BESETZUNG Invasion mit einer Hand voll Soldaten


Rund ein Dutzend marokkanische Soldaten sind auf einer unbewohnten spanischen Insel gelandet und haben dort die Staatsflagge gehisst. Spanien hat gegen die Besetzung in scharfer Form protestiert.

Rund ein Dutzend marokkanische Soldaten haben vor der Küste des nordafrikanischen Landes eine kleine zu Spanien gehörende Felseninsel besetzt. Damit hat sich die seit Monaten schwelende Krise zwischen beiden Ländern verschärft. Wie der spanische Rundfunk am Freitag berichtete, bauten die marokkanischen Militärs auf der Perejil-Insel zwei Zelte auf und hissten die Flagge ihres Landes. Die Besatzung eines spanischen Patrouillen-Bootes sei an Land gegangen und habe die unverzügliche Räumung gefordert. Die Soldaten hätten sich jedoch geweigert, das Feld zu räumen, wie es weiter hieß. Die Spanier zogen sich daraufhin zurück.

Madrid legt Protest ein

Nach einem Krisentreffen zwischen Ministerpräsident José María Aznar und seinem Verteidigungsminister Federico Trillo sprach das spanische Außenministerium von einem schwerwiegenden Vorfall und legte in Rabat offiziell Protest ein. Die marokkanische Regierung entgegnete, sie betrachte die Insel als Teil ihres Territoriums. Die Militäreinheit sei dort im Rahmen einer Operation gegen den Terrorismus und die Schlepperbanden stationiert worden, die illegale Einwanderer über die Meerenge von Gibraltar schleusen.

Als Reaktion schickte Spanien zwei zusätzliche Patrouille-Boote der Marine in die Gewässer vor der Insel. Dort patrouilliert bereits ein Schiff der marokkanischen Marine. Die Besetzung sei möglicherweise die Antwort des nordafrikanischen Landes auf ein spanisches Militärmanöver, bei dem vergangene Woche fünf Kriegsschiffe vor einer kleinen Insel nahe des marokkanischen Hoheitsgebietes vor Anker gegangen waren, hieß es. Rabat hatte damals ebenfalls protestiert.

Von Spanien 1808 in Besitz genommen

Die seit den 70er Jahren unbewohnte Perejil-Insel (Petersilien- Insel) ist etwa so groß wie drei Fußballfelder und liegt rund elf Kilometer vor der Küste der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta. Früher hatte Spanien dort Soldaten stationiert. Nach Ansicht Marokkos gehört die Insel seit dem Ende des spanischen Protektorats 1956 zu seinem Territorium. Spanien hatte sie 1808 in Besitz genommen.

Die Beziehungen zwischen beiden Länder stecken seit Monaten in der Krise. Im Oktober vergangenen Jahres zog Rabat seinen Botschafter aus Madrid ab. Die marokkanische Regierung protestierte damit unter anderem gegen die Haltung Spaniens im Westsahara-Konflikt und die Behandlung marokkanischer Einwanderer in Spanien.


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