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Aufnahmen aus dem Kaltem Krieg Amerikas geheime Atomtests - wie die Welt nun zuschauen kann

Aufnahmen der Operation Hardtack, einer Serie von US-Atomtests im Jahr 1958
Aufnahmen der Operation Hardtack, einer Serie von US-Atomtests im Jahr 1958 auf den Marshallinseln im Pazifik und auf der Nevada Test Site.
© Screenshot Youtube/Lawrence Livermore National Laboratory
Mehr als 1000 Atomwaffen haben die USA im Kalten Krieg gezündet. Viele der Tests wurden auf Filmband festgehalten. Jahrzehntelang blieben die Aufnahmen allerdings geheim. 750 von ihnen wurden nun veröffentlicht.

"Mein Gott, was haben wir getan?", notierte der Pilot Robert L. Lewis in das Logbuch, nachdem er und sein Kollege Paul W. Tibbets 1945 die Atombombe über Hiroshima abgeworfen und damit das atomare Zeitalter eingeläutet hatten. Mindestens 100.000 Menschen waren auf der Stelle tot. Doch das Ausmaß der Zerstörung ließ die USA nicht innehalten. Drei Tage später wurde Nagasaki zum Ziel eines zweiten Atombombenabwurfs. Japan kapitulierte. Der Zweite Weltkrieg war nun auch in Asien zu Ende.

Doch bis heute wird spekuliert, dass die japanische Kapitulation gar nicht das primäre Ziel der USA war, sondern der "Feldversuch" der neuen Vernichtungswaffe. In den darauffolgenden Jahren folgten hunderte Atomtests. Abgelegene Inseln und Atolle, Wüstengebiete oder auch der US-Bundesstaat Nevada wurden zum Schauplatz der nuklearen Experimente. Selbst unter Wasser, in der Hochatmosphäre und im Weltraum wurden Kernwaffentests durchgeführt. Allein zwischen 1945 und 1962 fanden offiziellen Angaben zufolge 210 oberirdische Atomtests statt.

Für 750 Videos wird die Geheimsperre aufgehoben 

Hochgeschwindigkeitsaufnahmen dokumentierten dabei das Geschehen. Rund 10.000 dieser Filme lagern bis heute in geheimgehaltenen Archiven, verstreut über das ganze Land. Über die Jahrzehnte setzten die Bänder aber nicht nur Staub an: Sie fingen an, zu zerfallen. Wissenschaftler des staatlichen Forschungs- und Entwicklungszentrums Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL) haben es sich jedoch zur Aufgabe gemacht, das Material zu sichern, bevor es für immer verloren geht. 

Seit fünf Jahren verfolgt nun das Team rund um den Physiker Greg Spriggs diese Mission. 6500 der rund 10.000 Aufnahmen aus den Jahren zwischen 1945 und 1962 konnten sie bislang ausfindig machen, wie das LLNL in einem Bericht bekannt gegeben hat. Rund 4.200 Filme wurden bereits digitalisiert. Und für 750 von ihnen wurde von der US-Regierung nun die Geheimsperre aufgehoben.

Nukleare Experimente als Playlist

Einen ersten Satz dieser freigegebenen Filme veröffentlichte das Forschungszentrum, das im Rahmen des nationalen Verteidigungsprogramms an der Planung und Entwicklung von Kernwaffen mitwirkt, auf Youtube. Nach mehr als 55 Jahren kann nun die Öffentlichkeit die Atomwaffentests aus der Zeit des Kalten Krieges beobachten. 

"Wir wissen, dass die Filme am Rande des Zerfalls sind", sagte Spriggs. "Wenn man die Behälter öffnet, riecht es nach Essig - einem Nebenprodukt des Zersetzungsprozesses. Wir haben dieses Projekt gerade noch rechtzeitig gestartet, um die Daten zu retten."  Spriggs schätzt, dass es noch zwei Jahre dauern wird, bis der Rest des Filmmaterials digitalisiert ist.

ivi

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