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Fox News, Breitbart, Infowars: Wie rechte US-Medien ihren Präsidenten Donald Trump stützen – mehr denn je

Den rechten Medien verdankt Donald Trump seinen Aufstieg zur Präsidentschaft. Nun, in Zeiten des Impeachments, braucht er ihre Unterstützung. Und sie dürften umso näher an Trump heranrücken, je heftiger die Attacken auf ihn werden.

Chefstratege von Donald Trump: Stephen Bannon: "Alles wird dekonstruiert"

Ein Jahr vor der nächsten Präsidentschaftswahl sind die USA schon fast wieder auf Wahlkampftemperatur. Als wäre Amtsinhaber Donald Trump nicht schon Provokation genug für viele Landsleute, verschärft er den Ton nach dem in die Wege geleiteten Amtsenthebungsverfahren noch einmal. Ausgleichende Töne sind eine Seltenheit – ein Fest für Scharfmacher, vor allem die von rechts. Der Erfolg Trumps beruht auch auf der Unterstützung durch die konservativen bis rechten Medien: Fox News, "Breitbart" (von dort stammt sein Ex-Berater Steve Bannon), Talkradios wie die "Rush-Limbaugh-Show". Erst wenn sie sich vom US-Präsidenten abwenden sollten, dürfte es eng für ihn werden. Doch danach sieht es nicht aus. Im Gegenteil.

Was tun sie angesichts des Drucks, der auf dem Weißen Haus lastet? Feuern aus allen Rohren gegen alles und jeden, der oder die nicht hinter Donald Trumps steht:

Beispiel Fox News

Screenshot Fox News

Screenshot von Fox News vom Dienstagnachmittag

stern

Mit Abstand erfolgreichster Newssender der USA, Trump-hörig bis zur Selbstverleugnung, auch wenn es zuletzt etwas geknirscht hat zwischen ihm und dem US-Präsidenten.

Sechs Geschichten über den Beginn des Amtsenthebungsverfahrens befanden sich am Dienstagnachmittag (gegen 17 Uhr) auf der Startseite des Senders. Darunter prominent ein Tweet Trumps mit allen Wahlkreisen auf einer (manipulierten) USA-Karte. Die deutlich größte Mehrheit ist rot eingefärbt, sprich, hat Trump gewählt. Darüber der Spruch: "Versucht hier einmal eine Amtsenthebung." Die Botschaft des Präsidenten ist klar: Wir sind die Mehrheit und gegen die gibt es kein Impeachment. Daneben wird ein Artikel angekündigt, in dem steht, dass Joe Biden und sein Sohn mit einem ukrainischen Gasunternehmer gesehen wurden – die Erzählung stützt das Trump-Lager, wonach Ex-Vize Biden, gleichsam "Auslöser" der "Ukraine-Affäre", den eigentlichen Skandal begangen habe.

Das (fast) gleiche Bild bei "Breitbart"

Screenshot Breitbart

Screenshot von "Breitbart.com" vom Dienstagnachmittag

stern

Eine sehr rechte Newsseite in den USA, die einst von Steven Bannon geleitet wurde. Der folgte Donald Trump zunächst ins Weiße Haus und versuchte zuletzt, die Geschicke der europäischen Rechtspopulisten zu lenken.

Auch "Breitbart" beginnt mit dem Foto von Vater und Sohn Biden und erklärt schon in der nächsten Überschrift, worum es geht: "Vize hatte abgestritten, jemals mit seinem Sohn über Geschäfte im Ausland geredet zu haben." Nun ist das Foto zwar kein Beweis dafür, dass er mit seinem Sohn über dessen Auslandsgeschäfte im Ausland gesprochen hat, aber die Botschaft ist klar: Der Böse in dem Spiel ist eigentlich der frühere Vize-Präsident, aber nicht Donald Trump. Passend dazu, prominent platziert, ein angedeutetes Zitat in denen die Schlagworte "Biden", "Abkassieren" und "Korruption" vorkommen.

Beim rechtsradikalen "Daily Caller" ...

Screenshot vom "Daily Caller"

Screenshot vom "Daily Caller" vom Dienstagnachmittag

stern

... findet sich die gleiche Geschichte. Die Seite wurde vom jetzigen Fox-News-Moderator Tucker Carlson gegründet und ist für ihre Falschnachrichten inklusive manipulierter Fotos und Videos berüchtigt.

"Infowars.com" von Alex Jones

Screenshot "Infowars.com"

Screenshot "Infowars.com" vom Dienstagnachmittag

stern

Jones, einer der bekanntesten, weil völlig ungeniert auftretenden, rechten Verschwörungstheoretiker, bezieht eindeutig Position: "Wie man gegen Trumps Amtsenthebung vorgeht." In der Show fordern die Moderatoren Alex Jones und Will Johnson kaum verblümt die Zuschauer auf, sich mit allen Mitteln gegen die drohenden "Staatsstreich" durch die "Linken" zu wehren. Dazu werden Bilder angekündigt, die angeblich zeigen, wie "die Antifa ältere Mitbürger angreift" und "Demokraten den Putsch planen". In einem kleinen Fenster nebenan sind Bilder von Ausschreitungen bei einer Demonstration zu sehen. Wer länger als zwei Minuten auf "Infowars" verbringt, bekommt den Eindruck, als sei in den Vereinigten Staaten der Bürgerkrieg längst ausgebrochen.

Rush Limbaugh

Screenshot Rush Limbaugh

Screenshot von Rush-Limbaugh.com vom Dienstagnachmittag

stern

Einen perfideren Angang wählt Rush Limbaugh, einer der bekanntesten Vertreter der Rechten und Moderator eines Talkradios. Diese Sendungen, oft mit sehr konservativer Ausrichtung, erfreuen sich vor allem in abgelegenen Gebieten der USA großer Beliebtheit.

Auf seiner Website meldet Limbaugh, dass Barack Obamas früherer Berater John Brennan, der mit einem gefälschten Pass in die Ukraine gereist sein soll, den "Deep State" anheize, um gegen Donald Trump auszupacken. Der sogenannte Deep State ist eine bei Rechten beliebte Verschwörungstheorie, derer sich selbst der US-Präsident bedient. Danach würden die USA von Geheimdiensten, Großunternehmen und ominösen Gruppen beherrscht – und Trump sei die einzig einflussreiche Person, die gegen diesen "verborgenen Staat" vorgehen könne.

Donald Trump fuhr mit ihnen im Lift hoch ...

Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Medien, die in dem Spektrum von neokonservativ über reaktionär bis rechtsextrem zählen, darunter auch durchaus seriöse wie die "Washington Times" oder der "Spectator USA". Letzteres übrigens ein Ableger des gleichnamigen britischen Blatts, bei dem der jetzige britische Premier Boris Johnson sechs Jahre tätig war. Und Donald Trump kann in der sehr parteiischen Presselandschaft auf ihre Unterstützung zählen.

In Deutschland gibt es für den Zusammenhang zwischen Erfolg und einer großen Boulevard-Zeitung den Spruch: "Wer mit der 'Bild' im Fahrstuhl hochfährt, fährt auch mit ihr herunter." In den USA ist Donald Trump mit den rechten Medien im Fahrstuhl hochgefahren, aber keiner von ihnen will wieder herunter. Deswegen werden sie und der US-Präsident umso näher einander rücken, je näher die Impeachment-Einschläge aus Richtung der Demokraten und Opposition kommen.