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Asyl für Snowden: US-Whistleblower darf drei weitere Jahre in Russland bleiben

Moskau gewährt Edward Snowden weiteren Aufenthalt in Russland. Washington ist entzürnt. Die USA wollen den NSA-Enthüller wegen Landesverrat und Spionage vor Gericht bringen und fordern seine Rückkehr.

Russland hat dem früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre erteilt. Das gab Snowdens Anwalt Anatoli Kutscherena in Moskau bekannt.

Snowden habe eine entsprechende Aufenthaltserlaubnis erhalten, sagte Kutscherena vor Journalisten. Sie gelte rückwirkend vom 1. August 2014 an. Snowden könne sich in Russland frei bewegen. Zudem dürfe der 31-Jährige ins Ausland reisen - aber nicht länger als für drei Monate. "Er hat Arbeit und führt ein bescheidenes Leben", betonte Kutscherena. Snowden lebe von seinem Gehalt und den Privatspenden, die auf seinem Konto eingingen. Der IT-Experte lerne aktiv die russische Sprache.

"Noch mehr Snowdens werden kommen"

"Es war meine Idee, die Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen, denn das zeitweilige Asyl hätte eine alljährliche Verlängerung nötig gemacht", sagte Kutscherena. Die Genehmigung könne erneut um drei Jahre verlängert werden. Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter könne nach fünf Jahren Aufenthalt die russische Staatsbürgerschaft beantragen. "Ich gehe davon aus, dass noch mehr Snowdens kommen - weil vielen Menschen die weltweite Spionage der USA missfällt", sagte Kutscherena.

Das Weiße Haus hat erneut Snowdens umgehende Rückkehr in die USA gefordert. "Unsere Position hat sich nicht geändert", sagte ein Sprecher des Weißen Hauses am Donnerstag. "Herr Snowden ist hier in den Vereinigten Staaten eines Verbrechens angeklagt. Er sollte so schnell wie möglich in die USA zurückkehren, wo ihm ein fairer Prozess und Schutz gewährt werden."

Die russischen Behörden hatten Snowden am 1. August 2013 ein auf ein Jahr befristetes Asyl gewährt. Russland weigert sich bislang, den Informanten an die USA auszuliefern. Dort wird ihm Landesverrat wegen seiner Enthüllungen der Überwachungspraxis des US-Geheimdienstes NSA vorgeworfen.

Obwohl Snowdens Enthüllungen eine weltweite Debatte über Freiheit und Datenschutz auslöste, war kein Land bereit, ihm Asyl zu gewähren. Auch die Bundesregierung lehnte es trotz ihrer Empörung über die US-Überwachungsprogramme, die selbst vor dem Handy der Kanzlerin nicht Halt machten, ab, Snowden Zuflucht zu gewähren. Anfang Juli beantragte Snowden daher über seinen Anwalt die Verlängerung seines Asyls in Russland.

ivi/jen/DPA/Reuters / DPA / Reuters