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Anfang der Corona-Pandemie Medien veröffentlichen Fauci-Mails – und zeigen Corona-Chaos unter Trump

Ein weißhaariger weißer Mann im Anzug biegt mit der rechten Hand ein kleines schwarzes Mikro beim Sprechen an sein Gesicht
US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci erhielt zu Beginn der Corona-Pandemie in den USA rund 1000 Mails pro Tag
© Jim Lo Scalzo/Pool / AFP
US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci stand am Anfang der Corona-Pandemie schlagartig im Licht der Öffentlichkeit. Nun haben US-Medien seine Mails aus dem Frühjahr 2020 veröffentlicht. Sie geben Einblick in das Chaos unter US-Präsident Trump und den Druck, unter dem Fauci stand.

E-Mails vom US-Gesundheitsexperten Anthony Fauci aus den Anfangsmonaten der Corona-Pandemie sind nun in US-Medien veröffentlicht worden. Die Korrespondenz bietet einen Einblick in die Arbeit des 80-jährigen Immunologen, der zu Amerikas Gesicht im Kampf gegen Corona geworden ist. Der Schriftverkehr, der am Dienstag (Ortszeit) von der "Washington Post" und dem Onlinemedium Buzzfeed veröffentlicht wurde, zeigt unter anderem, wie chaotisch es in der ersten Phase der Krise unter dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump zuging.

Fauci sei täglich mit teils 1000 Nachrichten von Kollegen, ausländischen Regierungen, Reportern, Prominenten und Privatmenschen überschwemmt worden. Sie schrieben, um seinen Rat oder seine Hilfe zu erbitten oder um ihn einfach zu ermutigen.

Auch mit dem chinesischen Gesundheitsexperten George Gao habe Fauci trotz Spannungen zwischen den beiden Ländern in Kontakt gestanden. Gao schrieb Fauci laut "Washington Post" auch: "Ich habe einige Nachrichten gesehen (ich hoffe, sie sind Fake), dass Sie von einigen Leuten angegriffen werden. Hoffe, Ihnen geht es gut unter einer solchen irrationalen Situation". Gao schrieb am 8. April. Drei Tage später soll Fauci ihm geantwortet haben: "Vielen Dank für Ihre freundliche Nachricht. Alles ist gut, trotz einiger verrückter Menschen in dieser Welt." In den Mails tauchten außerdem prominente Namen wie Bill Gates und Mark Zuckerberg auf.

Jeder wollte ein Stück Anthony Fauci

"In den frühen Tagen der Pandemie, so scheint es, wollte jeder ein Stück Fauci", schrieb die "Washington Post". Der renommierte Experte für Infektionskrankheiten habe versucht, viele Anfragen selbst zu beantworten, manchmal weit nach Mitternacht. Er kommunizierte "höflich, zurückhaltend und einfühlsam" und habe stets mit einem schlichten "Tony" unterzeichnet, schrieb Buzzfeed.

Direkte Kritik an Trump gehe aus den freigegebenen Mails nicht hervor. Mit seinen ungeschminkten Einschätzungen zur Pandemie hatte Fauci immer wieder Trumps Unmut auf sich gezogen. "Washington Post" und Buzzfeed konnten sich auf Grundlage eines seit Jahrzehnten geltenden Gesetzes zur Informationsfreiheit Zugang verschaffen. Es sei nicht das gesamte angeforderte Material freigegeben worden, schrieb Buzzfeed. Einige Stellen seien geschwärzt.

Vor einer US-Flagge sitzt ein weißhaariger Mann im Anzug und lächelt

Im Laufe der Pandemie hatte Fauci, der gerade den siebten US-Präsidenten berät, selbst Berühmtheit erlangt. Für viele Amerikaner gilt er als Stimme der Vernunft. Der Hype um ihn selbst scheint Fauci jedenfalls nicht ganz geheuer zu sein. "Wahrlich surrealistisch. Hoffentlich hört das alles bald auf", habe Fauci in einer der Mails dazu geschrieben. "Es ist ganz und gar nicht angenehm, das ist sicher", hieß es weiter.

Weitere Quellen:"Washington Post", "Buzzfeed News", "The Guardian", Freedom of Information Act.

tkr DPA

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