Ausland Bangladesch sorgt für Ruhe im Libanon


Eine Friedenstruppe im Libanon soll dem geschundenen Land wieder auf die Beine helfen. Doch nicht die reichen Nationen stellen dafür die meisten Soldaten. Hoffnung für den Libanon kommt aus einem der ärmsten Länder der Welt.
Von Malte Arnsperger

Nicht die Weltmacht USA, die ehemalige Schutzmacht Frankreich und schon gar nicht das zögernde Deutschland. Nein, ausgerechnet das südasiatische Bangladesch, eines der ärmsten Länder der Welt, will der Friedensengel im Libanon sein. Lediglich 3500 Soldaten für die geplante UN-Friedenstruppe, einer der bisher heikelsten UN-Missionen, kann Generalsekretär Kofi Annan bisher fest einplanen - und den Großteil stellt ausgerechnet das bitterarme Bangladesch.

Ein Land, dessen Pro-Kopf-Einkommen bei gerade einmal 400 US-Dollar im Jahr liegt, bewahrte die Weltorganisation vor der vollständigen Blamage. Bei der Truppenstellerkonferenz in New York hat Bangladesch mit 2000 Soldaten das größte Kontingent angeboten.

Margret Johannsen vom Hamburger Institut für Friedensforschung überrascht das wenig. "Diese Staaten finanzieren oft einen wesentlichen Teil ihrer Armeeausgaben über diese Einsätze, die ihnen durch UN-Mitgliedsbeiträge erstattet werden" sagte sie zu stern.de. "Es ist also quasi indirekte militärische Entwicklungshilfe der großen Beitragszahler, etwa USA oder Deutschland, für diese ärmeren Länder."

Zu den aktivsten Staaten bei den Blauhelm-Operationen gehören neben Bangladesch, Pakistan, Nigeria, Ghana, Indien, Äthiopien und Südafrika. UN-Friedenseinsätze werden zu rund drei Vierteln von Entwicklungsländern bestritten. Neben der willkommen Fremdfinanzierung ihrer Armeen gibt es dafür auch Gründe, sagt Margret Johannsen: "Für diese Länder ist die Beteiligung an den UN-Missionen auch ein Prestigegewinn. Es ist für sie die Möglichkeit, die Bedeutung des eigenen Landes zu unterstreichen." Zudem, so Johannsen, strahlt die Weltorganisation in Ländern der Dritten Welt eine wesentlich größere Autorität aus und hat ein besseres Ansehen, als in vielen westlichen Staaten. "Die UNO ist die Weltorganisation, in denen Länder wie Bangladesch zumindest in der Generalversammlung gleichberechtigt sind", sagt Johannsen.

Frankreich, das sich zur Führung der UN-Truppe bereit erklärt hat, bietet lediglich 200 Mann an, was bei den UN mit Enttäuschung aufgenommen wurde. "Entscheidend dafür dürfte sein, dass der Weg zu Entwaffnung der Hisbollah noch völlig unklar ist", so Margret Johannsen. Doch auch sie kritisiert den überraschend geringen Beitrag Frankreichs. Die Erwartungen an die alte Mandatsmacht in Syrien, beziehungsweise Libanon, seien wesentlich höher gewesen. "Die westlichen Kräfte in der libanesischen Regierung werden enttäuscht sein."

Die UNIFIL-Truppe soll gemäß der Libanon-Resolution 1701 des Weltsicherheitsrats von derzeit 2000 auf 15.000 aufgestockt werden, um den Waffenstillstand zwischen der Hisbollah und Israel auf Dauer zu sichern. Deutschland will vor allem mit der Marine helfen, die libanesische Küste zu patrouillieren, um zu gewährleisten, dass Waffen oder ähnliches Material nicht in den Libanon gelangen. Darüber hinaus hat Deutschland Zollbeamte, Polizisten und Grenzschützer für Patrouillen an der syrischen Grenze angeboten.

Unklar war nach dem Treffen in New York nach Angaben des stellvertretenden UN-Generalsekretärs Mark Malloch Brown, ob die angebotenen Einheiten über die nötigen Fähigkeiten und die richtige Ausrüstung verfügen und ob die potenziellen Geberstaaten die richtige Mischung darstellen. Nötig seien innerhalb von zehn Tagen mindestens 3500 Mann, sagt Brown, "zahlenmäßig haben wir das".

Zusagen über je ein oder zwei Bataillone kamen nach Angaben von UN-Diplomaten aus Indonesien, Malaysia sowie aus Nepal. "High-Tech"-Truppen seien aber von solchen Ländern allerdings nicht zu erwarten, sagt Margret Johannsen. "Sie sind für Kampfeinsätze nicht erstklassig ausgebildet, vor allem was die Waffenausrüstung betrifft. Aber das braucht man im Libanon auch nicht. Das ist für das Mandat im Libanon nicht erforderlich."

UN-Vizegeneralsekretär Brown sagte zwar, die Resolution würde klarstellen, dass es sich um ein robustes Mandat handele. Die Aufgabe der Truppe sei aber nicht die umfassende Entwaffnung der Hisbollah-Miliz, sondern die Überwachung einer politischen Vereinbarung "mit der sich die libanesische Regierung und die Hisbollah zur Entwaffnung bereiterklärt haben". Das ist jedoch noch Zukunftsmusik, denn zunächst steht die Bildung der UN-Friedenstruppe an. Deshalb appelliert Margret Johannsen vor allem an die Europäer, weitere Soldaten bereitzustellen: "Der Libanon liegt im Interesse Europas. Und es kann nicht sein, dass die Truppen der Dritten Welt die Kastanien aus dem Feuer holen müssen."


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