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Deserteure helfen syrischem General Vertrauter von Assad flieht in die Türkei


Assads Rückhalt in den eigenen Reihen scheint zu schwinden: Ein Mitglied des innersten Führungszirkels, Manaf Tlas, soll in die Türkei geflüchtet sein.

Syrische Deserteure sollen Kommandeur Manaf Tlas bei der Flucht in die Türkei geholfen haben. Das verlautete am Freitag aus Oppositionskreisen. Keine Bestätigung gab es zunächst für Berichte, wonach der frühere Vertraute von Präsident Baschar al Assad bereits am Morgen nach Frankreich geflogen sein soll. Aus Oppositionskreisen hieß es, der General sei erbost über die Entscheidung Assads gewesen, militärisch gegen die Rebellen vorzugehen.

In Paris findet an diesem Freitag ein Treffen der sogenannten Gruppe der "Freunde Syriens" statt. Tlas, der zu den wenigen Sunniten in der von Alawiten dominierten Militärführung gehörte, ist der Sohn des früheren Verteidigungsministers Mustafa Tlas.

Tlas galt als Freund von Assad und ist einer der wenigen sunnitischen Muslime in der von Allawiten dominierten Führungsschicht. Sollten sich die Berichte bestätigen, könnte dessen Flucht darauf hindeuten, dass der Rückhalt für den autokratisch regierenden Staatschef in den Reihen der wohlhabenden Sunniten schwindet. Diese haben Assad bislang in weiten Teilen unterstützt - oder nicht offen rebelliert. Der Vater und ein Bruder von Tlas haben Syrien nach Ausbruch der Revolte vor mehr als 16 Monaten bereits verlassen. Seitdem sind Tausende Syrer getötet worden.

Türkei bestätigt Einreise nicht

Vor seiner Flucht soll Tlas in seinem Haus im Damaszener Stadtteil Messe unter Hausarrest gestellt worden sein. Unter Experten gilt der Kommandeur einer Brigade der Republikanischen Garden als möglicher Kandidat für eine Führungsrolle nach einem Zusammenbruch des Assad-Regimes.

Auch die Exil-Opposition berichtete von der Flucht. "Das ist ein sehr entscheidender Treuebruch. Seine Brigade ist ihrem General sehr verbunden. Das wirkliche Überlaufen hat jetzt begonnen", sagte ein Assad-Gegner. Ein westlicher Diplomat, der Tlas in Damaskus kennengelernt hatte, ergänzte: "Das ist eine wichtige Nachricht, weil sie zeigt, dass der innere Kreis zerfällt." "Syriasteps" zitierte dagegen ein Mitglied der Sicherheitsbehörden, das den Abgang relativierte: "Das bedeutet rein gar nichts".

Die Republikanische Garde ist eine Elite-Einheit unter dem Kommando des berüchtigten Assad-Bruders Maher, der als einer der Drahtzieher des gewaltsamen Vorgehens gegen die Zivilbevölkerung gilt. Vom türkischen Außenministerium gab es am Freitag keine Bestätigung für eine Ein- oder Durchreise des Mannes. "Zumindest bis zur vergangenen Nacht ist kein Mann mit diesem Namen in die Türkei eingereist", sagte ein Sprecher des Ministeriums. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass Tlas unter anderem Namen über die Grenze gekommen sei.

kave/DPA/Reuters DPA Reuters

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