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Bundeswehreinsatz im Kongo: Treffen deutsche Kämpfer auf Kindersoldaten?

Beim Einsatz von Bundeswehrsoldaten im Kongo gibt es noch viele offene Fragen. Ein Reizthema ist die Frage, ob deutsche Kämpfer von Kindersoldaten bedroht werden könnten und dann gezwungen wären, auf diese zu schießen.

Der Begriff "Kindersoldaten" ist in Deutschland Reizwort in der Debatte über den Bundeswehreinsatz im Kongo. Verkannt wird dabei häufig die Realität in dem zentralafrikanischen Land mit seinen 2,3 Millionen Quadratkilometern (Bundesrepublik: 357 000 Quadratkilometer). Die Frage, ob deutsche Soldaten möglicherweise von Kindersoldaten bedroht werden könnten und dann gezwungen wären, auf diese zu schießen, scheint für den Einsatz in der Hauptstadt Kinshasa sehr theoretisch. Militärische Gruppen, die Kinder rekrutieren, gibt es vor allem im Osten des Landes.

In den rohstoffreichen Provinzen Ituri, Kivu und Katanga sind ungeachtet des Friedensabkommens noch immer Milizen aktiv und terrorisieren die Bevölkerung. Nach Ansicht von Experten haben die Politiker im fernen Kinshasa wenig Interesse, die Lage zu befrieden, da sich illegale Rohstoffgeschäfte im Chaos besser abwickeln lassen.

18.000 Kindersoldaten bereits entwaffnet

Zwar haben in den vergangenen zwei Jahren mehr als 18.000 Kindersoldaten ihre Waffen abgegeben, doch nach einem kürzlich veröffentlichten UN-Bericht werden weiterhin viele Kinder als Kämpfer oder Lastenträger missbraucht. Ihre Zahl kennt niemand, aber fest steht, dass nicht nur die Milizen, sondern auch die kongolesische Armee Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in ihren Reihen haben.

Gefahr der Zwangsrekrutierung

Wenn Kinderkämpfer aus dem Busch herauskommen und ihre Waffe abgeben, sind sie noch längst nicht außer Gefahr. "Da es nur wenige Programme zur Wiedereingliederung gibt, sind die Kinder häufig weiterhin Schikanen ausgesetzt", heißt es in dem UN-Bericht. "Sie laufen Gefahr, erneut zwangsrekrutiert zu werden, oder ihre früheren Anführer erpressen Geld von ihnen."

Traumatisierte Kinder ohne Bildung

Viele ehemalige Kindersoldaten besitzen kaum Schulbildung und sind von ihren Erlebnissen traumatisiert. Therapieangebote gibt es viel zu wenig. Die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) betreut in Kindu, im Osten des Landes ehemalige Kindersoldaten und ermöglicht ihnen eine handwerkliche Ausbildung, damit sie im zivilen Leben Fuß fassen können.

In Kinshasa, wo die Bundeswehr helfen soll, die für den 30. Juli geplanten Wahlen abzusichern, könnten den deutschen Soldaten dennoch unangenehme Begegnungen mit Kindern bevorstehen. In der kongolesischen Metropole leben mindestens 20 000 Straßenkinder, die zum Teil durch aggressives Betteln überleben. Die meisten von ihnen wurden von ihren Familien verstoßen, weil Sektenprediger ihnen einredeten, dass die Kinder von bösen Geistern besessen seien.

Mädchen bieten Sex für zwei Dollar an

Viele Kinder sind in hierarchisch geführten Banden organisiert und neigen schnell zur Gewalt. Manche lungern an Straßenkreuzungen herum und versuchen, den Autofahrern Tüten mit Trinkwasser oder Telefonkarten zu verkaufen. Nachts sammeln sich viele vor den Clubs und Restaurants, die von UN-Soldaten und weißen Geschäftsleuten besucht werden und drängen sich als Parkwächter auf. Viele minderjährige Mädchen bieten Sex für zwei, drei Dollar oder Lebensmittel.

UN-Generalsekretär Kofi Annans Appell, alle Kinder aus den bewaffneten Gruppen zu entlassen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, verhallte bislang ergebnislos. Es wird die Aufgabe der neuen kongolesischen Regierung sein, sich dieses Problems anzunehmen.

Ulrike Koltermann/DPA / DPA