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Aslan Maschadow: Der Tod des Todfeindes

Er verkörperte den fortdauernden tschetschenischen Krieg gegen Russland. Jetzt ist Rebellenführer Aslan Maschadow in Rahmen einer "Spezialoperation" ums Leben gekommen. Sein Tod war angeblich ein Versehen.

Russische Soldaten haben den tschetschenischen Rebellenführer Aslan Maschadow getötet, wie ein Militärsprecher am Dienstag bekannt gab. Maschadow sei bei einer "Spezialoperation" im nordtschetschenischen Dorf Tolstoi-Jurt, etwa 20 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Grosny, getötet worden, sagte Oberst Ilija Schabalkin nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax. Erst am Morgen hatten russische Beamte mitgeteilt, drei Untergrundkämpfer seien festgenommen worden. Sie hätten einen großen Anschlag auf ein Regierungsgebäude in Tolstoi-Jurt vorbereitet.

Die Moskau-treue Führung Tschetscheniens hat den Tod Maschadows bestätigt. "Das Pseudo-Aushängeschild der Unabhängigkeitsbewegung von Tschetschenien ist gefallen. Es bleiben die nackten Terroristen und ihre verbrecherischen Handlungen zur Vernichtung ihres Volkes", sagte der Vorsitzende des tschetschenischen Staatsrates, Taus Dschabrailow, in Grosny.

Maschadow sei nicht bei den unmittelbaren Kampfhandlungen ums Leben gekommen. Nach Angaben des Vizeregierungschefs von Tschetschenien und Anführers der Präsidentengarde, Ramsan Kadirow, wurde Maschadow angeblich von der Kugel eines Wachmannes tödlich getroffen, der unvorsichtig mit seiner Waffe hantiert habe. "Niemand hatte vor, ihn zu beseitigen", beteuerte Kadirow. Der Kreml hatte bereits vor Jahren ein Kopfgeld in Höhe von 300 Millionen Rubel (8,3 Millionen Euro) ausgesetzt.

Trügerische Waffenruhe

Der Kreml beschuldigte Maschadow der Verwicklung in zahlreiche Terroranschläge außerhalb Tschetscheniens. Auch mit dem Geiseldrama von Beslan wurde er in Verbindung gebracht, was der Expräsident indes strikt zurückwies. Anfang Februar rief er eine Waffenruhe aus und forderte den Kreml abermals zu Verhandlungen auf. Einen Tag vor dem offiziellen Ende der Waffenruhe töteten tschetschenische Rebellen neun russische Soldaten bei einem Mörserangriff am Rande von Grosny. Moskau hatte die Ausrufung des Waffenstillstands als Manöver dargestellt, mit dem Maschadow auf sich aufmerksam machen wolle.

Zwei Männer verkörperten den fortdauernden tschetschenischen Krieg gegen Russland - Maschadow und Schamil Bassajew. Dabei galt Maschadow, der ältere und angeblich gemäßigtere der beiden, dem Westen immer wieder als ein Mann, mit dem der Kreml über ein Ende des Blutvergießens reden sollte. Nur ein Teil der Tschetschenen folgte dem einstigen Präsidenten der Teilrepublik zuletzt noch im Kampf gegen die Russen.

Aus dem Untergrund hatte der 1951 geborene Maschadow immer wieder versucht, den seit zehn Jahren andauernden Konflikt mit Verhandlungen zu beenden. Doch Präsident Wladimir Putin schlug alle Angebote mit den Worten ab, mit Terroristen werde nicht verhandelt. Zuletzt sorgte eine von Maschadow zum Jahresbeginn verkündete einseitige Waffenruhe für Aufsehen.

Wahl zum Präsidenten Tschetscheniens 1997

Der Berufsoffizier Maschadow stieg in der Sowjetarmee bis zum Oberst auf. 1992 ging er in seine Heimat Tschetschenien, die sich unter Präsident Dschochar Dudajew von Russland abspalten wollte. Nach dem ersten Krieg mit Moskau und einem Friedensvertrag wurde Maschadow 1997 zum Präsidenten Tschetscheniens gewählt. Er konnte später nicht verhindern, dass radikalere Führer wie Bassajew das islamische Scharia-Gericht einführten und sich selbst und ihre Truppen durch Drogenhandel und Entführungen finanzierten. Seit Ausbruch des zweiten Tschetschenien-Krieges 1999 lebte Maschadow im Untergrund.

Bis zuletzt blieb vielen Russen ein Rätsel, warum die etwa 80 000 in Tschetschenien stationierten Soldaten und Polizisten Maschadow über Jahre nicht stellen konnten. Gemeinsam mit Bassajew hielt sich Maschadow angeblich ständig in dem Konfliktgebiet von der Größe Schleswig-Holsteins auf.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters