Bundeswehr in Afghanistan Wieder brennen Tanklaster in Kundus


Der Himmel über Kundus leuchtet die ganze Nacht über orange, drei Tanklaster stehen in Flammen. Schnell machen Anschlagsgerüchte die Runde. Doch nach und nach stellt sich raus, dass den afghanischen Fahrern ein Missgeschick passiert ist.
Von Christoph Reuter, Kundus

Kilometerweit war am Samstagabend der gigantische Feuerball über Kundus zu sehen, die ganze Nacht lang war der Himmel über der nordafghanischen Stadt orange erleuchtet. Drei mutmaßlich voll beladene Tanklastzüge brannten, und sofort machten wildeste Gerüchte die Runde: Taliban hätten, aus Rache für das Bombardement zweier von ihnen entführter Tanklaster Anfang September, den Konvoi mit schweren Waffen angegriffen und in Brand gesetzt. Ein ganzer Straßenzug stehe in Flammen. Es habe Dutzende von Opfern gegeben. Hilfsorganisationen hielten Fahrten nach Kundus zurück, versuchten zu erfahren, was genau geschehen war.

Die "rollenden Bomben", von denen der damalige Verteidigungsminister Franz-Josef Jung sprach - sie schienen Wirklichkeit geworden. Aus dem Bundeswehrlager auf einem Hügel am Rande der Stadt rückten Feuerwehrleute aus, die sich - genauso wenig wie die afghanische Polizei - dem riesigen Feuer kaum nähern konnten. Doch von den Taliban, die sich sonst sofort zu ihren Anschlägen bekennen, war nichts zu hören. Auch Verletzte oder Tote hatte es nicht gegeben, in den Krankenhäusern und bei der Polizei wusste man jedenfalls nichts von Opfern.

Es waren die geschockten Fahrer selbst, ganz normale afghanische Lkw-Fahrer, die nach und nach den wirklichen Verlauf des Dramas erzählten: Danach seien sie auf dem Weg gewesen von Tadschikistan nach Wardak, Kabuls südliche Nachbarprovinz, um Benzin zu einer dortigen US-Basis zu bringen. Es war spät geworden, so hatten sie beschlossen, sicherheitshalber die Nacht in Kundus zu verbringen. Sie stellten ihre drei Tanklaster neben das dortige Sportstadion auf dem weitläufigen Gelände der ehemaligen Spinzar-Baumwollspinnerei - und begannen, ihr Abendessen zu zubereiten.

Stichflamme setzt Tanklaster in Brand

Doch der dazu benutzte Gaskocher war offensichtlich nicht ganz funktionsfähig. Eine Stichflamme sei hochgeschossen, und irgendwie habe sich der erste Tanklastwagen entzündet. Sie hätten gerade noch weglaufen können.

Rasch fingen alle drei Lastzüge Feuer, über Stunden stand die Flammenwand über der Stadt. Die Fahrer hatten Glück im Unglück, weil sie abseits von besiedeltem Gelände geparkt hatten. "So haben wir das Feuer kontrolliert brennen lassen", sagt ein Sprecher der Bundeswehr in Kundus: "Mehr hätten wir eh nicht tun können."


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