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Geschasster FBI-Chef: FBI-Agentin erklärt das echte Problem von Trumps Rolle in der Comey-Affäre

FBI-Direktor James Comey sagte am Donnerstag über seine Gespräche mit Donald Trump aus. Seitdem wird diskutiert, ob Trump wirklich das Ende der Ermittlungen befahl. Eine FBI-Agentin war nach der Anhörung schockiert - aber aus einem völlig anderen Grund.

Donald Trump James Trump

Hat der ehemalige FBI-Chef James Comey in seiner Aussage Präsident Donald Trump belastet? Die Antwort ist eigentlich unwichtig, sagt eine FBI-Agentin.

Am Donnerstag sagte der ehemalige FBI-Chef James Comey aus, US-Präsident Donald Trump habe ihn indirekt dazu aufgefordert, die Ermittlungen zur vermuteten Wahlmanipulation durch Russland einzustellen. Wegen Behinderung der Justiz könnte aus der Befragung ein Amtsenthebungsverfahren hervorgehen. Eine ehemalige FBI-Agentin sah in den Aussagen allerdings ein viel tiefgreifenderes Problem.

Asha Rangappa ist Rechtsprofessorin an der Elite-Uni Yale. Von 2002 bis 2005 hatte sie aber einen anderen Job: Rangappa jagte als Spezialagentin für das FBI feindliche Spione in den USA. Sie schützte also ihr Land vor der Einflussnahme durch fremde Mächte - und genau deswegen fand sie Comeys Aussagen am Donnerstag "schockierend", erklärt sie in einem Gastbeitrag in der "Washington Post".

Donald Trump geht es um sich selbst

Dabei geht es ihr nicht wie vielen anderen um die Frage, ob Trumps Aussage, er "hoffe" die Ermittlungen können beigelegt werden, als Befehl zu verstehen sind. Ihr geht es im Gegenteil um einen Aspekt, der allen Gesprächen fehlte.

"In allen neun Malen, als Trump sich mit Comey traf oder mit ihm telefonierte, ging es darum, wie die russische Einmischung ihn persönlich betreffen würde, statt um die Frage, was sie für die Sicherheit unseres Landes bedeutet", so Rangappa. "Anscheinend hatte er wenig Interesse zu erfahren, wie groß das Ausmaß der Gefahr durch russische Geheimdienste ist oder wie das FBI weitere Attacken bei künftigen Wahlen verhindern könnte."

Als Comey gefragt wurde, ob er je das Gefühl gehabt hätte, Trump sei wegen der Einflussnahme besorgt, sagte er klar "Nein" - um dann hinzuzufügen, dass er sich mit Präsident Barack Obama mehrfach wegen des Themas getroffen hatte. Trump bezeichnete die Vorwürfe dagegen öffentlich als "Fake News".

Angriff in nie gekanntem Ausmaß

Ein weiterer Grund für Rangappas Schock ist das ihrer Einschätzung nach beispiellose Ausmaß der Manipulation. In ihrer Zeit als Antispionage-Agentin habe sie viele Fälle gesehen, in denen andere Staaten Individuen und Gruppen von US-Bürgern manipuliert und dazu gebracht haben, gegen die Interessen ihres Landes zu handeln. So etwas wie die russische Wahlmanipulation habe es nach ihrer Einschätzung und der sämtlicher Geheimdienste so aber noch nie gegeben.

"Russland hat versucht, das System an sich zu zerstören, indem man politische Parteien und ihre E-Mail-Server hackte, die Medien mit Falschinformationen überflutete und absichtlich Chaos in den Wahlprozess säte - dem Grundstein unserer Demokratie", so Rangappa.  Ein Angriff in nie gekanntem Ausmaß. Und Trump spricht mit Comey nur darüber, wie sehr die Ermittlungen ihm seine Arbeit schwieriger machen würden.

Wie die Aussagen im Comey-Prozess genau zu verstehen sind, ist für Rangappa daher nur eine Nebensache. Das wirkliche Problem ist aus ihrer Sicht der Präsident, der sich nur dafür interessiere, wie sich dieser Angriff auf seine persönliche Situation auswirkt - und nicht für die Folgen für das Land, dass er zu beschützen geschworen hat.