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London Boris allein zu Haus – seine Sorglosigkeit hat den britischen Premier eingeholt

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson
London wird zu einem weiteren Hotspot der Corona-Seuche. Boris Johnson unterschätzte das Virus. Nun wurde er infiziert und muss sich den Vorwurf gefallen lassen, in der Downing Street habe man elementare Schutzmaßnahmen missachtet.

Lange Zeit hat Boris Johnson in der Corona-Krise einen Schlingerkurs gefahren. Einschränkungen sollte es geben, aber nicht für jedermann. Pubs und Bars zu schließen, kam für Johnson nicht in Frage. Seine Berater setzten zunächst auf das – auch in Deutschland diskutierte Konzept - die Alten und besonders Schutzbedürftigen zu isolieren und eine kontrollierte Durchseuchung der Bevölkerung zuzulassen, um auf diese Weise eine Herdenimmunität zu erzielen.

Premier in Quarantäne

Als die Fallzahlen explodierten, kam die Umkehr. Für viele war das zu spät. Auch für Boris Johnson. Nun sitzt er in Selbstquarantäne in der Downing Street. Getrennt von seiner schwangeren Lebensgefährtin Carrie Symonds. In einer Videobotschaft gab sich Johnson betont locker und sagte: "Hallo Leute, ich möchte Sie über etwas informieren, das heute passiert, nämlich dass ich leichte Symptome des Coronavirus entwickelt habe, das heißt Fieber und anhaltenden Husten, und dass ich auf Anraten des Chefarztes einen Test gemacht habe.

Dieser ist positiv ausgefallen, sodass ich von zu Hause aus arbeite und mich selbst isoliere. Das ist völlig richtig, aber ich zweifle nicht daran, dass ich dank der Zauberei der modernen Technologie weiterhin mit meiner gesamten Spitzenmannschaft kommunizieren kann, um den nationalen Kampf gegen das Coronavirus anzuführen."

Kuscheliger Regierungssitz

Offenbar ist dem Premier seine eigene Sorglosigkeit zum Verhängnis geworden. Noch vor wenigen Wochen ließ er sich demonstrativ beim Händeschütteln mit Corona-Verdachtsfällen zeigen. "Schaut her, so schlimm ist es gar nicht" - das war die Botschaft. Doch so schlimm ist es. Wo sich der Premier angesteckt ist unbekannt, aber da auch weitere Mitglieder des Kabinetts erkrankt sind, wird vermutet, dass Downing Street die Virenaustausch-Zone war. Der traditionelle Regierungssitz des britischen Premiers ist weit kleiner als das Weiße Haus oder Putins Kreml. Downing Street wurde im 17. Jahrhundert errichtet und die Dimensionen sind mit den Aufgaben nicht mitgewachsen.

Posen auf der Treppe

Fotos zeigen, wie eng es dort zugeht. Sonst macht das den Charme der britischen Politik aus. Heute zeigt es, wie nonchalant Politiker ihre eigenen Empfehlungen missachten und keinen Sicherheitsabstand einhalten – etwa als Johnson und seine engsten Berater für ein Foto auf der Treppe posierten. Auch im Unterhaus wurden Boris Johnson und Gesundheitsminister Matt Hancock in nächster Nähe fotografiert. Beide sind positiv getestet worden, der leitende medizinische Berater, Prof. Chris Whitty, berichtete ebenfalls über Symptome und ging in die Selbstisolierung.

Beispiel wie man es nicht machen soll

Trotz der allgegenwärtigen "Kriegs"-Rhetorik nehmen Politiker die Bedrohung nicht ernst. Prof. Chris Whitty hat den Premier im Amtssitz persönlich beraten und untersucht. Höchstwahrscheinlich korrekt in Anzug mit Krawatte gekleidet - aber ohne jede Schutzausrüstung.

Anstatt ein gutes Beispiel im Kampf gegen das Virus zu geben, kann man am Krisenkabinett lernen, wie man es nicht machen kann. Dr. John Ashton, ein ehemaliger Regionaldirektor von Public Health England, sagte dem "Guardian": "Die Regierung war zu langsam, um darauf zu reagieren, und sie war als Einzelpersonen zu langsam. Das bestärkt die Ansicht, dass die Anfang der Woche getroffenen Sperrmaßnahmen schon früher hätten ergriffen werden müssen, und wirft Fragen über die Fähigkeit der Machthaber, einschließlich des Premierministers, sich selbst zu disziplinieren, auf. Sie alle hätten vorsichtiger sein müssen."

Quelle:Guardian


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