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Anschlagsversuch auf dem Times Square: Pakistanische Taliban wohl nur Trittbrettfahrer

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg bestätigte, dass es bislang keine Hinweis auf eine Beteiligung von Al-Kaida gebe. Mittlerweile konzentreieren sich die Ermittlungen auf einen einen weißen Mann in den Vierzigern, der in der Nähe des Tatorts gesichtet wurde.

Nach dem vereitelten Autobombenanschlag am New Yorker Times Square haben die US-Ermittler am Montag unter Hochdruck nach den Tätern gesucht. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf einen weißen Mann in den Vierzigern, der in der Nähe des Tatorts aufgefallen war. Ein Video einer Sicherheitskamera zeigt ihn, wie er auf einem Gehweg das Hemd wechselt, in eine Tasche stopft und beim Weggehen mehrmals über die Schulter blickt. Die Sicherheitsbehörden vermieden es zunächst, den Mann zum Verdächtigen zu erklären. Er könnte auch ein Zeuge sein, sagte Heimatschutz-Ministerin Janet Napolitano dem Fernsehsender CNN.

Das Heimatschutz-Ministerium stufte den Zwischenfall als "potenziellen Terroranschlag" ein. Ein islamistischer Hintergrund wurde trotz eines entsprechenden Bekennerschreibens aber nicht vermutet. Es gebe bislang keinen Hinweis, dass Al-Kaida oder ähnliche Extremistengruppen die Tat geplant hätten, sagte Bürgermeister Michael Bloomberg. Auf einer von Islamisten genutzten Internetseite erklärten die pakistanischen Taliban, das Attentat sei als Vergeltung für den Tod von zwei irakischen Taliban-Führern im April geplant gewesen. Die New Yorker Polizei maß dem Schreiben aber geringe Bedeutung zu. Auch die pakistanischen Behörden nannten es "reine Propaganda".

Die Ermittler werteten die Aufnahmen zahlreicher Sicherheitskameras aus und untersuchten den aus Propan, Benzin und Feuerwerkskörpern gebauten Sprengsatz. An den Flughäfen der US-Ostküste wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. US-Präsident Barack Obama versicherte dem amerikanischen Volk, dass alles unternommen werde, um die Bürger zu schützen, die Verantwortlichen zu finden und vor Gericht zu stellen. Zugleich lobte er die New Yorker Polizei für ihre rasche Reaktion. Bürgermeister Bloomberg erklärte seinerseits: "Ich bin zuversichtlich, dass wir herausfinden werden, wer es getan hat."

Ein aufmerksamer Straßenverkäufer hatte am Samstagabend auf dem belebten Platz nahe Manhattans Broadway-Theaterviertel den verdächtigen Geländewagen entdeckt und damit einen Anschlag mit möglicherweise verheerenden Folgen verhindert. Er alarmierte die Polizei, die den Platz weiträumig absperrte und die Bombe entschärfte.

Der totgeglaubte Anführer der Taliban in Pakistan drohte den USA unterdessen mit Selbstmordattentaten. Anschläge seiner Mitstreiter in amerikanischen Großstädten stünden unmittelbar bevor, kündigte Hakimullah Mehsud in einem Video an, das ihm zufolge am 4. April entstanden ist. Die Aufzeichnung erschien im Internet kurz nachdem Taliban-Bekennerschreiben zu dem fehlgeschlagenen Anschlag in New York bekannt hatte. Allgemein wurde bislang angenommen, dass Mehsud im Januar bei einem Drohnen-Angriff des CIA in Pakistan getötet wurde. Ende April räumten pakistanische Geheimdienstmitarbeiter jedoch ein, dass er wahrscheinlich noch am Leben sei.

Reuters / Reuters