VG-Wort Pixel

Corona-Pandemie Österreich lockert Lockdown – und warnt vor Reisen nach Tirol

Corona-Pandemie: Österreich lockert Lockdown – und warnt vor Reisen nach Tirol
Mehr
In Tirol sollen fast 300 Fälle der südafrikanischen Corona-Variante aufgetaucht sein – während Österreich an diesem Montag seine Maßnahmen wieder lockert. Für Tirol allerdings erließ Wien am Mittag eine Reisewarnung.

Die Südafrika-Variante des Coronavirus stürzt Tirol in Sorge. Bis zu 300 Fälle der B.1.351-Mutante sollen laut dem Virologen Andreas Bergthaler in dem österreichischen Bundesland  bislang aufgetaucht sein – weswegen die Behörden bis in die späten Stunden des Sonntags über eine Isolation einiger besonders betroffener Gebiete diskutiert haben. Ohne Einigung. Statt also die Maßnahmen zu verschärfen, greift das Land zum Gegenteil und lockert den Lockdown nun.

Im Einzelnen heißt das: Ab diesem Montag können Geschäfte wieder öffnen. Auch Kinder und Jugendliche dürfen – teilweise im Schichtbetrieb und mit regelmäßigen Coronatests – wieder in die Schule in den Präsenzunterricht gehen. Friseure können Kunden wieder die Haare schneiden. Dabei gelten aber verschärfte Hygienemaßnahmen: Das Tragen einer besonders schützenden FFP2-Maske wird nahezu überall Pflicht.

Kostenlose Testoffensive in Österreich

Für den Besuch eines körpernahen Dienstleisters, wie etwa Masseure oder Friseure, ist künftig auch ein negativer Corona-Test nötig. Das Ergebnis darf nicht älter als 48 Stunden sein. Dafür wurde das Angebot für kostenlose Testungen auf fast 1000 Stationen ausgebaut. In Betrieben gibt es eine breite Testoffensive. Bis Ende Februar sollen zudem Gratistests in Apotheken im ganzen Land verfügbar sein. Dies würde vor allem der älteren Bevölkerung helfen, die weniger mobil ist, und das Angebot auf dem Land ausbauen.

Museen können nun ebenfalls wieder besucht werden. Die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen bleiben bestehen. Wann die Hotellerie und die Gastronomie wieder aufsperren darf, blieb unklar. Keinesfalls vor März, teilte die Regierung mit.

Die Zahlen der durchschnittlichen täglichen Neuansteckungen in Österreich stagnierten zuletzt trotz Lockdowns. Am Sonntag wurden 1317 Neuinfektionen vermeldet. Die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz lag bei 107 pro 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: der deutsche Wert beträgt 76,0.

Neuer Lockdown nicht ausgeschlossen

Bundeskanzler Sebastian Kurz nannte im Januar als Zielwert, dass es mit Ende des Lockdowns nur noch 600 bis 700 Neuinfektionen pro Tag geben dürfe – eine Inzidenz von etwa 50. Diese Werte wurden nie erreicht. Gesundheitsminister Rudolf Anschober hoffte, dass es keinen weiteren Lockdown brauche. "Aber ausschließen kann das auf dieser Welt niemand", sagte er der "Kronen Zeitung". Seit Beginn der Pandemie sind in Österreich mit seinen knapp neun Millionen Einwohnern mehr als 8000 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben.

Das Bundesland Tirol bleibt ein Sonderfall. Die Virologin Dorothee von Laer von der Medizinischen Universität Innsbruck hatte gefordert, über die besonders betroffenen Gebiete zwischen Innsbruck und der deutschen Grenze eine Quarantäne zu verhängen. Besonders betroffen ist der Bezirk Schwaz und Umgebung. Aber offenbar drängten viele Vertreter des politischen Tirols mit größter Vehemenz gegen eine mögliche Isolierung der Gebiete. Tirols Regierungschef Günther Platter hatte die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen angemahnt und sich vehement gegen Verschärfungen ausgesprochen.

Am Montagmittag reagierte die Bundesregierung in Wien. Für das Bundesland gelte aufgrund der als brisant eingeschätzten Corona-Lage eine Reisewarnung. Alle nicht notwendigen Reisen nach Tirol sollen laut Appell unterlassen werden. Zudem fordert die Regierung alle Urlauber, die sich in den vergangenen zwei Wochen in Tirol aufgehalten haben, zu einem Corona-Test auf. Reisende aus Tirol sollen sich vor der Fahrt in ein anderes Bundesland ebenfalls testen lassen. Das Auswärtige Amt in Berlin warnte bereits zuvor vor allen nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Österreich.

Grenzkontrollen als Wellenbrecher

Bereits im Frühjahr 2020 gab es Einschränkungen für alle 279 Tiroler Gemeinden. Ischgl galt im März 2020 als Corona-Hotspot Europas. Tausende Infektionen sollen auf den bekannten Wintersportort zurückzuführen sein. Eine unabhängige Kommission hat zwischenzeitlich festgestellt, dass es im Krisenmanagement zu Fehlern und Fehleinschätzungen gekommen war. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Statt Isolation werden aber Grenzkontrollen zu Deutschland und den weiteren Nachbarländern massiv verschärft. So sollen alle nicht notwendigen Reisen in der Pandemie verhindert werden. "Die Grenzkontrollen dienen als Wellenbrecher für Infektionsketten, die gerade durch neue Virusmutationen immer gefährlicher werden", sagte Innenminister Karl Nehammer.

Jeder Reisende muss künftig beim Grenzübertritt einen negativen Coronatest vorlegen. Ausnahmen gibt es nicht mehr. Auch sei eine zehntägige Quarantäne einzuhalten. Pendler müssen sich – wie andere Einreisende auch – nun online registrieren und einmal pro Woche einen negativen Coronatest vorzeigen. Um mögliche Grenzübertritte von Touristen zu verhindern, kündigten die Behörden zudem verstärkte Kontrollen in Skigebieten an.

In Südtirol, das zwar in Italien liegt, aber mit dem nördlichen Teil in Österreich im engen Austausch steht, wird der Lockdown wieder einmal drastisch verschärft – im Gegensatz zu anderen Teilen Italiens. So erlaubt das Land wieder Skitourismus in den sogenannten Gelben Risikozonen: In diesen Gebieten (darunter Venetien und das Trentino) mit moderatem Corona-Risiko ist der Wintersport ab dem 15. Februar erlaubt, in Roten und Orangen Zonen dagegen stehen die Lifte weiter still.

Südtirol gilt als Orange Zone

In der Autonomen Provinz Südtirol-Bozen, von Rom als Orange Zone eingestuft, gelten nach einem Erlass der Landesregierung ab dem 8. Februar für drei Wochen wieder verschärfte Corona-Beschränkungen. Die Menschen dürfen ihre Gemeinden dann nur noch für die Arbeit oder für andere dringende Dinge verlassen. Bars und Restaurants bleiben weiter geschlossen, Touristen dürfen nicht beherbergt werden. Südtirol fährt seit langem einen von Rom oft abweichenden Sonderkurs bei den Corona-Regeln. Die Landesregierung begründete ihre Maßnahmen damit, dass die Infektionszahlen "nicht gesunken" seien. "Zudem wurde nun das Auftreten einer Corona-Mutation bestätigt", wie es hieß.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde nach seiner Erstveröffentlichung aktualisiert (Reisewarnung für Tirol).

Quellen: DPA, AFP, "Der Standard", OE24, Andreas Bergthaler auf Twitter

nik / wue

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker