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Atomgipfel in Washington: Weltpolitiker Obama findet sein Thema

Der Atomgipfel in Washington hat die Welt nach Auffassung von US-Präsident Barack Obama sicherer gemacht. Das Treffen der 47 Staats- und Regierungschefs sei eine "sehr erfolgreiche erste Veranstaltung auf einem sicherlich sehr langen Weg", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Bisher hat Barack Obama in Sachen Außenpolitik nicht gerade Fortune gehabt. Israel brüskiert ihn mit seiner Siedlungspolitik. Der afghanische Präsident Hamid Karsai macht mit der bizarren Drohung Schlagzeilen, er schließe sich notfalls den Taliban an. Und wenn der US-Präsident bei Europäern vorsichtig wegen mehr Truppen in Afghanistan anklopfen lässt, erntet er meist nicht viel mehr als ein freundliches Lächeln. Alles eher unerfreulich. Doch wie wohl sich Weltpolitiker Obama auf der ganz großen Bühne fühlt, war jetzt beim Atomgipfel in Washington zu beobachten. Wenn nicht alles täuscht, hat Obama endgültig auch sein ureigenes Thema etabliert: Abrüstung, Nuklearsicherheit - und Iran.

Die Welt sicherer vor Nuklearterroristen machen, Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen plus Abrüstung mit den Russen - das ist der Dreiklang des "Programms Obama". Und das alles mit dem Fernziel einer Welt ohne Atomwaffen. Als Obama vor einem Jahr in Prag seine Vision verkündete, waren selbst engste Verbündete überrascht, keiner wusste so recht, wie es weitergehen soll. Zugleich waren die "Atomelite" und die Falken im eigenen Lande verschnupft. Jetzt werden die Konturen seines Programms sichtbar - selbst mit Teilerfolgen könnte Obama damit in die Geschichtsbücher eingehen.

Nach 15 Monaten im Amt versuche Obama nun, sich durch "proaktive Führungskraft" zu profilieren, meint die "New York Times" etwas umständlich. Im Klartext: In der ersten Phase seiner Präsidentschaft habe sich Obama darauf konzentriert, das Image Amerikas nach der Ära Bush zu reparieren. Jetzt wolle er mehr, "als lediglich zu zeigen, dass er nicht George W. Bush ist".

Als "mutige und pragmatische" Schritte lobte Obama die Ergebnisse "seines" Nukleargipfels. Die Welt werde sicherer, Atomterroristen solle das Handwerk gelegt, Nuklearmaterial sicherer gelagert werden. Natürlich äußert sich Obama nicht zu dem Schönheitsfehler, dass sich die fast 50 Länder nur auf vage Absichtserklärungen einigen konnten. Schöne Worte statt Taten, doch immerhin ein erster Schritt. Immerhin wurde wenigstens eine Nachfolgekonferenz vereinbart - 2012 in Südkorea.

Auch beim Thema Iran sieht Obama Fortschritte. Die Konfrontation mit Teheran könnte zur schwersten Prüfung seiner Amtszeit werden. "Es muss Konsequenzen geben", sagt Obama. Das hört sich an, als habe er sich bereits auf eine Marschroute festgelegt. Immerhin, China, der bisherige größte "Bremser" gegen härtere Iran-Sanktionen, scheint sich etwas zu bewegen. Zumindest gab es beim  Gespräch mit Präsident Hu Jintao entsprechende Signale, streuen Obamas Mitarbeiter.

Druck macht auch der französische Präsident Nicola Sarkozy. Der spricht sogar schon von der "Stunde der Wahrheit" für Teheran. Bis spätestens Mai müsse in der UN entschieden werden. "Wenn der Iran nicht verstehen will, bleibt nichts anderes als Sanktionen." Bislang scheint Teheran von allen Drohungen unbeeindruckt zu sein. Und auch Obama räumte auf seiner Abschlusspressekonferenz in Washington ein, dass Sanktionen kein "Zauberstab" seien. Doch noch Spielraum für Dialog?

Peer Meinert, DPA/AFP / DPA