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Krieg in der Ukraine Britischer Kriegsgefangener spricht über grausame Folter und bereut, sich ergeben zu haben

Bilder des Austausches
Bilder des Austausches
© SECURITY SERVICE OF UKRAINE / AFP
Einer der im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassenen Briten sagt, er hätte sich gewünscht, bis zuletzt zu kämpfen, anstatt sich zu ergeben und dann gefoltert zu werden.

Unter den Gefangenen, die durch einen Austausch in der letzten Woche freikamen, befanden sich auch fünf Briten, die an der Seiten der Ukrainer in Mariupol kämpften und bis zuletzt im Asow-Stahlwerk Widerstand leisteten. Alle drei sehen sehr mitgenommen aus, sie sind grau geworden, die Gesichter eingefallen, die Körper abgemagert. Inzwischen sind sie in Großbritannien angekommen. Einer von ihnen hat über die brutale Folter gesprochen, die sie erdulden mussten. John Harding sagte, Soldaten seien auf seinen Körper gesprungen und hätten ihm seine Rippen gebrochen. Er habe Blut von seinen inneren Verletzungen im Urin gehabt. Im Nachhinein bereut er, dass er sich damals ergeben hat. "Wenn ich vorher gewusst hätte, wie sie uns behandeln werden, wäre ich geblieben und hätte ein Scharfschützennest eingerichtet und versucht, ein paar von ihnen auszuschalten, bevor ich selbst getötet werde", sagte er der "Sun".

Vermittlung von  Roman Abramovich

Harding wurde am Mittwoch mit seinen Landsleuten Shaun Pinner, Aiden Aslin, Dylan Healy und Andrew Hill im Rahmen eines Abkommens freigelassen, das von Roman Abramowitsch, dem ehemaligen Besitzer des Chelsea Football Club, mit ausgehandelt wurde. Sie sollen alle in der Georgischen Legion, einer Freiwilligeneinheit, in Mariupol gekämpft haben.

Harding saß nach eigenen Angaben in drei verschiedenen Gefängnissen in der selbst ernannten Volksrepublik Donezk, darunter auch in dem berüchtigten Lager, das als die "The Dark Side" bekannt ist. Die Separatisten sahen die Ausländer nicht als Kriegsgefangene, sondern als Söldner und bedrohten sie mit der Todesstrafe. Der schlimmste Moment der Gefangenschaft sei gewesen, als russische Soldaten ihm einen Sack über den Kopf gestülpt und ihm die Hände auf den Rücken gefesselt hätten. Dann sprangen sie auf ihn, schlugen und traten ihn über eine halbe Stunde lang, brachen ihm die meisten Rippen. "Ich dachte: 'Ich wünschte nur, sie würden mich jetzt verdammt noch mal töten'", so Harding. "Das war der schlimmste Moment – die Art, wie sie uns behandelt haben, war entsetzlich."

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Austausch über Saudi-Arabien

Am Mittwoch wurden die Gefangenen von Beamten aus Saudi-Arabien auf einem russischen Flughafen in Empfang genommen. Unter den 200 ausgetauschten Kämpfern befanden sich insgesamt zehn Ausländer, darunter die Briten, zwei US-Militärveteranen sowie ein Marokkaner, ein Schwede und ein Kroate.

Die Assistentin von Abramowitsch hat die Rolle des Oligarchen gegenüber Harding erklärt. "Sie sagte, Roman habe eine Schlüsselrolle dabei gespielt, um uns zurückzuholen. Es ist erstaunlich, dass er daran beteiligt war – ich wäre nicht einmal in der Lage gewesen, ihn zu erkennen, wenn ich ihn gesehen hätte. Er wird von den Ukrainern sehr respektiert und jetzt auch von uns – er hat verdammt viel für uns getan und wir können ihm nicht genug danken."

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