cain wirft eine weitere Frau dem 65-Jährigen sexuelle Belästigung vor. Cain habe sie vor 14 Jahren in einem Auto bedrängt, sagte Sharon Bialek am Montag in New York als erstes der mutmaßlichen Opfer in einer öffentlichen Stellungnahme. Cain war bislang einer der aussichtsreichsten Bewerber bei den Vorwahlen der Republikaner für die Präsidentschaftskandidatur.

Bialek sagte, sie habe den früheren Chef der Pizzakette Godfather's, der zum Zeitpunkt des angeblichen Vorfalls Chef der Nationalen Restaurant-Vereinigung war, um Hilfe bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz gebeten. Beide hätten sich im Juli 1997 in der Bar ihres Hotels in Washington getroffen. Nach einem gemeinsamen Essen habe er sie im Auto auf einer Fahrt durch Washington belästigt. "Er hat plötzlich zu mir herübergefasst, seine Hand auf mein Bein gelegt, sie unter meinen Rock und in Richtung meiner Genitalien geschoben", sagte Bialek. Zudem habe Cain ihren Kopf zu seinem Schritt ziehen wollen.

Zwei Zeugenaussagen liegen vor

"Ich war sehr, sehr überrascht und sehr geschockt", sagte Bialek. Sie habe Cain daraufhin gefragt, was er vorhabe, ihm gesagt, dass sie einen Freund habe und dass sie keine sexuellen Absichten verfolge, sondern wegen einer neuen Stelle zu ihm gekommen sei. "Du willst einen Job, richtig?", habe Cain ihr darauf zur Antwort gegeben, sagte Bialek. Er habe sie dann aber ins Hotel zurückgefahren. Ihre Anwältin Gloria Allred hatte die Stellungnahme bereits zuvor angekündigt und auch erste Details zu den Vorwürfen angedeutet.

"Wenn wahr ist, was meine Mandantin sagt, bin ich angewidert. Dieser Mann, der Präsident werden will, hat Amerika belogen", sagte Allred. Von zwei Bekannten Bialeks lägen schriftliche Zeugenaussagen vor, in denen diese bestätigten, dass die Frau damals über den Abend berichtet habe. Allred ist eine prominente Feministin. Nach eigenen Angaben führt ihre Kanzlei die meisten Frauenrechtsprozesse in den USA.

Wahlkampfmanager weist alle Anschuldigungen zurück

Mit dem neuesten Fall stieg die Zahl der Frauen, die dem Republikaner sexuelle Belästigung vorwerfen, auf vier. Cain gehörte bislang zu den chancenreichsten Bewerbern in den internen Vorwahlen der Republikaner für die Präsidentschaftskandidatur in den USA im kommenden Jahr. Cains Wahlkampfmanager wiesen die Anschuldigungen Bialeks am Montag umgehend zurück. "Alle Belästigungsvorwürfe gegen Herrn Cain sind vollkommen unwahr, Herr Cain hat niemals jemanden belästigt", hieß es in einer Erklärung. Bereits zuvor hatte Cain Anschuldigungen anderer Frauen als "lächerlich" bezeichnet und von einer Schmutzkampagne gesprochen. Erste Vorwürfe gegen ihn waren vor einer Woche durch einen Artikel auf der Internetseite Politico bekannt geworden.

Trotz der mehrfachen Vorwürfe hat Cain weiter Rückhalt bei den Republikanern. Laut einer am Wochenende veröffentlichten Umfrage von "Washington Post" und ABC liegt Cain im Vorwahlrennen Kopf an Kopf mit Mitt Romney, dem Gouverneur von Massachusetts. Die mehrmonatige Nominierungsphase der Partei beginnt am 3. Januar.

swd/DPA/AFP / DPA