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"New York Times"-Analyse: Diese zehn Erkenntnisse liefern Trumps 11.000 bisherige Tweets

Donald Trump nutzt Twitter wie kein Staatschef sonst auf der Welt. Mehr als 11.000 Tweets hat er in seiner bisherigen Amtszeit abgesetzt. Die "New York Times" hat die Botschaften analysiert und Interessantes festgestellt.

Donald Trump auf Twitter

Für Donald Trump ist Twitter das wichtigste Kommunikationsmittel. An so gut wie jedem Tag macht der US-Präsident über den Kurznachrichtendienst seine Launen öffentlich, prügelt dabei auf Kritiker und Gegner ein, schwärmt von seinen Fans und sich selbst und betreibt per Tweet sogar Weltpolitik.

Seit seinem Amtsantritt im Januar 2017 hat er mehr als 11.000 solcher Botschaften verschickt. Die US-Zeitung "New York Times" hat sie von Anfang an gesammelt, analysiert und daraus wichtige Erkenntnisse gewonnen:

1. Volle Attacke - mit einer bemerkenswerten Ausnahme.

5.889 und damit mehr als die Hälfte der über 11.000 Tweets von Donald Trump sind laut "New York Times" Angriffe auf alles und jeden: von politischen Gegnern, den Russland-Ermittlungen durch Robert Mueller und der Notenbank Fed bis hin zu TV-Sendungen und -Moderatoren, ehemaligen Regierungsmitarbeitern, dunkelhäutigen American-Football-Spielern und Amazon-Gründer Jeff Bezos. Aber in mehr als 2000 Tweets hat Trump dem Blatt zufolge eine Person besonders gelobt: sich selbst.

2. Regierungsmitarbeiter wollten, dass Trumps Tweets mit 15 Minuten Verzögerung live gehen

Zu Beginn von Trumps Amtszeit haben leitende Mitarbeiter des Weißen Hauses der "New Yorks Times" zufolge die Idee diskutiert, Twitter zu bitten, für den Kanal des Präsidenten einen Verzögerungsmechanismus einzuführen. Der Kurznachrichtendienst hätte Trumps Tweets demnach immer erst 15 Minuten nach dem Versenden live schalten sollen, damit im Bedarfsfall ein Einschreiten möglich gewesen wäre.

Die Idee sei aber schnell verworfen worden, hieß es. Die Angst vor den möglichen Folgen, falls die Medien oder Trump selbst davon erfahren hätten, sei zu groß gewesen.

Viele der Teenager bei dieser Veranstaltung in Ohio sind sich schon sicher, wen sie 2020 wählen werden: Donald Trump.

3. Ausländische Geheimdienste buhlen um Aufmerksamkeit

Twitter-Kanäle mit Verbindungen zu staatlich geförderten Propagandaaktionen in China, dem Iran und Russland haben nach Angaben der Zeitung Tausende von Posts an Trump gerichtet. Die Kanäle förderten häufig Verschwörungstheorien oder unterstützten die Politik des Republikaners. Ein Account postete demnach: "Wir lieben Sie, Herr Präsident!" – und Trump retweetete die Botschaft.

4. Trumps Retweets pushen Extremisten

Der Präsident hat laut "New York Times" Nachrichten von mindestens 145 nicht verifizierten Kanälen, die Verschwörungstheorien oder extremistische Inhalte propagieren, weiterverbreitet – darunter mehr als zwei Dutzend Twitterer, die mittlerweile vom Kurznachrichtendienst gesperrt wurden. Zu ihnen gehörten weiße Nationalisten, antimuslimische Fanatiker und Anhänger von QAnon. QAnon steht für eine rechtsextreme Verschwörungstheorie über satanische Pädophile und einen "Deep State". Dieser "Staat im Staate" soll eine angeblich im Verborgenen wirkende Macht von Bürokraten, Geheimdiensten und Militär sein, die Trump stürzen will. QAnon-Anhänger werden von der US-Bundespolizei FBI als mögliche innerstaatliche Terrorbedrohung angesehen.

5. Trump folgt nicht zurück

Donald Trump hat 66,5 Millionen Follower. Aber er selbst folgt lediglich 47 Twitterern. Die meisten von ihnen sind Mitglieder seiner Familie, Prominente, Moderatoren seines Lieblingssenders Fox News oder republikanische Politiker. Einige dieser Personen folgen nach "New York Times"-Angaben wiederum Twitter-Kanälen, die QAnon promoten, Anti-Islam-Einstellungen verbreiten oder Ansichten weißer Nationalisten anhängen.

6. Getwittert wird, wenn keiner guckt

Trump versucht es der Zeitung zufolge zu vermeiden, vor anderen Leuten zu twittern. Der 73-Jährige möge es nicht, seine Lesebrille zu tragen, die er brauche, um die Schrift auf seinem iPhone-Bildschirm zu erkennen, berichtet das Blatt. Stattdessen diktiere er seine Tweets lieber seinem Social-Media-Direktor Dan Scavino. Dieser sitze in Rufweite in einem schrankgroßen Raum neben dem Oval Office. Manchmal schlage Scavino Trump auch Tweets vor. Er drucke dann "scharfe", "mittlere" und "milde" Versionen davon in extra großer Schrift aus, um sie dem Präsidenten vorzulegen und von ihm absegnen zu lassen.

7. Morgenzeit ist Twitterzeit

Am intensivsten twittere Donald Trump zu Tagesbeginn, wenn er sich im Weißen Haus befinde, Fox News im Fernsehen schaue und durch seine Twitter-Erwähnungen scrolle, schreibt die "New York Times". Dann mache der Präsident den Kurznachrichtendienst zu dem, was einer seiner Mitarbeiter als die "ultimative Waffe der massenhaften Verbreitung" bezeichnet habe. Fast die Hälfte seiner "Angriffstweets" sei zwischen sechs und zehn Uhr am Morgen verschickt worden – zu einer Zeit, die er meist ohne die Gegenwart von Beratern verbringe.

8. Follower ≠ Wahlberechtigte

Laut der "New York Times"-Analyse gehören weniger als ein Fünftel der Kanäle, die Trump folgen, wahlberechtigten US-Bürgern. Zudem seien seine Follower im Vergleich zu den Twitter-Nutzern insgesamt "überproportional älter, weiß und männlich".

22 Millionen, also ein Drittel seiner 66 Millionen Follower, haben demnach kein Profilbild oder identifizierende Informationen auf ihrem Kanal.

9. Rechtschreibfehler sind (k)ein Versehen 

Obwohl Dan Scavino einige von Trumps Tweets schreibt, fallen diese immer wieder durch schlechte Grammatik und Rechtschreibfehler auf und ziehen entsprechenden Spott nach sich. In den Augen seiner Mitarbeiter machten diese Fehler aber einen wichtigen Teil der Anziehungskraft des Präsidenten aus, berichtet die Zeitung: "Trumps Team glaubt, dass sein ungeschminktes Schreiben, seine schlechte Interpunktion und seine zunehmende Profanität auf Twitter Authentizität signalisiert."

10. Jedermanns "Lieblingspräsident" liebt Diktatoren

Die "New York Times" hat nach eigenen Angaben jeden einzelnen Tweet des Präsidenten gelesen. Demnach hat Trump in seinen mehr als 11.000 Kurznachrichten 183 Mal mit der Größe oder dem Beifall seines Publikums bei Veranstaltungen geprahlt, 570 Mal Immigranten angegriffen; 132 Mal Diktatoren gelobt und 36 Mal die Nachrichtenmedien "Feind des Volkes" genannt. Bei 16 Gelegenheiten bezeichnete sich Trump demnach selbst als jedermanns "Lieblingspräsidenten".

Quellen: "New York Times", "Mashable"

mad