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Aufruhr in Kiew Bewaffnete stürmen Timoschenkos Parteizentrale


Die ukrainische Polizei und andere bewaffnete und maskierte Männer gehen in der Ukraine gegen die Opposition vor. Ist es nun zu spät für Gespräche?

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew haben am Montag bewaffnete und maskierte Männer den Sitz der Vaterlandspartei der inhaftierten Oppositionsführerin Julia Timoschenko gestürmt. Die pro-europäische Vaterlandspartei führt die Proteste gegen Präsident Viktor Janukowitsch mit an.

Sondereinsatzkräfte der Polizei seien mit Gewalt in den Parteisitz eingedrungen, teilte die Parteisprecherin Marina Soroka am Nachmittag auf ihrer Facebook-Seite mit. Ein von der Partei verschicktes Foto zeigt drei vermummte Uniformierte vor dem Gebäude. Die Online-Zeitung "Ukrainska Prawda" berichtete, die Durchsuchung der Parteizentrale sei das Werk des Staatssicherheitsdienstes SBU. Die Polizei erklärte dagegen, sie sei nicht in den Vorfall verwickelt. Die Oppositionspartei Udar (Schlag) von Boxweltmeister Vitali Klitschko evakuierte aus Angst vor einer Erstürmung durch Sicherheitskräfte ihre Parteizentrale.

Polizei räumt Barrikaden

Zuvor waren Sondereinheiten vorgerückt, um die seit einer Woche andauernde Blockade der Regierungsgebäude im Zentrum Kiews aufzulösen. Die Polizei begründete ihr Vorgehen mit den Klagen zahlreicher Anwohner. Die von den Demonstranten errichteten Barrikaden und Zelte würden abgebaut. Augenzeugen zufolge forderte die Menge die Sicherheitskräfte auf, sich ihnen anzuschließen, während sie ihr Protestlager verließ.

Die Räumung der Gegend um das Viertel, in dem sich der Regierungssitz, das Präsidialamt und das Parlament befinden, verlief friedlich. Box-Weltmeister Vitali Klitschko und weitere Anführer der Opposition riefen die Demonstranten auf, sich auf dem nahe gelegenen Unabhängigkeitsplatz (Maidan Nesaleschnosti) zu versammeln. Auf dem meist nur Maidan genannten Platz hatten am Sonntag erneut hunderttausende Oppositionsanhänger gegen die Regierung demonstriert.

Regierung kündigt Dialog an

Angesichts der Proteste erklärte sich Janukowitsch am Montag zu Gesprächen mit der Opposition bereit. Zur Anknüpfung des Dialogs wolle der Staatschef sich am Dienstag mit seinen Amtsvorgängern Leonid Krawtschuk, Leonid Kutschma und Viktor Juschtschenko treffen, um über die politische Krise im Land zu beraten, erklärte das Präsidialamt. Die drei Ex-Präsidenten hatten vergangene Woche Verhandlungen mit der Opposition gefordert.

Die Demonstranten protestieren seit mehr als einer Woche gegen die Abkehr der ukrainischen Regierung von ihrem West-Kurs und ihre stärkere Hinwendung zu Russland. Aus dem Gefängnis heraus hatte die frühere Ministerpräsidentin Timoschenko ihre Landsleute zum Protest gegen die russlandfreundliche Politik von Präsident Viktor Janukowitsch aufgefordert. Timoschenko war 2011 wegen Amtsmissbrauchs verurteilt worden und sitzt seither in Haft.

bih/AFP/Reuters Reuters

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