Großangriff statt Zusammenarbeit: US-Präsident Donald Trump und sein Pressesprecher haben die Medien in einer beispiellosen Attacke für ihre Berichterstattung über die Amtseinführung kritisiert. Trump bezichtigte die Medien am Samstag der "Lüge", sein Sprecher Sean Spicer schrie bei einem absurden Auftritt praktisch ins Mikrofon, die Presse werde "zur Rechenschaft gezogen". Und alles nur wegen der Frage: Wie viele Menschen haben Trumps Amtseinführung wirklich besucht?
Trump scheint viel Wert darauf zu legen, die meisten Fans bei einem Amtsantritt gehabt zu haben. Seinen Besuch beim Auslandsgeheimdienst CIA nutzte er für eine Medienschelte. Er habe am Freitag am Kapitol eine Rede gehalten und sich umgesehen und das habe wie "eine Million, anderthalb Millionen Menschen" ausgesehen. In einem Bericht war hingegen nur von 250.000 Menschen die Rede. "Das ist eine Lüge", sagte Trump. Die Medien hätten einen Bereich gezeigt, "wo praktisch niemand stand" und behauptet, er habe keine Menschen angezogen.
Wutrede statt Pressekonferenz
Auch Spicer redete sich bei seiner ersten Presseunterrichtung im Weißen Haus über die "absichtlich falsche Berichterstattung" der Medien in Rage. "Das war die größte Zuschauerzahl, die jemals einer Amtseinführung beigewohnt hat", schrie er förmlich ins Mikrofon. "Punkt!" Die Versuche der Presse, die Begeisterung während Trumps Amtseinführung zu schmälern, seien "beschämend und falsch".
Trump habe mit seiner Antrittsrede das Land versöhnen wollen, fuhr Spicer fort. Die "Unehrlichkeit" in den Medien mache diese Herausforderung noch schwieriger. "Wir werden die Presse zur Rechenschaft ziehen", sagte er in seiner in sehr erregtem Tonfall gehaltenen Tirade. Fragen gestattete er nicht.
Das Absurde an seinem Auftritt: Obwohl Spicer mehrfach betonte, dass keine offiziellen Zahlen zu den Besuchern vorlägen, bestand er darauf, dass es sich um Rekordwerte handelte. Das widerspricht aber sowohl Fernsehaufnahmen als auch Luftbildern, die Trumps Amtsantritt mit dem Barack Obamas 2009 vergleichen und vom seriösen Nachrichtensender PBS veröffentlicht wurden. Wie sich klar erkennen lässt, war die Washington Mall damals zum gleichen Zeitpunkt mit deutlich mehr Menschen gefüllt.
Falsche Fakten als Beweis
Auch die in der Tirade genannten Zahlen waren zum Teil falsch. Spicer behauptete, dass 420.000 Menschen am Morgen der Amtseinführung die Washingtoner Metro benutzt hätten, bei Obamas letztem Amtsantritt seien es nur 317.000 gewesen. Die Metro selbst nannte allerdings in einem Tweet nur 193.000 Passagiere, also weniger als die Hälfte. Zudem war zwar die Zahl von 317.000 Nutzern des Nahverkehrs zum Antritt von Obamas zweiter Amtszeit 2013 korrekt, aber irreführend. Zu seinem ersten Amtsantritt 2009 waren sogar 513.000 Menschen mit der Metro unterwegs gewesen.