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Exekutionen in Arizona Todeskandidaten sollen Medikamente für eigene Hinrichtung besorgen

Die Hinrichtungskammer im Staatsgefängnis von McAlester in Oklahoma
Die Hinrichtungskammer im Staatsgefängnis von McAlester in Oklahoma. Der Mangel an Substanzen für Exekutionen mit der Giftspritze hat einige Bundesstaaten bereits gezwungen, Hinrichtungen aufzuschieben.
© Sue Ogrocki/AP
US-Bundesstaaten, in denen noch die Todesstrafe vollstreckt wird, haben zunehmend Probleme, an Gift für die Hinrichtungen zu gelangen. In Arizona führte das zu einer bizarren Änderung der Hinrichtungsvorschriften.

Joseph Wood starb unter fürchterlichen Qualen. Fast zwei Stunden soll es gedauert haben, bis der verurteilte Mörder im Juli 2014 nach der Injektion eines Giftcocktails tot war. Augenzeugen der Hinrichtung im Staatsgefängnis von Florence, Arizona berichteten, er habe noch eine Stunde nach der Injektion geschnaubt und gekeucht wie ein Fisch, der nach Luft schnappt. Woods Exekution und weitere ähnliche Fälle in Oklahoma und Ohio lösten eine heftige Kontroverse über die Verwendung der Giftspritze und die Todesstrafe in den USA aus.

Und die Debatte hatte Konsequenzen: Zwar beschränkt die EU bereits seit 2011 die Ausfuhr bestimmter Substanzen für die Giftcocktails, doch mittlerweile weigern sich europäische und amerikanische Pharmafirmen, den US-Behörden selbst legale Produkte für ihre Hinrichtungen zu liefern. Damit ist die Vollstreckung der Todesstrafe für viele Bundesstaaten zunehmend schwierig geworden.

Die Behörden in Arizona haben auf den Mangel an von der Kontrollbehörde FDA zugelassenen Mitteln für tödliche Injektionen mit einem umstrittenen Angebot reagiert, wie US-Medien schreiben: Todeskandidaten dürfen das Gift für ihre eigene Hinrichtung künftig selbst besorgen. Die im Januar überarbeitete Anleitung für Hinrichtungsprozeduren erlaube es den Anwälten oder anderen Bevollmächtigten von Todeskandidaten, sich das Sedativum Pentobarbital oder das Anästhetikum Natriumpentothal zu beschaffen und es dem Staat zu übergeben, um eine reibungslose Hinrichtung sicherzustellen, wie unter anderem die "Washington Post" berichtet.

Scharfe Kritik von Anwälten

"Ich bin fassungslos", zitiert die Zeitung Dale Baich, einen der Anwälte von Joseph Wood, der wegen der Hinrichtung seines Mandanten noch immer einen Rechtsstreit gegen den Bundesstaat führt. Es sei unvertretbar anzunehmen, dass ein Rechtsanwalt, der jahrelang um das Leben eines Mandanten gekämpft habe, dabei helfen würde, ihn zu töten. Der Staat reiche seine Verpflichtungen einfach an den verurteilten Häftling oder dessen Verteidiger weiter, sagte Baich. "Wenn der Staat die Todesstrafe haben will, ist er verpflichtet herauszufinden, wie er sie verfassungsgemäß vollstrecken kann."

Timothy Agan, ein Strafverteidiger aus Phoenix, Arizona, mit Erfahrung aus zahlreichen Todesstrafen-Fällen, beschrieb seine erste Reaktion auf die Neuregelung gegenüber dem US-Sender ABC mit einem Witz des Komikers Jon Stewart über Arizonas Ruf als "Wir machen Dinge auf unsere Weise"-Bundesstaat: "Ich habe das gesehen und den Kopf geschüttelt und gedacht: 'Das ist wirklich das Drogenlabor der Demokratie'", sagte Agan. "Eine wirklich irrsinnige Idee."


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