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Augusto Pinochet: Gericht setzt Hausarrest aus

Ein Gericht hat den gegen Ex-Diktator Augusto Pinochet nur Stunden zuvor verhängten Hausarrest wieder aufgehoben. Zuvor hatte der Richter Juan Guzmàn den 89-Jährigen gesund genug für einen Strafprozess erklärt.

Es handele sich um eine Maßnahme des vorläufigen Rechtsschutzes auf Antrag der Verteidigung Pinochets, teilte die Justiz mit. Zuvor hatte der Richter Juan Guzmàn den 89-Jährigen gesund genug für einen Strafprozess erklärt und Anklage wegen des Verschwindenlassens und der Ermordung von Regimegegnern im Zusammenhang mit dem so genannten Plan Condor erhoben.

Dabei hatten mehrere Militärdiktaturen im südlichen Lateinamerika in den 70er Jahren unter Leitung Chiles die grenzübergreifende Verfolgung und Ermordung von Regimegegnern koordiniert. Pinochet stehe im dringenden Verdacht, neun Entführungen und einen Mord angeordnet zu haben, sagte der Richter weiter.

Streit um die Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten

Zur Begründung seiner Entscheidung, Pinochet jetzt für verhandlungsfähig zu erklären, bezog sich Guzmàn auf eine ärztliche Untersuchung und betonte, der Angeklagte habe bei einer Vernehmung gezeigt, dass er "die Wirklichkeit wahrnimmt, seine Gedankengänge logisch sowie in sich schlüssig sind, er sich zeitlich und räumlich orientieren kann, zu logischem Denken fähig ist und auf Fragen direkt" antworte.

Einer von Pinochets Verteidigern, der Rechtsanwalt Pablo Rodríguez, bezeichnete die Anklage als Ausdruck der "politischen Verfolgung" seines Mandanten durch die Justiz. "Es handelt sich um einen Missbrauch des Rechts, weil die Menschenrechte, die in diesem Land ja so wichtig genommen werden, völlig außer Acht gelassen werden", klagte Rodríguez. Pinochet sei wegen seines Alters und seiner zahlreichen Gebrechen nicht in der Lage, sich angemessen zu verteidigen.

DPA