VG-Wort Pixel

Nach Anschlag auf Kreml-Gegner Bei FSB-Agent geklingelt: Mitstreiterin von Alexej Nawalny in Untersuchungshaft

Mitstreiterin von Alexej Nawalny Ljubow Sobol
Mitstreiterin von Alexej Nawalny Ljubow Sobol
© Krill Kudryavtsev
Nachdem ein FSB-Agent unwillentlich den Anschlag auf Alexej Nawalny gestanden hat, schlägt der Kreml in Panik um sich. Nun wird gegen die Vertraute des Oppositionspolitikers ermittelt – weil sie bei einem der Männer, die mutmaßlich an dem Giftattentat beteiligt waren, geklingelt hat. 

Nach dem Telefonat von Alexej Nawalny mit einem seiner mutmaßlichen Attentäter ist eine Verbündete des Kreml-Kritikers in Russland in Untersuchungshaft genommen worden. Nach der Einleitung von Strafermittlungen sei Ljubow Sobol am Freitag zunächst als Zeugin gehört worden, bevor sie formell beschuldigt und für 48 Stunden in Untersuchungshaft genommen worden sei, teilte Iwan Schdanow, ein Mitarbeiter Nawalnys, mit. 

Sobol werde "Hausfriedensbruch" unter "Anwendung oder Androhung von Gewalt" vorgeworfen, erklärte Schdanow im Kurzbotschaftendienst Twitter. Sobol hatte am Montag versucht, den FSB-Agenten in seiner Wohnung aufzusuchen, der in dem Telefonat mit Nawalny nach dessen Angaben eingeräumt hatte, an dem Giftanschlag auf ihn beteiligt gewesen zu sein. 

"Ljubow Sobol wird jetzt offiziell verdächtigt im Rahmen dieser Ermittlungen, ihr Status hat sich geändert", erklärte Schdanow auf Twitter. Sobols Anwalt Wladimir Woronin bestätigte die Informationen, ohne nähere Angaben zu machen. Der Nawalny-Vertrauten drohen zwei Jahre Haft.     Nawalny selbst schrieb auf seinem Blog, die "hysterische Reaktion" der russischen Behörden würden deren Schuld beweisen. "Du klingelst an der Türe eines Mörders und sie brechen deine Türe auf und nehmen dich für ein Verhör fest."

Mutmaßliche FSB-Agent gesteht Giftanschlag 

In dem am Montag von Nawalny veröffentlichten 45-minütigen Telefonat, in dem sich der 44-Jährige als Vertreter des russischen Sicherheitsrats ausgab, räumte der mutmaßliche FSB-Agent Konstantin Kudrjawzew den Anschlag ein. In der Aufnahme berichtete Kudrjawzew, das Gift sei an der Innenseite von Nawalnys Unterhose angebracht gewesen.

Nawalny war im August während eines innerrussischen Fluges zusammengebrochen. Zwei Tage später wurde er im Koma liegend zur Behandlung in die Berliner Universitätsklinik Charité gebracht. Nach Angaben von drei europäischen Laboren, deren Ergebnisse von der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) bestätigt wurden, wurde Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe vergiftet. Der Kreml bestreitet jede Beteiligung an dem Anschlag.

Bloß an der Tür geklingelt – und schon festgenommen 

Die 33-jährige Sobol war am Montag festgenommen worden, als sie vergeblich an der Tür von Kudrjawzews Wohnung am Moskauer Stadtrand klingelte. Nach einigen Stunden in Polizeigewahrsam wurde sie wieder freigelassen. 

In einem online übertragenen Interview mit Sobol hatte sich Nawalny am Donnerstagabend noch optimistisch geäußert. "Ich bin absolut überzeugt, dass wir uns durchsetzen werden", sagte er in der Sendung von Sobol beim Online-Dienst Youtube. "Wenn das Leben es uns ein bisschen schwer macht, werden wir danach stärker sein."

Am Freitagmorgen wurde Sobol dann von der Polizei in ihrer Moskauer Wohnung festgenommen, die auch durchsucht wurde. Aufnahmen einer Überwachungskamera vor der Wohnung zeigten maskierte Männer in Uniform auf dem Treppenabsatz, bis diese die Linse zuklebten. Einer von ihnen trug eine Brechstange. 

Sobol hatte angekündigt, bei den Parlamentswahlen im kommenden Jahr antreten zu wollen. Die ehemalige Anwältin war im Sommer 2019 bekannt geworden, als ihr und mehreren anderen Oppositionspolitikern die Teilnahme an den Kommunalwahlen in Moskau verboten worden war. Die ausgeschlossenen Kandidaten organisierten daraufhin eine Reihe von Demonstrationen in der Hauptstadt. Sobol protestierte monatelang mit einem Hungerstreik.

ivi AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker