Arabien-Reise Männerriege steht auf Rice und Merkel


Wie so oft bei ihren Auslandsreisen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel auch bei ihrem Antrittsbesuchs am Golf eine guten Eindruck hinterlassen. Die in arabische Männerwelt schätzt vor allem ihre Besonnenheit.

Die Erwartungen der arabischen Machthaber an die neue Nachbarin aus Europa waren speziell: Die muslimischen Staatsoberhäupter und Regierungschefs in Ägypten, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait empfingen EU-Ratspräsidentin Angela Merkel in ihren prunkvollen Palästen zwar erwartungsgemäß mit dem Wunsch nach einem größeren europäischen Engagement in der Krisenregion Nahost.

Mehrfach wurde auch die Forderung nach einem harten Kurs im Atomstreit mit dem Iran laut. Doch im Mittelpunkt des Antrittsbesuchs der Bundeskanzlerin in der arabischen Männerwelt stand die Hoffnung auf eine zweite mächtige Frau. Merkel solle US-Außenministerin Condoleezza Rice dazu bewegen, das Ringen um einen Frieden in Nahost zu ihrer Chefsache zu machen, baten die Scheichs.

"Eine Welt ohne die USA wäre für die Staatsoberhäupter in der Golfregion ein Alptraum", heißt es in der Delegation der Kanzlerin. "Aber sie sehen auch, dass Fehler passiert sind. Deshalb sind sie an einem starken Europa interessiert, das mehr Verantwortung übernimmt." Merkel spielt für die Golfstaaten eine Schlüsselrolle. Sie will die 27 EU-Mitglieder auf einen engen Schulterschluss in der Außen- und Sicherheitspolitik einschwören. Das gilt sowohl für den Kernkonflikt des Nahen Ostens - zwischen Israel und den Palästinensern - als auch für die nächsten Schritte gegen den Iran und sein Atomprogramm. "Europa muss sich einig sein", sagte die Ratspräsidentin in ihrer außenpolitischen Grundsatzrede in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. "Es muss uns gelingen, ansonsten werden wir alle die Folgen zu tragen haben."

Merkel übernimmt Rolle der Verbindungsfrau

In der Männerriege der arabischen Mächtigen wurde Merkel aber vor allem als Verbindungsfrau zur US-Außenministerin umworben. Rice hatte die Region vor rund vier Wochen besucht. Seither hat sie mit den Partnern im Nahost-Quartett - der EU, den Vereinten Nationen und Russland - nach monatelanger Pause die Vermittlungsarbeit wieder aufgenommen. In zwei Wochen lädt sie Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas und den israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert zu einem Dreiergipfel. Danach soll das Quartett in Berlin in eine neue Runde gehen.

Die Zeit für ein intensives US-Engagement drängt und es soll aus Sicht der Golfstaaten Druck auf die Israelis beinhalten: Die Araber hätten deutlich gemacht, dass sie nur für dieses Jahr Erfolgschancen sehen, hieß es im Tross der Kanzlerin. Schon 2008 könne es zu spät sein für eine umfassende Friedenslösung. Da neigt sich die letzte Amtszeit von US-Präsident George W. Bush dem Ende zu, und der US-Wahlkampf gewinnt an Fahrt.

Gemeinsam an der Lösung des Konfliks arbeiten

Merkels Sondierungen in den weitläufigen Marmorsälen der Scheichs war zumeist vom ersten persönlichen Kennenlernen geprägt. Die 52-Jährige war zum ersten Mal in der Golfregion und damit auf dem glatten Parkett der Nahost-Krise. Lediglich der ägyptische Präsident Husni Mubarak war ihr als Partner in den Friedensbemühungen vertraut. "Das, was ich bisher gesehen habe, hat mir gefallen", sagte die Kanzlerin am Schluss. "Ich habe gespürt, dass wir alle gemeinsam an der Lösung dieses Konflikts arbeiten wollen."

Claudia Kade/Reuters Reuters

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