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Beschuss von Yongpyong So erpresst Nordkorea den Westen


Mit militärischen Provokationen will das kommunistische Regime die USA zu direkten Gesprächen zwingen. Der neue Zwischenfall ist der Höhepunkt dieser Politik.
Von Kai Beller

Der Beschuss der südkoreanischen Insel Yongpyong folgt einem bekannten Muster. Der kommunistische Norden provoziert Südkorea und dessen westliche Verbündete mit einer Attacke, um Stärke zu demonstrieren und Verhandlungen zu erzwingen. "Es ist der alte Trick", sagt Professor Zhu Feng von der Peking Universität. Mit einem "Big Bang" wolle Pjöngjang Gespräche in seinem Sinne beeinflussen.

Die USA bemühen sich zwar um eine Neuauflage der 2008 abgebrochenen Sechser-Gespräche über Nordkoreas Atomprogramm. Durch dauernde militärische Provokationen verhinderte das Regime bisher die Wiederaufnahme der Verhandlungen. Im vergangenen Jahr provozierte Pjöngjang die Nachbarländer und den Westen mit einem unterirdischen Atomwaffentest. Der Sprengsatz soll die Sprengkraft der Hiroshima-Bombe gehabt haben.

Verschärfte Sanktionen gegen Nordkorea

Im März folgte die Torpedierung des südkoreanischen Kriegsschiffes "Cheonan". Die USA machten den Norden für den Tod von 46 Marinesoldaten an Bord des Schiffs verantwortlich und verschärften die Sanktionen gegen das abgeschottete und verarmte Land. Einzig China stützt den Nachbarn, weil es den wirtschaftlichen Kollaps und eine Wiedervereinigung der beiden Koreas fürchtet.

Immer wieder setzt der Norden seine militärischen Mittel als Druckmittel ein. 1,2 Millionen Nordkoreaner sollen unter Waffen stehen. Mit den Übergriffen und Waffentests wollen die Machthaber zeigen, dass sie jederzeit in der Lage sind, die Region zu destabilisieren.

Eine Serie von Provokationen

Auch die Präsentation einer Anlage zur Urananreicherung passt in dieses Muster. Dem ärgsten Feind aus den USA wurden die nordkoreanischen Fähigkeiten bei einem Besuch der Anlage vor Augen geführt. US-Unterhändler Stephen Bosworth sprach von einem weiteren Schritt in einer Serie von Provokationen.

Die Machthaber wollen so die USA zu direkten Gesprächen über einen Friedensvertrag auf der Halbinsel bewegen. Doch bisher lässt sich Washington auf das Spiel nicht ein. "Auf der einen Seite spielt Nordkorea die Urananreicherungskarte, um die USA an den Verhandlungstisch zu bringen. Auf der anderen Seite will Nordkorea den Süden durch Spannungen im Gelben Meer drohen", sagte der Nordkorea-Experte Kim Keun-sik von der Kyungnam-Universität in Seoul.

Das isolierte Land will so Wirtschaftshilfe erzwingen. Denn darauf ist das Regime dringend angewiesen. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen sind fünf Millionen Nordkoreaner vom Hunger bedroht.

FTD

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