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Analyse

Aussage von Michael Cohen: Die vier Verbrechen des Donald Trump (die den US-Präsidenten nicht das Amt kosten werden)

Jahrelang hat Michael Cohen für Donald Trump gelogen, nun packt er vor dem US-Kongress aus - es sind Bekenntnisse eines gebrochenen Mannes. Und seine Vorwürfe gegen den US-Präsidenten fügen sich erschreckend ins bekannte Bild.

Zehn Jahre arbeitete Michael Cohen als skrupelloser Anwalt und Problemlöser für Donald Trump. "Ich bin der Typ, der für den Präsidenten sterben würde", hatte er noch vor zwei Jahren gesagt. Seitdem hat sich sein Verhältnis zum ehemaligen Chef deutlich verdüstert.

Gut sechs Stunden lang dauerte seine Abrechnung mit Donald Trump vor dem Oversight Committee des US-Kongresses. Es war das Bekenntnis eines gebrochenen Mannes. Eines Mannes, nach all den Jahren heimgesucht von Skrupeln. Der spät, zu spät realisiert hatte, dass er einem Blender gefolgt war und für ihn Straftaten begangen hat, die ihn nun ins Gefängnis bringen werden. Es war ein glaubhafter Auftritt, weil Cohen seine Vorwürfe an Trump nie überzog, ihn sogar gegen einige Vorwürfe verteidigte.

Michael Cohen - Donald Trumps sechstes Kind

Cohen bringt Trump dennoch schwer in Bedrängnis. Denn vor den Abgeordneten saß der Mann, den Donald Trump als Problemlöser seiner schmutzigsten Fälle engagiert hatte, der ihm lange Jahre so nahe stand, dass man ihn schon als "Trumps sechstes Kind" bezeichnete. Einer, der also über fast alle Umtriebe seines ehemaligen Chefs Bescheid wissen müsste.

Nun nannte Cohen den Präsidenten einen Lügner, Hochstapler und Rassisten. Zeichnete das Bild eines Geschäftsmannes, der keine Gelegenheit auslässt, krumme Dinger zu drehen, der seine Untergebenen nach Art eines Mafia-Bosses Schmutzarbeit machen lässt, der sich sogar die Hände reibt, als er hört, dass eine ausländische Macht die amerikanische Demokratie zu seinen Gunsten unterhöhlt.

Nichts von dem, was Cohen über Donald Trump gesagt hat, reicht bislang dafür aus, ihn des Amtes zu entheben. Die Demokraten sind ohnehin zögerlich, denn die Hürden sind hoch. Auch herrscht im amerikanischen Justizministerium schon seit Jahrzehnten die Meinung vor, dass ein amtierender Präsident nicht in einem Strafverfahren angeklagt werden kann. Falls Trump aber die Wahlen im kommenden Jahr verliert, hat er mit Sicherheit einiges zu befürchten.

Denn, wenn Michael Cohen die Wahrheit gesagt hat, ist Donald Trump an mindestens vier Straftaten beteiligt:

  1. Verstoß gegen Wahlkampffinanzierungsgesetze: Cohen legte die Kopie eines Schecks über 35.000 Dollar vor, den Trump unterschrieb, als er schon Präsident war. Schweigegeld für Pornostar Stormy Daniels, um zu vertuschen, dass sie mit ihm Sex hatte. Staatsanwälte könnten Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen die Gesetze zur Wahlkampffinanzierung aufnehmen.
  2. Verschwörung gegen die Vereinigten Staaten: Cohen erklärte, er sei im Juli 2016 gerade bei Trump gewesen, als Trumps Vertrauter Roger Stone anrief. Der habe Trump berichtet, er habe gerade mit dem WikiLeaks-Gründer Julian Assange telefoniert. Der habe ihm erzählt, dass man in den nächsten Tagen Massen an E-Mails veröffentlichen würde, die Hillary Clinton schadeten. "Wäre das nicht großartig",  soll Trump jubiliert haben. Nach amerikanischen Geheimdienstinformationen wurden die E-Mails von russischen Hackern gestohlen, um seine Kandidatur zu unterstützen. Genauso geht Cohen davon aus, dass Trump darüber Bescheid wusste, dass sich sein Sohn Donald Jr. und Vertreter seines Wahlkampfteams mit einer russischen Anwältin trafen, die schmutzige Details über Hillary Clinton versprochen hatte. Trump bestreitet bis heute, von alldem gewusst zu haben, er verfasste sogar eine schriftliche Erklärung an Sonderermittler Robert Mueller, behauptete darin, dass Roger Stone ihm nie von WikiLeaks berichtet habe. Gegen Trump könnten Ermittlungen wegen einer Verschwörung gegen die Vereinigten Staaten eingeleitet werden. Außerdem könnte er gegen Wahlkampfgesetze verstoßen haben, wenn er die Hilfe einer ausländischen Regierung beansprucht haben sollte.
  3. Anstiftung zum Meineid: Trump soll Cohen dazu verleitet haben, vor dem Kongress zu lügen, als er über dessen Bemühungen befragt wurde, einen Trump-Tower in Moskau zu bauen. Das Projekt, so Cohen, sei auch weiter verfolgt wurden, als Trump schon mitten im Präsidentschaftswahlkampf war. Trumps Anwälte hätten seine Lüge vor dem Kongress koordiniert. Eine Falschaussage vor dem Kongress ist, genauso wie die Anstiftung dazu, eine Straftat.
  4. Betrug: Als Trump sich einmal ein Footballteam kaufen wollte und von der Deutschen Bank Geld brauchte, täuschte er ein viel höheres Vermögen vor, als er tatsächlich besaß, um den Kredit zu bekommen, so Cohen. Als es aber an die Steuererklärung ging, rechnete er den Wert seiner Golfplätze systematisch herunter. Auch die Geschäfte von Trumps inzwischen aufgelöster wohltätiger Stiftung könnten von der Staatsanwaltschaft nach Cohens Aussage wieder näher untersucht werden. Trump soll 60.000 Dollar aus dem Stiftungsvermögen an einen Strohmann gezahlt haben, der auf einer Auktion ein Porträt von ihm ersteigern solle. Trump war besessen davon, dass das Bild mit seinem Konterfei den höchsten Preis bei der Auktion erzielen sollte. Vielleicht muss Trump für diese Eitelkeit noch einen höheren Preis bezahlen, denn es verstößt gegen mehrere Gesetze, Stiftungsgeld für nicht-wohltätige Zwecke zu verwenden.

Vorwürfe fügen sich ins bekannte Bild

Es ist ein erschreckendes, aber auch allzu vertrautes Bild, das Michael Cohen mit diesen Vorwürfen vom mächtigsten Mann der Welt zeichnet. Es überraschte deshalb auch nicht sehr, als Cohen andeutete, dass bei der Staatsanwaltschaft in New York ein weiteres, bisher unbekanntes Verfahren anhängig ist, in das Trump verwickelt sein soll. Das alles fügt sich in eine Präsidentschaft, deren Alltag so sehr von Skandalen und deren Vertuschung gekennzeichnet ist, dass noch nicht einmal mehr die Republikaner sich die Mühe machten, bei der Anhörung im Kongress den moralischen Charakter von Donald Trump zu verteidigen. Niemand sprach von ihm als aufrichtigen Menschen. Keiner widerlegte die mutmaßlichen Straftaten von Donald Trump.

Stattdessen griffen sie Michael Cohen an. Den Mann, der Trump bedingungslos folgte. Und der deshalb alles verlor.