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US-Republikaner Das Alphatier Trump schwächelt und vieles spricht dafür, dass er sich nicht wieder erholen wird

Donald Trump Kanye West
Als Rapper unumstritten, nicht so als Mensch: Ye verbindet schon länger eine  Bekanntschaft mit Donald Trump.
© Timothy A. Clary / AFP
Bis vor kurzem führte bei den Republikanern kein Weg an Donald Trump vorbei. Doch das Alphatier verliert rasend an Ansehen. Zwar wurde er schon oft totgesagt, doch mittlerweile spricht vieles dafür, dass sein Stern am Sinken ist.

Mike Pence war einer der Wenigen im Weißen Haus, an dem die Eskapaden Donald Trumps über all die Jahre abperlten. Wenn der Vize neben seinem Chef stand, wirkte er meist, selbstversunken, wie dessen gönnerhafter Onkel. Pence' Demut schien selbst nach dem Kapitolsturm, als ein aufgebrachter Trump-Mob seinen Kopf forderte, unerschütterlich. Nie verlor die frühere Nummer ein schlechtes Wort über Trump, genausgenommen verlor er überhaupt kein Wort mehr über ihn. Das hat sich nun geändert, ausgerechnet der brave Mike kritisiert den Ex-Präsidenten. Er ist längst nicht der einzige Republikaner, der am Denkmal Donald Trump kratzt. Geht dessen Zeit nun doch zu Ende?

Donald Trump bis vor Kurzem sakrosankt

Bis vor kurzem war der Immobilienmilliardär die unumstrittene Nummer eins bei der konservativen Partei. Kein republikanischer Kandidat wurde ohne seinen Segen nominiert, 80 Prozent der Basis wollte ihn wieder in das nächste Präsidentschaftsrennen schicken. Allein der Umstand, dass er drei Richter an den Obersten Gerichtshof entsandt, und den Supreme Court auf Jahrzehnte konservativ ausgerichtet hat, machten ihn selbst für moderate Republikaner sakrosankt. Doch spätestens seit den Zwischenwahlen Anfang November sinkt sein Stern rapide.

Donald Trump wurde schon oft totgesagt, hat seine Kritiker aber immer eines Besseren belehrt. Dennoch: Diese Indizien sprechen dafür, dass Donald Trump auf dem absteigenden Ast ist.

Früher waren Schlagzeilen für Donald Trump Aufmerksamkeit, mittlerweile bedeuten sie immer häufiger Ärger. Wie zuletzt das Abendessen in Florida mit dem Musiker Ye, früher Kanye West und dem Rassisten Nick Fuentes. Die heftige Kritik an dem Dinner bügelte der ehemalige Präsident auf seine übliche Art ab, dass er nämlich Fuentes gar nicht kennen würde, er sei von Ye mitgebracht wurden. Da platzte selbst dem zurückhaltenden Mike Pence der Kragen: "Ich denke, war falsch von Präsident Trump, einem weißen Nationalisten, einem Antisemiten und einem Holocaust-Leugner einen Platz am Tisch zu geben, und ich denke, er sollte sich dafür entschuldigen", sagte der frühere Vize-Chef des Weißen Hauses in ungewohnter Offenheit.

Nur kurz nach seinen Ausscheiden aus dem Weißen Haus begann der Ex wieder damit, auf Bühnen zu klettern, um seinen Dauerwahlkampf fortzusetzen. Dass er sich noch einmal als Kandidat aufstellen lassen würde, daran zweifelte niemand. Doch als er es dann tat, Mitte November auf seinem Anwesen in Mar-a-Lago, wurde es eine seltsam müde und abgenutzte Show. Selbst rechte TV-Stationen klinkten sich aus und kurz zuvor hatte sogar Tochter Ivanka mitgeteilt, dass sie nicht mehr an der Seite ihres Vaters Politik machen wolle. Tage später postete sie auf Instagram Bilder aus Katar von sich und Kylian Mbappé, dem französischen Fußball-Superstar. "Soccer" aber ist in den USA kein Sport, mit dem man die Herzen von Republikanern erobert.

Trumps Kandidaten enttäuschen

Über das Timing von Trumps Kandidatur wurde lange diskutiert, er entscheid sich dafür, die Midterms abzuwarten. Mutmaßlich spekulierte er auf Rückenwind durch einen Erfolg seiner handverlesenen Kandidaten. Doch ihr Abschneiden war noch enttäuschender als das der gesamten Partei. Zwar stand die Person Trump nicht auf dem Wahlzettel, dennoch galt die Abstimmung auch ihm. Und zur vierten Wahl in Folge konnte Trump und sein Trumpismus nicht mehrheitlich überzeugen. Dass er 2016 als Zweitplatzierter US-Präsident wurde, verdankte er den Eigenarten des Wahlsystems der Vereinigten Staaten. Mit Verlierern aber hat die Öffentlichkeit, die amerikanische zumal, nur sehr begrenzt Geduld.

Ganz sicher keine Hilfe sind die nicht enden wollenden juristischen Streitereien, die Trump beinahe im Wochentakt zusetzten. Allein im November erlitt der Ex-Präsident vier Schlappen vor Gericht: Der Supreme Court urteilte, dass er dem US-Kongress seine Steuererklärungen übergeben muss. Dann wurde ein konkreter Prozesstermin gegen seine Kinder als Führung der Trump Organization festlegt. Der Fall einer mutmaßlichen Vergewaltigung aus den 90er-Jahren wird wieder aufgerollt und zuletzt hat ein Bundesgericht entschieden, dass Trump keine Immunität vor Zivilklagen im Zusammenhang mit den Kapitol-Unruhen vom 6. Januar genieße. Möglichweise stoppen auch Richter seine weitere Karriere.

Das Alphatier schwächelt

Wie sehr das Alphatier schwächelt, lässt sich auch daran ablesen, wie schnell sich die Herausforderer aus der Deckung wagen, deren Zahl vor kurzem noch überschaubar war. Von Ex-Vize Mike Pence wird angenommen, dass er den Schritt wagen wird – auch wenn ihm kaum jemand Chancen auf die Kandidatur einräumt. Nikki Haley, unter Trump Botschafterin bei den Vereinten Nationen und eigentlich seine Unterstützerin, spielt nun ebenfalls mit dem "ernsthaften" Gedanken, ihrem Hut in den Ring zu werfen. "Er hat nicht mehr die innerparteiliche Unterstützung, die er mal hatte", sagte Chris Sununu, konservativer Gouverneur von New Hampshire jüngst. Und: "Natürlich spielt er eine Rolle, aber er ist eben nur noch einer von vielen."

Vor allem ein Kontrahent dürfte Trump zu schaffen machen: ein echter Hoffnungsträger, dazu einer, der nicht so peinlich ist: Ron DeSantis, Gouverneur von Florida. Schon länger funkelt er als neuer Stern am konservativen Horizont. DeSantis ist erst 44 Jahre alt, gesellschaftspolitisch steht er relativ weit rechts, verkauft seine Positionen aber deutlich geschickter als der frühere Chef des Weißen Hauses. Und, im Gegensatz zu vielen Parteifreunden, wurde er nicht nur im Amt bestätigt, sondern konnte auch noch zulegen. Das spiegelt sich auch bei seinen Beliebtheitswerten wider: Lag der Regierungschef im direkten Vergleich mit Trump monatelang bei rund um die 20 Prozent, sind beide teilweise nun bereits auf Augenhöhe. Unterstützung bekommt DeSantis nun auch vom neuen Twitter-Chef Elon Musk: Sollte der Gouverneur 2024 zur Wahl antreten, hätte der seine Rückendeckung, twitterte Musk jüngst.

Quellen: DPA, "Politico", "The Hill", CNBC, RND, "Tampa Bay Times", Elon Musk auf Twitter

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