Angriff auf Gaza-Hilfskonvoi USA hatten Israel mehrfach gewarnt


Neue Vorwürfe gegen Israel: Die USA hatten ihren Verbündeten mehrfach zu Zurückhaltung im Umgang mit der Gaza-Hilfsflotte aufgefordert. Die UN verlangen derweil ein sofortiges Ende der Gaza-Blockade.

Die US-Regierung hatte Israel vor dem Angriff auf die Gaza-Hilfsflotte wiederholt zu "Vorsicht und Zurückhaltung" aufgefordert. Das teilte der Sprecher des US-Außenministeriums, Philip Crowley, in einer Antwort auf eine Anfrage der "Washington Post" mit. Crowley sagte nach Angaben des Blattes, Washington habe Israel über zahlreiche Kanäle häufig dazu kontaktiert. Washington habe Wert auf "Vorsicht und Zurückhaltung" im Umgang mit der Flotte gelegt, da es an Bord der Schiffe Zivilisten, darunter US-Bürger, gegeben habe.

Die Vereinten Nationen erhöhen unterdessen ihren Druck auf Israel. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte das Land in aller Deutlichkeit auf, die Gaza-Blockade mit sofortiger Wirkung aufzuheben. Sie "ist kontraproduktiv, nicht nachhaltig und unrecht", sagte Ban in New York. Die schon seit Jahren anhaltende Isolation des Gazastreifens "straft unschuldige Bürger". Er habe Israels Regierung seit Monaten "auf höchster Ebene" zum Einlenken gedrängt, erklärte der Generalsekretär. Wenn sie seinem Ruf gefolgt wäre, hätte sich die blutige Konfrontation im Mittelmeer nicht ereignet. "Die Tragödie unterstreicht nur die Schwere des ihm zugrundeliegenden Problems".

Israel müsse nun einen detaillierten Bericht über das Geschehen abgeben, sagte Ban weiter. Auf die Frage, wann und in welcher Form er die Vorgänge klären lassen werde, erwiderte der Generalsekretär: "Bis zu meiner Entscheidung müssen Sie noch eine Weile warten". Er werde zunächst im Gespräch mit allen Betroffenen, den Israelis einschließlich, Vorschläge sammeln.

UN-Menschenrechtsrat verurteilt Israels Vorgehen

Der UN-Menschenrechtsrat will den israelischen Militäreinsatz von einer unabhängigen Kommission untersuchen lassen. 32 der 47 Mitglieder des Gremiums stimmten in Genf für einen entsprechenden Vorschlag islamischer Staaten. Zugleich verurteilte der Rat das Vorgehen Israels als Verletzung internationalen Rechts. Die USA, Italien und die Niederlande stimmten gegen die Resolution. Neun Staaten enthielten sich. Deutschland ist derzeit nicht in dem Gremium vertreten. Diplomaten halten es allerdings für unwahrscheinlich, dass Israel mit der Kommission zusammenarbeiten wird.

Die arabische Liga kündigte an, den UN-Sicherheitsrat aufzufordern, von Israel die Aufhebung der Gaza-Blockade zu verlangen. "Wir fordern alle Staaten auf, die Blockade zu ignorieren und Hilfsgüter zu entsenden, um die Blockade zu brechen", sagte ihr Generalsekretär in Kairo.

Aktivisten in Istanbul als Helden gefeiert

Drei Tage nach dem Angriff auf die Gaza-Flotte kamen am Donnerstagmorgen Hunderte aus israelischer Haft freigelassene Aktivisten in Istanbul an. Die Passagiere der drei Flugzeuge wurden unter anderem vom türkischen Vize-Regierungschef Bülent Arinc begrüßt, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira. Sie seien als Helden gefeiert worden. Die meisten der Freigelassenen sind Türken. Zuvor waren bereits Verletzte nach Ankara ausgeflogen worden.

Bei der Erstürmung der Flotte waren am Montag mindestens neun Aktivisten getötet und mehr als 30 weitere verletzt worden. Der Einsatz löste international einen Sturm der Entrüstung aus. Mit der Blockade des Gazastreifens will Israel Waffenlieferungen an die radikal-islamische Hamas unterbinden, die in dem Palästinenser-Gebiet herrscht.

DPA/Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker