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Atomkonflikt mit dem Iran Militärexperten bezweifeln Stärke von Israels Luftwaffe


Im Atom-Konflikt mit dem Iran scheuen israelische Politiker nicht vor Angriffsdrohungen zurück. In einem Bericht der "New York Times" sprechen Militärexperten der Luftwaffe Israels allerdings nicht die notwendige Durchschlagskraft zu.

Ein Angriff auf die iranischen Atomanlagen würde die israelische Luftwaffe nach Einschätzung von Militärexperten auf eine sehr harte Probe stellen. Die Piloten müssten mehr als 1600 Kilometer über feindliches Gebiet fliegen, unterwegs in der Luft auftanken, die iranische Luftabwehr überwinden und mehrere unterirdische Nuklearanlagen gleichzeitig angreifen, schreibt die "New York Times" in ihrer Online-Ausgabe. Israel müsste für den Einsatz nach Einschätzung von US-Sicherheitsexperten mindestens 100 Flugzeuge auf den Weg schicken.

Damit würde sich ein möglicher Angriff im Iran deutlich von den gezielten Luftschlägen auf den mutmaßlichen Reaktor in Syrien im Jahre 2007 sowie auf den irakischen Atomreaktor im Jahre 1981 unterscheiden, heißt es.

"Alle möglichen Experten sagen "Oh ja, bombardiert den Iran" - aber das wird nicht so einfach sein", sagte David Deptula, ehemaliger Geheimdienstchef der US-Luftwaffe, der New York Times. In den vergangenen Monaten wurde immer wieder über einen möglichen Angriff Israels auf den Iran spekuliert.

Zu geringe Durchschlagskraft vorhandener Munition

Tom Donilon, Nationaler Sicherheitsberater in den USA, traf sich am Sonntag in Jerusalem mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Nach israelischen Medienberichten will er Israel von einem Angriff auf den Iran abhalten und davon überzeugen, den Sanktionen gegen Teheran zuerst eine Chance zu geben.

Nach Angaben der "New York Times" sind sich einige US-Experten aber gar nicht sicher, ob Israel überhaupt die militärische Fähigkeit besitzt, einen solchen Angriff auszuführen. Es sei auch unklar, ob die "bunkerbrechenden" US-Bomben, über die Israel verfügt, stark genug seien, um in die tiefsten unterirdischen Schutzanlagen des Irans vorzudringen.

Man habe zudem die Sorge, die USA könnten im Fall eines fehlgeschlagenen israelischen Luftangriffs in den Konflikt hereingezogen werden. Selbst mit dem erheblich größeren Arsenal der USA könnte es jedoch nach Einschätzung der Experten viele Wochen dauern, die nuklearen Anlagen zu zerstören. Eine große Sorge sei auch ein möglicher Vergeltungsschlag des Irans.

"Es gibt nur eine Supermacht auf der Welt, die dies schaffen kann", sagte General Deptula dem Blatt. "Israel ist ausgezeichnet, wenn es um einen selektiven Schlag hier oder dort geht."

Raketenabwehrsystem wird vor Tel Aviv getestet

Zusätzlich bereitet sich Israel auf einen Angriff von außen vor. Die israelische Armee will in dieser Woche im Großraum Tel Aviv ein Raketenabwehrsystem aufstellen und prüfen. Eine Militärsprecherin in Jerusalem teilte am Montag mit, es handele sich um eine jährliche Routineübung. Das System "Eisenkuppel" solle nur für einige Tage stationiert bleiben. Bislang wurde es vor allem im Umland des Gazastreifens eingesetzt, als Warnsystem gegen den fortwährenden Raketenbeschuss durch militante Palästinenser. Tel Aviv gilt als Hauptziel möglicher Raketenangriffe bei einem neuen Nahost-Krieg.

Der israelische Militärgeheimdienstchef Aviv Kochavi hatte zuletzt gesagt, etwa 200.000 Raketen könnten aus feindlichen Ländern auf Israel abgefeuert werden. "Wir haben es mit einem feindseligeren, islamistischeren, empfindlicheren Nahen Osten zu tun", sagte er. Man müsse sich auf "permanente Instabilität" einstellen.

Die Armeesprecherin sagte, sie könnte sich zu den Vorwarnzeiten des Raketenabwehrsystems nicht äußern. In der Grenzstadt Sderot haben die Einwohner nach Beginn des Luftalarms nur gut 15 Sekunden Zeit, Schutzräume aufzusuchen. Je weiter die Entfernung ist, aus der die Raketen abgefeuert werden, desto länger ist für gewöhnlich die Warnzeit.

ono/DPA DPA

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