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"Chronische Impulsivität": Karl Rove machte George W. Bush zum US-Präsidenten - und lästert jetzt über Trump

Karl Rove gilt als Architekt hinter George W. Bushs Präsidentschaft. Wie kein anderer weiß er, wie man die Medien und Massen auf Linie bringt. Jetzt geht er mit Donald Trump hart ins Gericht.

Ohne ihn wäre George Bush Junior wohl nicht der 43. Präsident der Vereinigten Staaten geworden: Karl Roves Strategie für die Republikaner war der Schlüssel für die Machtübernahme und auch für Bushs zweite Amtszeit. Schon immer setzte Rove voll auf Angriff. Jetzt hat der mächtige Stratege einen aus den eigenen Reihen ins Fadenkreuz genommen: Präsident Donald Trump.

"Seine chronische Impulsivität ist offenbar unaufhaltbar - und schadet ihm klar selbst", so die Einschätzung des republikanischen Urgesteins zum aktuellen Präsidenten. Und weiter: "Mr. Trump mag die Kommunikationstechniken gemeistert haben, aber nicht die politische Substanz, so sabotiert er seine eigene Agenda." 

Twitter statt Politik

Vor allem Trumps Twitter-Tiraden sind Rove ein Dorn im Auge. Der Präsident konzentriere sich mehr auf seine Außendarstellung als auf konkrete Politik. Zudem würde er schlicht nicht verstehen, wie politische Arbeit funktioniert. Er erwarte immer sofortige Ergebnisse, verstehe aber nicht, dass hinter politischen Änderungen viel Arbeit steckt - und sie deshalb Zeit brauchen.

Trump behauptete Rove zufolge etwa, er habe bereits extreme Überprüfungsmaßnahmen für Reisende aus bestimmten muslimischen Ländern eingeführt. Auf Nachfrage eines Richters erklärte ein Beamter des Justizministeriums, die Arbeiten daran seien beendet worden. Trump habe das so verstanden, dass die neuen Standards fertig seien, so Rove - dabei hätten die Beamten in Wirklichkeit noch nicht einmal mit der Arbeit begonnen.

Karl Rove findet Ausstieg aus Klimaabkommen schlecht begründet

Auch Trumps Ankündigung zum Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen war dem Berater zuwider. Dabei begrüßte er den Austritt an sich durchaus. Die Begründung fand er aber fahrig und zu dünn. "Mr. Trump hat einen Weg gefunden, an den Mainstream-Medien vorbeizutwittern," erklärt Rove. "Mit seiner Ablehnung von Fact-Checking vertieft er aber die bereits starken Zweifel der Amerikaner an seiner Kompetenz und seiner Glaubwürdigkeit."

Dabei war Karl Rove einer der engagiertesten Kämpfer für die Strategie, mehr Wert auf Gefühle denn auf Fakten zu legen. Zudem verfolgte er einen stark anti-intellektuellen Ansatz und säte immer wieder Zweifel an der Expertise von liberalen Wissenschaftlern, die auch durch sein Mitwirken bei vielen republikanischen Wählern als elitär gelten.

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Testballon für den republikanischen Aufstand

Dass nun ausgerechnet Rove beginnt, gegen Trump zu schießen, kann wohl als Testballon für einen Aufstand der Republikaner gegen ihren Präsidenten gesehen werden. Während die Basis oft noch hinter Trump steht, dürfte die Führung ihn und seine unkonzentrierte und oft widersprüchliche Kommunikation und den Mangel an echten Projekten als hinderlich empfinden. Schließlich bleiben so Herzensangelegenheiten der Partei wie Steuersenkungen ohne Umsetzung.

Wegen seiner nach wie vor großen Beliebtheit stehen die Parteioberen wie Paul Ryan aber weiterhin hinter dem Präsidenten - offiziell zumindest. Sollte die Basis auf Angriffe wie den durch Rove positiv reagieren, könnte die Unterstützung aber schnell deutlich kleiner ausfallen. Und dann dürfte es für Donald Trump schnell eng werden.

mma