Britische Regionalwahlen Wähler strafen Labour ab


Tony Blairs Labour-Partei hat bei den Regionalwahlen schwere Verluste hinnehmen müssen. Besonders schmerzlich: An die Tories verloren ging auch der Wahlkreis von Blairs designiertem Nachfolger Gordon Brown.

Die Labour-Partei von Premierminister Tony Blair ist bei den Regionalwahlen in Großbritannien abgestraft worden. Trotz schwerer Verluste für Labour in Schottland, Wales und Teilen Englands sah Blair am Freitag jedoch die konservative Opposition als eigentlichen Verlierer, obwohl diese vor allem in England kräftig zulegte.

In der ehemaligen Labour-Hochburg Schottland musste Blairs Partei nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen die Mehrheit im Parlament an die Nationalpartei SNP abgeben. Die SNP hat nun im Regionalparlament in Edinburgh 47 Sitze, Labour 46 Sitze. Die SNP tritt für eine Abspaltung Schottlands vom Vereinigten Königreich ein. Labour hatte in den vergangenen 50 Jahren alle Wahlen in Schottland gewonnen. Kommentatoren sprachen von einem historischen Sieg der SNP.

Opposition gewinnt zahlreiche Mandate

In Wales blieb Labour zwar stärkste Partei und könnte an der Macht bleiben, verlor aber Sitze. In England gingen zahlreiche Mandate in Stadt- und Kreisräten, die bislang von Labour gehalten wurden, an die konservative Opposition von Tory-Chef David Cameron. Insgesamt waren rund 39 Millionen Briten zur Wahl aufgerufen.

Die Wahl sei "ein perfektes Sprungbrett" für die nächsten allgemeinen Wahlen, erklärte Blair dennoch. Diese werden nicht vor 2009 erwartet. Der Urnengang galt als großer Stimmungstest für die regierende Labour-Partei nach Blairs zehnjähriger Amtszeit.

Brown verliert in seinem Wahlkreis

Die Labour-Partei hatte im Vorfeld mit noch schwereren Verlusten gerechnet. "Die Leute dachten, es wird eine große Schlappe, aber es hat sich nicht als solche herausgestellt", sagte Blair. Die Konservativen und die Liberaldemokraten hätten "einen fürchterlichen Satz von Ergebnissen" eingefahren. Der Opposition sei nicht der Durchbruch gelungen, den sie sich erhofft habe.

Blair will kommende Woche eine Erklärung über den Termin seines Rücktritts als Premier machen. Als sein Nachfolger gilt Schatzkanzler Gordon Brown. Für den neuen Vorsitzenden der Konservativen Partei, David Cameron, erwiesen sich die Regionalwahlen nach Einschätzung von Beobachtern als Bestätigung seines Modernisierungskurses bei den Tories. Cameron sprach von "atemberaubenden" Ergebnissen und einem "richtigen Durchbruch" für seine Partei.

Besonders schmerzlich für Labour war der Verlust des Wahlkreises Central Fife in Schottland, dem Wahlkreis von Gordon Brown. Dieser sagte: "Nachdem Labour vor einer Woche noch abgeschrieben wurde, hat die Partei zurückgeschlagen." Der SNP-Vorsitzende Alex Salmond sagte, Labour habe kein Recht mehr, in Schottland zu regieren, es wehe ein "frischer Wind".

Unmut über Blairs Haltung zum Irak-Krieg

Bei der Auszählung in Schottland kam es zu erheblichen Problemen: Bis zu 100.000 Stimmzettel könnten durch eine technische Panne, Verwirrung beim Ausfüllen der Wahlzettel und Probleme bei der Briefwahl ungültig sein, berichtete die BBC. Es wurde eine unabhängige Untersuchung eingeleitet.

Kommentatoren machten für den Unmut der Briten die Unterstützung Blairs für US-Präsident George W. Bush im Irak-Krieg sowie einen allgemeinen Überdruss mit seiner Amtsführung verantwortlich.

Dass Blair die politische Bühne in diesem Jahr verlässt, hatte der Premier schon im vergangenen September angekündigt. Allgemein wird damit gerechnet, dass Blair nach den Gipfelkonferenzen der EU und der G8-Staaten im Juni die Amtsgeschäfte an Brown übergibt. Spekulationen über Blairs Zukunft rankten sich am Freitag um einen Job bei der Europäischen Union oder um einen möglichen Botschafter-Posten in Afrika oder im Mittleren Osten, berichteten Medien.

DPA DPA

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