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Ausland: Wie die neuen Länder schmecken

Bei der EU-Erweiterung denken die meisten Menschen an billige Arbeitskräfte, fremde Sprachen und Subventionsgelder. Aber sie bringt uns viel mehr: Neue Gaumenfreuden.

Würziger Schafskäse und edler Wein: Manche Spezialitäten der neuen EU-Länder haben Chancen, ein Exportschlager zu werden. Für einige Hersteller von Nationalgetränken und markanten Lebensmitteln bringt der EU-Beitritt aber auch ganz neue Hindernisse mit sich. Die Einführung der strengen EU-Richtlinien bedeutet für einige Produkte sogar das Aus.

Baltikum:

Traditionelle Spezialitäten aus den baltischen Staaten sind von den strengen EU-Richtlinien bedroht: So werden die frischen Blutwürste, die auch Innereien enthalten, künftig wohl nur unter der Ladentheke angeboten. Auch Riesensalamis sind gefährdet, weil sie in den Urinbeuteln von Schweinen getrocknet werden. Joghurt- und Käsespezialitäten aus Frischmilch stehen ebenfalls auf dem Prüfstand. Bisher haben sich nationale Leckerbissen aus Estland, Lettland oder Litauen noch nicht auf dem gesamteuropäischen Markt durchsetzen können.

Malta:

Als Leibspeise in Malta gilt das Kaninchen - gebraten, gegrillt oder auch als Eintopf. Ansonsten ist der italienische Einfluss auf die Küche unverkennbar. Im übrigen breiten sich auf der Touristeninsel immer mehr Hamburger-Ketten aus.

Polen:

Wodka hat in Polen Tradition - im Ausland sind vor allem die Marken Wyborowa und der goldfarbene, mit einem Halm Bisongras versetzte und leicht zimtig schmeckende Zubrowka bekannt. Ein Blick in die Spirituosenabteilungen polnischer Supermärkte dagegen zeigt: Es gibt Dutzende von Marken. Besonderen Schutz als regionale Spezialität soll Oscypek, der pikante geräucherte Schafskäse aus Südpolen, in der EU genießen. Einziges Problem: Auch die Slowaken setzen auf Schafskäse als Exportschlager.

Slowakei:

Der Schafskäse Bryndza (Brimsen) wurde von der EU als landestypische Spezialität anerkannt und darf nur von der Slowakei exportiert werden. Außerhalb der Slowakei ist Bryndza, abgesehen von manchen Teilen Österreichs, aber bisher kaum bekannt. Der Käse bildet auch die Grundlage für das slowakische Nationalgericht Bryndzove halusky (Brimsennocken), das man Touristen gerne als Symbol für das traditionell eher ärmliche slowakische Essen serviert.

Slowenien:

Die Weinsorte Cvicek ist den Slowenen so wichtig, dass sie bei den EU-Beitrittsverhandlungen hart und schließlich erfolgreich um eine dauerhafte Ausnahmeregelung gekämpft haben: Cvicek ist eine Mischsorte aus Rot- und Weißwein mit einem sehr niedrigem Alkoholgehalt von rund fünf Prozent, was den EU-Normen für Weine nicht entspricht. Durch die Ausnahmeregelung werden die Slowenen weiterhin Cvicek als Wein produzieren, verkaufen und trinken können. Optimisten hoffen, dass er auch in den übrigen Teilen der EU zu einem Verkaufsschlager werden könnte.

Tschechien:

Bier ist das tschechische Nationalgetränk schlechthin. Außer Pilsner Urquell sind das berühmte Budweiser «Budvar» sowie das Prager Staropramen längst in Deutschland erhältlich. Jetzt hoffen auch die Winzer auf Export-Erfolge - etwa mit ihren Weinen Frankovka und Tanzberg, beide aus Südmähren, oder Ludmila aus dem böhmischen Ort Melnik.

Ungarn:

Die Ungarn hoffen, vor allem Gänseleber und Salami verstärkt exportieren zu können. Zahlreiche fleischverarbeitende Fabriken werden aber schließen müssen, weil sie EU-Hygienestandards nicht entsprechen. Sorgen gab es zunächst auch wegen der Weinmarke Tokajer und dem Obstschnaps Pàlinka. Den Tokajer dürfen die Slowaken nach erbitterten Streit nun auch unter diesem Namen produzieren. Die Slowakei hatte dies beansprucht, weil drei slowakische Dörfer, in denen Wein produziert wird, direkt an der Grenze zum ungarischen Tokajer-Gebiet liegen. Fast wäre es mit dem Schnaps Pàlinka ähnlich gegangen, weil im benachbarten Rumänien auch zwei- bis dreifach gebrannter Obstschnaps unter dem Namen produziert wird. Bukarest hatte aber erfolglos in Brüssel zu verhindern versucht, dass die Ungarn Pàlinka für ihren Schnaps als Norm und Namen festschreiben.

Zypern:

Auch Zypern setzt auf Wein: Der berühmte Kommandaria, der den Zypriern als der beste Süßwein der Welt gilt, lässt Hoffnungen auf steigende Exporte blühen. Das Rezept soll von einem Geheimritter des mittelalterlichen Johanniter-Ordens stammen. Schon im Altertum war dieser süße Wein bekannt. «Die Süße Deiner Liebe gleicht dem Weine Zyperns», soll Markus Antonius seiner geliebten Kleopatra, Kaiserin von Ägypten, ins Ohr geflüstert haben.

DPA / DPA