HOME

Dalai Lama: US-Ehrung verärgert Chinesen

Der US-Kongress plant, dem Dalai Lama eine Ehrenmedaille zu überreichen. Die geplante Ehrung verärgert die chinesische Regierung, die scharfe Kritik übt und mit "sehr schweren" Konsequenzen droht.

China hat die geplante Ehrung des Dalai Lama in den USA scharf kritisiert und ernste Konsequenzen angedroht. "Wir sind wütend", sagte der Chef der Kommunistischen Partei in Tibet, Zhang Qingli. Es wäre falsch und ungerecht, wenn das geistliche Oberhaupt der Tibeter im US-Kongress eine Ehrenmedaille überreicht bekommen sollte. Der chinesische Außenminister Yang Jiechi rief die US-Regierung auf, die "extrem falschen" Pläne für den Empfang des Dalai Lamas aufzugeben. Sollte der Exil-Tibeter dennoch die hohe Auszeichnung erhalten, würde dies die Beziehungen zwischen China und den USA "sehr schwer" belasten, erklärte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking. Es verletze "die Gefühle der Chinesen", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Liu Jianchao. "Wir fordern die USA ausdrücklich dazu auf, den Fehler zu korrigieren, die betreffenden Arrangements abzusagen und sich nicht mehr in die internen Angelegenheiten Chinas einzumischen."

Bush empfängt den Dalai Lama in Privaträumen

Offenbar als Reaktion auf die Ehrung des früheren tibetischen Unabhängigkeitskämpfers ließ die Regierung in Peking bereits ein Treffen von UN-Sicherheitsratsmitgliedern in Berlin platzen. Aus dem US-Außenministerium verlautete, das asiatische Land habe seine Teilnahme an den geplanten Gesprächen über das weitere Vorgehen im Atomstreit mit dem Iran abgesagt. Das Treffen von ranghohen Vertretern Chinas, Russlands, Frankreichs, Großbritanniens und der USA könnte nun erst möglicherweise kommende Woche stattfinden. Der chinesische Außenamtssprecher bestätigte die Absage und verwies auf "technische Gründe".

Auch US-Präsident George W. Bush will den Dalai Lama treffen, der als Symbolfigur des tibetischen Widerstands gegen die Besetzung seiner Heimat gilt. Allerdings werde er ihn nicht im Oval Office des Weißen Hauses, sondern in den Privaträumen empfangen, sagte ein Sprecher in Washington. Zur Begründung hieß es, der Dalai Lama sei "kein staatlicher, sondern ein religiöser Führer".

China sagt Treffen zum iranischen Atomprogramm in Berlin ab

China, das die Himalaya-Region 1950 annektierte, betrachtet den Dalai Lama als Separatisten und kritisiert daher dessen Treffen mit ausländischen Politikern. Nach einem Besuch des Dalai Lama bei Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte China bereits den für Dezember geplanten Menschenrechtsdialog sowie andere Termine mit deutschen Vertretern abgesagt. Deutschland appellierte daraufhin an China, die ausgesetzten Gespräche über Menschenrechte wieder aufzunehmen. Wie der Pekinger Außenamtssprecher weiter sagte, hat China ein in Berlin geplantes ranghohes Beamtentreffen über das iranische Atomprogramm aus "technischen Gründen" abgesagt.

Reuters / Reuters