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Auszeichnung: Wangari Maathai erhält den Friedensnobelpreis

Der Friedensnobelpreis geht an die kenianische Umweltaktivistin Wangari Maathai. Die 64-Jährige, die 1978 als Stipendiatin in Deutschland gefördert worden war, ist die erste Afrikanerin, die den Preis erhält.

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an die Umweltschützerin Wangari Maathai aus Kenia. Das gab das Nobel-Komitee in Oslo am Freitag bekannt. Die 64-Jährige wird für ihren Einsatz zur Erhaltung der Umwelt und zur Durchsetzung der Menschenrechte ausgezeichnet. "Ich bin absolut überwältigt", erklärte Mathai im norwegischen Fernsehen. "Ich hatte das nicht erwartet."

Die stellvertretende Umweltministerin ist die erste Afrikanerin, die den Preis erhält. Sie wurde vor allem durch ihr 1977 gegründetes Umweltprojekt Grüner Gürtel (Green Belt Movement) bekannt, durch das 30 Millionen Bäume in Afrika gepflanzt wurden. Im April dieses Jahres erhielt Maathai den Petra-Kelly-Preis der der Heinrich-Böll-Stiftung.

Preis mit 1,1 Millionen Euro dotiert

Der Preis ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert. Im vergangenen Jahr hatte die iranische Menschenrechtlerin Shirin Ebadi die Auszeichnung erhalten. Damit gehören seit der ersten Vergabe 1901 zwölf Frauen zu den Trägern des Friedensnobelpreises.

Mit Jubel hat die "Grüngürtelbewegung" auf die Verleihung des Friedensnobelpreises reagiert. "Wir sind ganz aus dem Häuschen", sagte die Projektmitarbeiterin Muguru Muchai in Nairobi. "Jeder klebte am Radio, und jetzt bekommen wir Anrufe aus allen Ecken der Welt." Muchai sagte, der Preis gebe ihrer Arbeit Aufschwung.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hat sich ebenfalls "hoch erfreut" gezeigt. Im Kampf für die Umwelt sei Maathai die Frau, die vielleicht weltweit, aber mit Sicherheit in Afrika am meisten im Rampenlicht stehe, sagte Sprecher Eric Falt am UNEP-Sitz in Nairobi. "Maathai ist eine von nur einer Hand voll Frauen auf der Welt, die ihr gesamtes Leben der Arbeit für die Umwelt gewidmet haben", sagte er.

Norwegens Ministerpräsident Kjell Magne Bondevik hat die Vergabe des Preises an Maathai als "genau richtig" begrüßt. Im TV-Sender NRK sagte Bondevik: "Ihr Kampf für die Armen, gegen die Zerstörung der Umwelt und politische Unterdrückung liegt genau in der richtigen Dimension für den Preis."

Mit großer Freude wurde die Vergabe beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) aufgenommen. Es sei zu begrüßen, dass "eine derart engagierte und mutige Frau" den Nobelpreis erhalten habe, sagte die Stellvertretende DAAD-Generalsekretärin Dorothea Rüland in Bonn. Frau Maathai sei 1978 als Stipendiatin in Deutschland gefördert worden und habe als erste Frau Ostafrikas einen Doktortitel in Biologie erhalten.

Rekordzahl von 194 Nominierungen

Das Komitee konnte in diesem Jahr unter einer Rekordzahl von 194 Nominierungen auswählen, 21 dieser Vorschläge steuerten die Mitglieder des Gremiums selbst bei. Auf der Liste standen so unterschiedliche Personen und Organisationen wie US-Präsident George W. Bush, der ehemalige UN-Waffeninspekteur Hans Blix, der Chef der internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed El Baradei, der chinesische Arzt Jiang Yanyong, der die Regierung in Peking im vergangenen Jahr zwang, das Ausmaß der Sars-Epidemie einzugestehen, die Europäische Union, weil diese mit der Ost-Erweiterung im Mai zu Frieden und Stabilität auf dem Kontinent beigetragen habe, und Papst Johannes Paul II.

Eine vollständige Liste der Nominierungen wird jedoch nie veröffentlicht, und in der Vergangenheit hat das Nobelpreiskomitee immer wieder auch langjährige Beobachter überrascht. So auch im letzten Jahr, als Ebadi den Preis erhielt.

Die Begründung des Kommitees

Das Nobelkomitee in Oslo hat die Vergabe des Preises an Maathai wie folgt begründet (Übersetzung):

"Das norwegische Nobelkomitee hat beschlossen, Wangari Maathai den Friedensnobelpreis 2004 für ihren Einsatz für nachhaltige Entwicklung, Demokratie und Frieden zuzuerkennen.

Frieden auf der Welt ist von unserer Fähigkeit abhängig, unsere Umwelt zu schützen. Maathai kämpft an vorderster Front, um eine ökologisch verantwortliche soziale, ökonomische und kulturelle Entwicklung in Kenia und in Afrika zu fördern. Sie hat eine ganzheitliches Bild von nachhaltiger Entwicklung, das Demokratie, Menschenrechte und besonders die Rechte der Frauen einbezieht. Sie denkt global und handelt lokal.

Maathai hat mutig gegen das frühere, unterdrückerische Regime in Kenia gekämpft. Ihre einzigartigen Aktionsformen trugen dazu bei, die Aufmerksamkeit auf politische Unterdrückung zu lenken - sowohl national wie international. Sie war für viele eine Inspiration im Kampf um demokratische Rechte und hat insbesondere Frauen ermutigt, ihre Lage zu verbessern.

Maathai verbindet Wissenschaft, soziales Engagement und aktive Politik. Statt nur die existierende Umwelt zu schützen, besteht ihre Strategie darin, die Grundlagen für eine nachhaltige ökologische Entwicklung zu schützen und zu stärken. Sie hat die "Grüngürtelbewegung" (Green Belt Movement) gegründet, die im Laufe von fast 30 Jahren arme Frauen zur Anpflanzung von 30 Millionen Bäumen mobilisiert hat. Ihre Methoden werden auch in anderen Ländern angewandt. Wir haben alle miterlebt, wie Abholzung und Waldsterben zu Versteppung in Afrika führen und viele Gegenden auf der ganzen Welt bedroht - auch in Europa. Der Schutz von Wäldern zur Verhinderung der Versteppung ist ein wesentlicher Faktor im Kampf um die Stärkung der Umwelt auf unserer gemeinsamen Erde.

Durch Ausbildung, Familienplanung, Ernährung und den Kampf gegen Korruption legt die "Grüngürtelbewegung" die Voraussetzungen für eine Entwicklung von unten. Wir glauben, dass Maathai eine starke Stimme der besten Kräfte Afrikas ist, um Frieden und gute Lebensbedingungen auf dem Kontinent zu fördern.

Wangari Maathai ist die erste Frau aus Afrika, die mit dem Friedensnobelpreis geehrt wird. Sie ist auch die erste Afrikanerin aus dem großen Gebiet zwischen Südafrika und Ägypten, die den Preis entgegennimmt. Sie repräsentiert ein Beispiel und eine Quelle der Inspiration für alle in Afrika, die für eine nachhaltige Entwicklung, Demokratie und Frieden kämpfen."

DPA/Reuters / DPA / Reuters