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Mary Trump zu Sturm aufs Kapitol Bei einer Anklage trifft der Zorn von Donald Trump wohl auch Ivanka, Donald Jr. und Eric

Donald Trump während einer Rallye
Donald Trump ist von den Anhörungen zum Sturm aufs Kapitol besessen, ist sich seine Nichte, die Psychologin Mary Trump, sicher. Für die Menschen in seiner direkten Umgebung dürfte das die Hölle sein.
© Patrick T. Fallon / AFP
Was machen die Anhörungen zum Sturm aufs Kapitol mit Donald Trump? Seine Nichte Mary glaubt, dass sie den Ex-Präsidenten psychisch stark belasten. Sollte er angeklagt werden, werde er allen anderen die Schuld geben außer sich selbst.

Mary Trump ist in diesen Tagen eine gefragte Gesprächspartnerin in den US-Medien. Unablässig werden durch den parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 neue, teils schwere Vorwürfe gegen ihren Onkel Donald Trump bekannt. Eine Anklage des Ex-Präsidenten scheint näher zu rücken. Was machen die Hearings mit dem als selbstverliebt geltenden 76-Jährigen?

Die Psychologin glaubt, dass Trump, dem sie eine narzisstische Persönlichkeitsstörung attestiert, mit den ständigen neuen Vorwürfen nicht umgehen kann. Vor allem, da er kaum etwas dagegen unternehmen könne, sagte sie in einem Interview mit dem Portal "The Daily Beast". Donald sei vermutlich besessen von den 6.-Januar-Hearings. "Er ist süchtig danach, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Ich bin sicher, er ist von diesen Anhörungen genauso fasziniert wie wir, aber auf eine vollständig andere Weise." Mit der ständigen Kritik könne Trump auf keinen Fall umgehen, und das mache es für die Menschen in seiner direkten Umgebung vermutlich unerträglich. Sie sei aber weit davon entfernt, die Leute in Trumps engerer Umgebung zu bedauern, schließlich hätten sie sich freiwillig in diese Situation begeben.

Donald Trump wird anderen die Schuld geben

Der Machtverlust, den ihr Onkel erlitten habe, mache es nur noch schlimmer, schätzt Mary Trump, weil er nicht in der Lage sei, sich mit der Situation auseinanderzusetzen. Er werde das stattdessen verdrängen und seine psychische Erkrankung damit nur noch schlimmer machen. "Jede schwere Krankheit, die nicht behandelt wird, verschlimmert sich mit der Zeit", urteilt Mary Trump.

Donald Trumps Zustand lässt nach Einschätzung seiner Nichte auch Schlüsse darauf zu, wie der Ex-Präsident auf eine mögliche Anklage wegen des Sturms auf das Kapitol reagieren würde. Er werde alle juristischen Register ziehen, ist sich Mary Trump sicher, "um das Thema zu ändern, das Wasser zu trüben, abzulenken, zu projizieren, jedem die Schuld zuzuschieben von den niedrigsten Helfern im Weißen Haus aufwärts". Nur eines werde er nicht tun, so die 57-Jährige in der Talkshow "Thom Hartmann Programm", er werde die Schuld nicht bei sich sehen.

"Donald hat das nicht allein gemacht"

Eine Anklage werde er auf keinen Fall hinnehmen, betonte die Buch-Autorin, und er werde jeden rekrutieren, der noch zu ihm steht. Ohnehin sei ja klar, "Donald hat das [den Versuch, die Wahl von Joe Biden zu kippen] nicht alleine gemacht. Er wurde auf Schritt und Tritt von Leuten in seinem inneren Kreis, allen in der Exekutive und fast der gesamten Republikanischen Partei unterstützt", ist sich Mary Trump sicher, die die Entwicklung ihres Onkels seit Jahren akribisch begleitet.

Sein Zorn, sollte es zu einer Anklage kommen, werde sich sowohl gegen seine Gegner als auch gegen seine Weggefährten und Gefolgsleute richten, glaubt die Psychologin. Das könnte sogar ohne Weiteres seine ältesten Kinder treffen – also Ivanka, Donald Jr. und Eric –, die während seiner Präsidentschaft seine Berater waren. Mary Trump begründet diese Einschätzung damit, dass die Beziehung zwischen Donald Trump und seinen erwachsenen Kinder "transaktional" sei – sie beeinflussten sich also gegenseitig.

Trump wurde für seine Taten bisher nie zur Rechenschaft gezogen

Angesichts dessen, was die öffentlichen Hearings zum 6. Januar bereits an den Tag gebracht hätten, wäre es "schockierend und gewissenlos" wenn ihr Onkel nicht angeklagt würde, betont Mary Trump. Sie erwartet, dass noch mehr bekannt werde als ohnehin schon. Wahrscheinlich sei aber, dass Donald Trump nicht glaube, "dass etwas passieren wird, weil nichts jemals passiert ist." Mary Trump: "Er hat sein ganzes Leben schreckliche Dinge getan und wurde nicht ein einziges Mal zur Rechenschaft gezogen, also gibt es dafür keinen Präzedenzfall."

Wohl auch nicht dafür, wie Donald Trump dann reagieren wird.

Quellen: "The Daily Beast" (Bezahl-Inhalt), Thom Hartmann Programm


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