Atomstreit Iran will verhandeln


Der Iran hat im Atomstreit überaschend Verhandlungsbereitschaft angekündigt. Laut Chefunterhändler Ali Laridschani will das Land "ernsthafte Gespräche" über sein Atomprogramm führen. Die USA behalten sich trotzdem Sanktionen vor.

Der Iran hat seine Antwort auf die Vorschläge der internationalen Gemeinschaft zur Beilegung des Streits um sein Atomprogramm übergeben. Der iranische Chefunterhändler bei den Nukleargesprächen, Ali Laridschani, überreichte die Antwort im Gebäude des nationalen Sicherheitsrats den Botschaftern der fünf Vetomächte im Weltsicherheitsrat und Deutschlands. Für die USA nahm der Schweizer Botschafter die Antwort entgegen.

Laridschani sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur ISNA, der Iran sei bereit, "von morgen (23. August) an ernsthafte Gespräche" mit den Vetomächten und Deutschland aufzunehmen und "so bald wie möglich" an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Iran ist sich seiner internationalen Verantwortung als Staat voll bewusst und ist bereit eine konstruktive Rolle in allen wesentlichen Punkten zu spielen, einschließlich der Nuklearfrage, der langfristigen wirtschaftlichen und technischen Zusammenarbeit und der regionalen Sicherheitskooperation", sagte der Chefunterhändler den Botschaftern.

Teheran wird Hilfe versprochen

Es wurde erwartet, dass der Iran der von ihm geforderten Beendigung der Urananreicherung zunächst nicht zustimmen würde. Ob sich Laridschani zu dieser Forderung äußerte, wurde nicht bekannt. Allerdings hatten der Chefunterhändler und andere hohe Regierungsvertreter bereits zuvor einen Stopp der Urananreicherung abgelehnt.

In Teheran hatte es vor Überreichung der Antwort aus informierten Kreisen geheißen, der Iran werde unter anderem detailliertere Informationen zu einigen der Vorschläge in dem so genannten Anreizpaket der USA, Russlands, Großbritanniens, Frankreichs, Chinas und Deutschlands fordern. In der Offerte der sechs Mächte wird Teheran für einen überprüfbaren Anreicherungsverzicht umfassende wirtschaftliche Zusammenarbeit und Hilfe bei der zivilen Nutzung der Nuklearenergie unter Beteiligung der USA versprochen.

"Positive Haltung" gegenüber Anreizpaket

Der UN-Sicherheitsrat hatte Teheran Ende Juli aufgefordert, die Anreicherung von Uran bis spätestens 31. August zu stoppen. Anderenfalls drohten politische und wirtschaftliche Sanktionen. Der US-amerikanische UN-Botschafter John Bolton kündigte in New York an, sein Land sei zu einer raschen Resolution bereit, die Sanktionen gegen den Iran vorsehe. "Dies ist ein wirklicher Test für den Sicherheitsrat, und wir werden sehen, wie er den besteht", sagte Bolton. Ein Diplomat sagte, die Differenzen in dem Gremium würden vor allem dann offensichtlich, wenn der Iran sich in der Frage der Uran-Anreicherung gesprächsbereit zeige. Nach Angaben von ISNA sagte Laridschani, obwohl diese UN-Resolution "keine rechtliche Grundlage" habe, habe Teheran gemäß dem Rat von UN-Generalsekretär Kofi Annan eine "positive Haltung" gegenüber dem Anreizpaket eingenommen.

Der Ölpreis war zum Wochenbeginn angesichts der Unsicherheit über die Entwicklung im Atomstreit gestiegen. Sollte der Iran - das viertgrößte Ölförderland der Welt - seine Lieferungen an den Westen einstellen, könnte dies nach Einschätzung von Experten den Preis für das Barrel aus dem Bereich von 70 Dollar vermutlich über die Marke von 100 Dollar treiben. Am Montag hatte der oberste iranische Führer, Ajatollah Ali Chamenei, erklärt, sein Land werde das Atomprogramm "mit aller Macht und Entschlossenheit fortsetzen und am Ende seine Früchte ernten".

US-Präsident George W. Bush drohte der Führung in Teheran nochmals mit Konsequenzen. Er wolle aber weiter an einer diplomatischen Lösung festhalten. Es müsse verhindert werden, dass Regime wie in Teheran dem Weltsicherheitsrat "eine lange Nase drehen", sagte Bush.

DPA/Reuters DPA Reuters

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