HOME

Brexit-Abstimmung: "Bleistift-Verschwörung"? Rechte Briten bringen Kugelschreiber mit

Plant die britische Regierung, das Wahlergebnis im wahrsten Sinne auszuradieren? Diese Vermutung haben vor allem Anhänger der rechten UKIP und fordern die Briten auf, statt des obligatorischen Bleistifts einen Kugelschreiber zu benutzen.

Von Niels Kruse

Brexit-Stimmzettel

Der Stimmzettel für das Referendum ist erfreulich übersichtlich gehalten. Doch die Tatsache, dass in den Wahlkabinen Bleistifte ausliegen, macht manch skeptischen Wähler noch skeptischer

Verschwörungstheorien verbreiten sich üblicherweise erst nachdem etwas passiert ist. Nicht so in Großbritannien. Noch während die Abstimmung über den Brexit läuft, machen Gerüchte die Runde, die Regierung und der Geheimdienst MI5 seien dabei, das Referendum in ihrem Sinne zu manipulieren. Konkret wird den Behörden unterstellt, sie würden unliebsame Stimmen (also die, die "Verlassen" angekreuzt haben) vor der Auszählung ändern. Entweder durch ungültig-machen der Stimmzettel oder durch pure Fälschung. Diese Annahme ist vor allem unter Anhängern der rechten UKIP verbreitet. Einer Umfrage zufolge glaubt ein Drittel ihrer Wähler, dass das Referendum auf diese Weise zugunsten des "Bleiben-Lagers" verfälscht wird.

Warnung vor dem Bleistift:

Nur ein Kuli bringt den Brexit

In den sozialen Medien rufen deshalb viele Briten dazu auf, seinen eigenen Kugelschreiber mit ins Wahlkokal zu nehmen, um die Manipulation zu verhindern. An einigen Wahllokalen haben die Verschwörungsaktivisten sogar Schilder mit den Worten "Nutzt einen Kugelschreiber zum Wählen" aufgestellt. Andere "besorgte Bürger" raten ihren Landsleuten dazu, den Stift besonders fest ins Papier zu drücken, so dass der ursprüngliche Wählerwille auch dann noch erkennbar ist, wenn das Kreuz ausradiert werden sollte.

Laut des "Independent" ist es völlig legal, seine eigenen Stifte mit ins Wahllokal zu nehmen und mit ihnen die Stimmzettel auszufüllen. Das britische Blatt zitiert einen Sprecher der Wahlkommission mit den Worten: "Wir stellen wie immer Bleistifte zur Verfügung, aber wenn die Leute andere Stifte benutzen wollen, ist das in Ordnung. Sie müssen nicht einmal ein Kreuz machen, ein Haken würde auch zählen." Auf Twitter jedoch beschweren sich einige Wähler darüber, dass ihnen die Benutzung von Kuli untersagt werde. Andere wiederum posten einen Edding, um klar zu machen, dass mit diesem Stift das "Brexit-Kreuz" ganz sicher nicht ausradiert werden kann. 

"Polizei wegen geliehenden Kuli gerufen"

Der Edding - die ganz sichere Variante

Krieg zwischen Volk und Konzernen?