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Anschlag auf Luxushotel in Kabul: Isaf schlägt Taliban-Angriff nieder

Die Taliban haben ein Luxushotel in Kabul gestürmt. Knapp fünf Stunden dauerten die Kämpfe, ehe die Sicherheitskräfte Herr der Lage waren. Zahlreiche Menschen starben.

Mit einem Kampfhubschrauber hat die Internationale Schutztruppe Isaf am Mittwoch den Angriff eines Terrorkommandos der Taliban auf ein Luxushotel in Kabul niedergeschlagen. Nach Angaben des afghanischen Innenministeriums wurden bei den schweren Gefechten die acht Angreifer sowie acht Zivilisten und zwei Polizisten getötet. Zwölf Menschen seien bei den mehr als vierstündigen Kämpfen im Hotel "Intercontinental" verletzt worden, sagte der Chefermittler der Kriminalpolizei in der afghanischen Hauptstadt, Mohammad Sahir.

Insgesamt acht bewaffnete Taliban-Kämpfer und Selbstmordattentäter hätten das stark bewachte Hotel in der Nacht zu Mittwoch gestürmt gehabt, sagte Sahir. "Alle ihre Leichen sind gefunden worden." Die Situation sei unter Kontrolle. Die Taliban bekannten sich zu dem Angriff. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte, die Aufständischen hätten sich auf der Suche nach Ausländern von Zimmer zu Zimmer vorgearbeitet.

Schüsse und Explosionen

Beinahe fünf Stunden lang hielten sich die Angreifer in dem Hotel verschanzt und lieferten sich Kämpfe mit Sicherheitskräften. Reporter berichteten von fünf Explosionen. Das Hotel lag in der Nacht völlig im Dunkeln, offenbar wurde der Strom gekappt.

"Zuerst gab es Schüsse, dann zwei Explosionen", sagte ein Hotelangestellter über den Beginn des Angriffs, bei dem er sich zunächst in einem Zimmer in einem der obersten Stockwerke versteckt hielt. Wegen dichten Rauchs habe er den Raum verlassen müssen. "Als ich rauskam habe ich Spuren von Blut gesehen. Dann kam die Polizei und hat mich rausgeholt", schilderte der Hotelmitarbeiter.

Isaf-Hubschrauber schaltet sich in Angriff ein

Zunächst war unklar, wie viele ausländische Gäste in dem Hotel mit seinen rund 200 Zimmern wohnten. Lokale Medien berichteten, afghanische Regierungsvertreter hätten sich in dem Hotel aufgehalten, um an einer zweitägigen Konferenz zur Übergabe der Verantwortung von der Nato an afghanische Sicherheitskräfte teilzunehmen. Die Konferenz sollte ursprünglich am Mittwochmorgen beginnen.

Ein Hubschrauber vom Typ Black Hawk der Nato-geführten Schutztruppe Isaf hatte die Aufständischen auf dem Dach des belagerten mehrstöckigen Hotels in der Nacht zu Mittwoch angegriffen und den Angriff niedergeschlagen. Entgegen ersten Meldungen sind dabei offenbar doch keine Raketen eingesetzt worden. "Es ist vom Hubschrauber aus geschossen worden", sagte der neue Isaf-Sprecher, Bundeswehr-General Carsten Jacobson. Dabei habe es sich aber um kleinkalibriges Feuer gehandelt, Raketen seien nicht eingesetzt worden.

Jacobson sagte, es sei unklar, ob die insgesamt sechs Aufständischen auf dem Dach durch den Beschuss aus dem Helikopter getötet wurden oder sich in die Luft gesprengt hätten. "Sie hatten offensichtlich Sprengstoffwesten an." Die afghanischen Sicherheitskräfte hätten die Aufständischen zunächst auf das Dach gedrängt und dann den Isaf-Hubschrauber angefordert.

Nach dem Isaf-Angriff drangen afghanische Soldaten in das Hotel ein und sicherten das Gebäude, dessen Dach nach dem Hubschrauber-Einsatz in Flammen stand. "Die haben das hervorragend gemacht", lobte Jacobson "Das hätte sonst weitaus gravierendere Folgen haben können."

Taliban sprechen von 50 Getöteten

Die USA verurteilten den Terrorangriff auf das Hotel umgehend. Die Tat demonstriere erneut, dass die Terroristen Menschleben vollkommen missachten würden, sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland, nach einer in Washington verbreiteten Mitteilung.

Taliban-Sprecher Mudschahid sagte, mehrere Attentäter mit automatischen Waffen und Sprengstoffwesten seien in das Hotel eingedrungen. Einer der Angreifer habe sich in die Luft gesprengt. Mudschahid sprach von mindestens 50 Toten bei dem Angriff, doch gelten derartige Angaben der Taliban meist als nicht sehr vertrauenswürdig.

Angriff nach Ende eines internationalen Afghanistan-Gipfels

In Kabul hatte am Sonntag und Montag ein internationales Afghanistan-Treffen stattgefunden. Daran hatte auch der deutsche Sonderbeauftragte für Afghanistan und Pakistan, Botschafter Michael Steiner, teilgenommen. Er war zum Zeitpunkt des Angriffs aber nicht mehr in Kabul. Auch der US-Sondergesandte für die Region, Marc Grossman, und seine Delegation hätten Kabul bereits am Dienstagmorgen verlassen, teilte das US-Außenministerium mit.

Der Angriff ereignete sich wenige Wochen vor dem geplanten Beginn des Abzugs der internationalen Truppen. US-Präsident Barack Obama hatte vergangene Woche angekündigt, ab Juli bis Ende des Jahres 10.000 der derzeit rund 99.000 US-Soldaten vom Hindukusch abzuziehen. Bis 2014 sollen alle ausländischen Soldaten das Land verlassen und die afghanischen Sicherheitskräfte vollständig die Kontrolle übernommen haben - so wie sie es in Kabul bereits praktizieren. Experten fürchten jedoch, dass die einheimischen Kräfte nicht in der Lage sein werden, die Taliban in Schach zu halten.

Bereits im Januar 2008 waren beim Angriff eines Taliban-Selbstmordkommandos auf das "Serena"-Hotel in Kabul - das einzige Fünf-Sterne-Hotel des Landes - sieben Menschen getötet worden, darunter ein norwegischer Journalist.

Das "Intercontinental" liegt auf einem Hügel in der Hauptstadt und ist das älteste Luxushotel in Afghanistan. Es nahm bereits 1969 seinen Betrieb auf, gehört aber seit Langem nicht mehr zu der gleichnamigen internationalen Kette. Die einzige Zufahrtsstraße zum Hotel wird durch mehrere Checkpoints gesichert. Auch der Eingang in das mehrstöckige Gebäude wird von schwer bewacht.

kng/DPA/AFP / DPA