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Attentat auf Putin-Kritiker Welche Rolle spielte Nemzows geheimnisvolle Begleiterin?


Anna Durizkaja war an der Seite von Boris Nemzow, als er von Unbekannten erschossen wurde. Im Moment ist sie die einzige Zeugin - doch ihre Aussage gibt den Ermittlern Rätsel auf.
Von Ellen Ivits

Das Luxus-Kaufhaus GUM befindet sich direkt gegenüber dem Kreml. Dort speiste der russische Oppositionspolitiker Boris Nemzow mit seiner Freundin Anna Durizkaja im Restaurant "Bosco", bevor er sich am späten Freitagabend auf den Heimweg machte. Obwohl es regnete, ließ das Paar sein Auto mit Chauffeur stehen und entschloss sich zu einem Spaziergang. Ein verhängnisvoller Fehler, wie sich herausstellen sollte.

Denn auf dem Weg über die Große Moskauer Brücke, nur wenige Meter vom Kreml entfernt, verübten Unbekannte ein Attentat auf Nemzow und streckten ihn mit vier Schüssen nieder. Seine Freundin überlebte den Anschlag unbeschadet.

Das ukrainische Model ist im Moment die einzige Zeugin des Attentats. Doch laut übereinstimmenden Medenberichten beteuert sie, dass sie sich weder an den Mann, noch an das Fluchtfahrzeug oder an andere Einzelheiten erinnern könne. Sie stehe unter Schock und leide an partiellem Gedächtnisverlust, wird die 23-Jährige in russischen Medien zitiert. "Ich weiß nicht aus welcher Richtung, der Mörder kam. Ich habe nichts gesehen, weil alles hinter meinem Rücken passiert ist", sagte sie der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Auch auf dem Weg von dem Restaurant zu der Brücke hätte sie keine Verfolger gemerkt.

Mord aus Eifersucht?

Für die russischen Ermittler, so scheint es, ist Durizkaja nicht nur eine Zeugin, sondern auch eine Verdächtige. Die russische Polizei soll Hinweisen nachgehen, wonach es sich bei dem Mord womöglich um eine Tat aus Eifersucht handeln könnte.

Durizkaja beklagt sich, dass sie derzeit in Moskau gegen ihren Willen festgehalten wird: "Die Ermittler befragen mich, und keiner sagt mir, wann ich freigelassen werde und warum sie mich hier festhalten", so Durizkaja zum russischen Sender Doschd. "Ich habe das Recht, Russland zu verlassen, ich bin keine Verdächtige", fügte die Ukrainerin hinzu. Dem Verdacht, jemand könnte Nemzow aus Eifersucht umgebracht haben, widersprach sie. Weder sie selbst noch ihr Lebenspartner hätten dementsprechende Drohungen erhalten.

Der Tag des Attentats

Seit drei Jahren war Durizkaja nach ihrer eigenen Darstellung mit dem Oppositionspolitiker bekannt. Mindestens einmal im Monat soll sie ihn in Moskau besucht haben. Die gebürtige Ukrainerin kam 1991 in dem kleinen Örtchen Belaja Zerkovj zur Welt. Nach ihrem Schulabschluss 2008 soll sie ein Studium an der Staatlichen Universität Kiew begonnen haben. Nebenbei arbeitete sie als Model.

Am 27. Februar, dem Tag des Attentats, soll sie erst am Vormittag in Moskau eingetroffen sein. Nemzow habe sie gegen 11.30 Uhr am Flughafen abgeholt. Nachdem das Paar sich den ganzen Tag über in der Wohnung des Putin-Kritikers aufgehalten haben soll, verließen die beiden laut Durizkaja erst gegen 19 Uhr wieder das Apartment. Während Nemzow einen Interviewtermin wahrnahm, hielt sie sich in einem Spa auf. Anschließend trafen sich die beiden offenbar zum Abendessen im GUM.

Warum wurde Durizkaja verschont?

Laut ihrem Anwalt hält sich Durizkaja momentan bei einem Freund ihres ermordeten Lebensgefährten in Moskau auf. Die russischen Behörden würden sie rund um die Uhr überwachen, und sie dürfe die Wohnung nicht verlassen, sagte er gegenüber Interfax. Dabei war es Durizkaja selbst, die die Polizei nach den Schüssen auf Nemzow alarmierte. Die Ermittler hätten sie die ganze darauffolgende Nacht verhört. "Ich weiß nicht, was ich hier noch machen könnte", klagte sie.

Vor allem eine Frage gibt den Ermittlern Rätsel auf: Warum haben die Attentäter nicht auch auch Durizkaja eliminiert? Immerhin gehen sie so das Risiko ein, dass die Augenzeugin die Täter gesehen haben könnte.


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