Blutbad in Beslan Misstrauen gegen Moskau


Der Kreml ist darum bemüht, dass Geiseldrama in Nordossetien mit dem internationalen Terrorismus in Verbindung zu bringen. Die Menschen in Beslan bezweifeln diese Version.

Nach dem Geiseldrama in Nordossetien will die russische Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Tatverdächtigen erheben. Der Fernsehsender Channel One zeigte am Sonntagabend Bilder des Mannes, der nach Angaben des stellvertretenden Generalstaatsanwalts Sergej Fridinski an dem Überfall auf die Schule in Beslan beteiligt war. Der Verdächtige gebe den Ermittlern nützliche Hinweise. Die Zahl der Opfer war auch zwei Tage nach dem blutigen Ende der Tragödie noch unklar: Rund 180 Menschen wurden nach Behördenangaben noch vermisst.

Die Angaben zur Zahl der getöteten Geiseln schwankten zwischen 324 und mindestens 340. Außerdem seien bei der Erstürmung der besetzten Schule durch russische Sondereinheiten mindestens 30 der insgesamt 32 Geiselnehmer getötet worden, sagte Fridinski der Nachrichtenagentur Interfax. Zur Identität des Festgenommenen wurde nichts mitgeteilt, außer dass er Russisch mit einem ausländischen Akzent spreche.

Zweifel an Behördenangaben

Einwohner von Beslan äußerten unterdessen Zweifel an Behördenangaben, wonach die Geiselnehmer zum Teil aus arabischen und afrikanischen Staaten stammten. Mehrere der befreiten Geiseln erklärten, sie hätten die Terroristen für Tschetschenen gehalten. Aslanbek Aslachanow, ein Berater von Präsident Wladimir Putin, hatte zuvor erklärt, die Gruppe sei "vollkommen international" gewesen.

Russische Medien berichteten am Montag unter Berufung auf die Aussagen eines Tatverdächtigen, unter den mehr als 30 Geiselnehmern sei es nach der Erstürmung des Schulgebäudes zu einem tödlichen Streit gekommen. Einige der Terroristen hätten von ihrem Anführer verlangt, die Kinder freizulassen. Daraufhin habe jener Anführer einen seiner Gefolgsleute erschossen und die Sprengstoffgürtel am Körper zweier so genannter Schwarzer Witwen ferngezündet. Insgesamt hielten die Terroristen nach offiziellen Angaben 1180 Menschen in ihrer Gewalt.

Die ersten Opfer werden beigesetzt

Für die Opfer wurde am Sonntag neben dem Friedhof von Beslan ein neues Gräberfeld angelegt. Unter lauten Klagen wurden die ersten Kinder bestattet, denen der erste Schultag am Mittwoch zum Verhängnis geworden war. Für Montag und Dienstag hat Präsident Wladimir Putin eine zweitägige Staatstrauer ausgerufen. Rund 380 Verletzte lagen am Sonntagabend in Beslan und Umgebung noch im Krankenhaus, darunter 184 Kinder. Fast jeder in der 30.000-Einwohner-Stadt kennt eine Familie oder hat selbst Angehörige, die von der Tragödie betroffen sind.

AP/DPA AP DPA

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