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Zwei Tote bei Protesten Die Todesschüsse von Kenosha: Was über den Vorfall und den mutmaßlichen Täter bekannt ist

Sehen Sie im Video: Tatverdächtiger nach tödlichen Schüssen in Kenosha verhaftet.




Nach den tödlichen Schüssen bei den Protesten gegen Polizeigewalt in Kenosha hat die Polizei einen 17-Jährigen verhaftet. Er soll am Mittwoch zwei Demonstranten erschossen und einen weiteren verletzt haben. Der genaue Tathergang werde derzeit ermittelt, teilten die Behörden mit. Videos in den sozialen Medien zeigten eine Schießerei zwischen Zivilisten. Dabei stürmen mehrere Menschen auf einen Mann mit einem Gewehr zu, der dann das Feuer eröffnet. Unterdessen hat US-Präsident Donald Trump nach den tagelangen Protesten die Nationalgarde nach Kenosha geschickt. In der Stadt kam es zu Ausschreitungen, nachdem ein Polizist am Sonntag dem 29-jährigen Jacob Blake mehrfach aus nächster Distanz in den Rücken geschossen hatte.
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Bei Protesten gegen Polizeigewalt in der US-Stadt Kenosha sind zwei Menschen erschossen worden. Mutmaßlicher Täter ist ein 17-jähriger Waffennarr. Videos deuten an, dass er sich möglicherweise verteidigt hat.

Stephen King ist im beruflichen Leben ein Meister der Spannung und im echten Leben ein Kritiker des US-Präsidenten. Auf Twitter stellt der Bestsellerautor nun einen Zusammenhang zwischen Donald Trumps Äußerungen und den tödlichen Schüssen eines 17-Jährigen auf zwei Demonstranten im US-Bundesstaat Wisconsin her. "Kyle R., der mutmaßliche Kenosha-Schütze, stand in der ersten Reihe einer Trump-Kundgebung in Des Moines. Wer will mir erzählen, dass Trumps hasserfüllte, spaltende Rhetorik nicht zu Gewalt in unseren Städten führen würde?", so King. Noch ist vieles unklar den Vorfall in der Stadt Kenosha und über den mutmaßlichen Täter, dennoch gibt es Hinweise, dass der Teenager ein Trump-Anhänger aus der eher rechten Ecke ist.

Der genaue Hergang des tödlichen Vorfalls ist noch unklar. Es gibt zahlreiche Videos, die die Auseinandersetzungen zeigen sollen, in deren Verlauf die Schüsse gefallen seien. Auf im Internet kursierenden Handymitschnitten ist zu sehen, wie Gruppen von jungen, teilweise bewaffneten Leuten vor einer Tankstelle aneinandergeraten. Angeblich soll Kyle R. dabei angegriffen worden sein. Später sind Schüsse zu hören. Vermutlich im Anschluss läuft ein Mann mit einem Gewehr im Arm vor Verfolgern weg, er geht zu Boden und wird angegriffen. Dann fallen aus nächster Nähe Schüsse.

Wollte ihn die Polizei nicht festnehmen? 

Auf den Mitschnitten ist zu sehen, wie ein junger Mann mit erhobenen Händen auf die nahen Polizeiautos zugeht und ein Auto an ihm vorbeifährt. R. wurde später festgenommen. Er soll wegen Mordes angeklagt werden, teilte die Polizei von Antioch im benachbarten Bundesstaat Illinois mit. Dort, etwa 30 Kilometer von Kenosha entfernt, lebt der 17-Jährige mit seiner Mutter und seine Geschwistern. In einer Anhörung solle über eine Auslieferung von Illinois in den Nachbarstaat nach Wisconsin entschieden werden.

Die Nacht zum Mittwoch war die dritte in Folge, in denen es in der Stadt Kenosha sowohl friedliche Demonstrationen als auch Ausschreitungen gegeben hat. Auslöser der Proteste war ein Vorfall am Sonntag, bei dem Polizisten dem 29-jährigen Afroamerikaner Jacob Blake in den Rücken geschossen hatten. Auf einem Video ist zu sehen, wie der Familienvater zu seinem Auto geht, gefolgt von zwei Polizisten mit gezückten Waffen. Eine der Waffen ist auf seinen Rücken gerichtet. Als Blake die Fahrertür öffnet und sich ins Auto beugt, fallen die Schüsse. Nach Angaben des Anwalts der Familie, Ben Crump, saßen in dem Auto Blakes Kinder im Alter von drei, fünf und acht Jahren.

R. wollte die Polizei unterstützen

Augenzeugenberichten zufolge waren neben der Polizei und der Nationalgarde auch bewaffnete Zivilisten auf der Straße, die nach eigenen Angaben Eigentum beschützen wollten. Zu der Gruppe hochgerüsteter Zivilisten hat offenbar auch Kyle R. gehört. US-Medien berichten, dass er in der Nacht zu Mittwoch die Polizei bei den "Black Lives Matter"-Demo unterstützen wollte. US-Reporter, die R.'s Social-Media-Profile in Augenschein genommen haben, schreiben, dass er offenbar gerne mit Waffen posiert und Donald Trump unterstützt habe. Zudem sei er Anhänger von "Blue Lives Matter", eine Bewegung für die Polizei. Anscheinend hat er von der Des-Moines-Kundgebung im Januar auch ein TikTok-Video aus der ersten Reihe gepostet. Das ist die Veranstaltung, auf die sich Stephen King in seinem Tweet bezieht.

Auf dem derzeit stattfindenden Parteitag der regierenden Republikaner wurde der Vorfall bislang nicht angesprochen. US-Vizepräsident Mike Pence beschwor in seiner Rede lediglich die "Law-and-Order"-Politik der US-Regierung. Die US-Seite Buzzfeed-News hat im Weißen Haus um ein Statement zu dem Vorfall gebeten. Die Antwort: "Präsident Trump hat wiederholt und nachdrücklich  jede Form von Gewalt verurteilt und ist entschlossen, alle Amerikaner vor Chaos und Gesetzlosigkeit zu beschützen. Dieses Individuum hat nichts mit unserem Wahlkampf zu tun. Wir unterstützen unsere fantastische Polizei dabei, den Fall schnell aufzuklären."

Quellen: "Daily Mail", DPA, AFP, Stephen King auf Twitter, "Buzzfeed-News", "The North-Star", "New York Times"


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